Die Matterhörner dieser Welt

Der schönste Berg der Welt, dazu der wohl am meisten fotografierte - das Matterhorn in der Schweiz, gilt als eine Art perfekter Berg. Und zwar nicht nur für Bergsteiger und Tourengeher, sondern eben auch für Fotografen und Abenteuersuchende. Hans Kammerlander zog mit seinem Abschlussvortrag zum Freiträumerfestival noch einmal die Gäste in seinen Bann.

Von Ingo Eckardt

Plauen - "Überall auf der Erde habe ich solche schönen Berge gesehen, die allein durch ihre Erscheinung etwas Besonderes sind. In vielen Jahren auf den Bergen der Welt, habe ich immer das Spektakuläre gesucht. Dabei blieb mir oft zu wenig Zeit zum Freuen über das Erreichte", bekannte Kammerlander gleich zu Beginn und begründete, warum sich der Extrembergsteiger nicht den spektakulären zwölf Achttausender-Besteigungen seiner Karriere sondern eben den Bergen im Schatten des Extremen mit seinem Vortrag widmet. 
Nach dem Aufstieg auf einen großen Berg, sei er oft schon am nächsten Aufstieg gewesen, mit den Gedanken. 
Der 62-jährige Südtiroler Bergsteiger bekannte auch, gern die zweithöchsten Berge, die Berge im Schatten der höchsten, begangen zu haben. Darüber habe er sogar ein Buch geschrieben (Seven second summits). Zuletzt habe er aufgrund seines Alters viel mehr den Genuss gesucht, eben eher das Ursprüngliche, das Einfache. Er wolle stets die Botschaft senden, nach vorn gehen und nicht den Kopf in den Sand stecken - in allen Dingen des Lebens. 
So startete er seine filmisch-fotografische Reise mit einer kleinen Exkursion in die Geschichte der Besteigung des Matterhorns, der gleich zu Beginn einige Tote gefordert habe. Kammerlander erzählte auch über die legendäre Erstbesteigung, über die bis heute bei Bergsteigern gefürchtete Nordwand durch die deutschen Brüder Schmidt. Ihren Weg ging auch Kammerlander selbst vor 45 Jahren erstmals an. 
Er erinnerte sich an sein Zeltlager am Fuß der Wand und daran, wie er mit seinem Kameraden mit Stirnlampen frühmorgens in die Wand gestartet sei. "Ich war jung und unbedarft, habe oben am Berg ein Seil vorgefunden, das ich zum Sichern nutzte, am Ende zeigte sich, dass es nur ein wenig eingeeist war in der Wand und gar nicht verankert. Das war echt gefährlich, wir hatten ein riesiges Glück. Seither nutze ich solche Seile nicht mehr", hat Kammerlander seine Lektion gelernt. Man habe am Berg einen tollen Sonnenuntergang erlebt, aber nicht bedacht, wie schnell es danach dunkel wird. Auch dies sei ein Stück Lehre für die Bergsteiger-Zukunft gewesen.
Über Jahre hinweg, so erzählte Kammerlander, sei er viel in den Westalpen geklettert, am Ende stand die legendäre Eiger-Nordwand. "Da endeten damals die Alpen und die Herausforderung. Ich hatte dann das große Glück, in Südtirol als Bergführer im Team von Reinhold Messner zu arbeiten. An seiner Seite bin ich letztlich sieben Achttausender geklettert", erzählt Kammerlander, der seither bei allen Touren die Ski dabei hat und wildeste Abfahrten im freien Gelände absolvierte.
Eine weitere große Herausforderung habe er aber wieder am Matterhorn gewagt. Auf vier verschiedenen Kletterrouten bestieg er den Sehnsuchtsberg binnen 24 Stunden zusammen mit dem Schweizer Bergführer Diego Wellig. Einen guten Rat hatte Kammerlander für die Gäste parat, die vielleicht selbst einmal die Klettertour auf das Schweizer Wahrzeichen angehen möchten. "Gehen Sie Anfang September da hoch. Das ist der beste Termin für den Aufstieg. Es sind viel weniger Seilschaften unterwegs und das Wetter ist meist stabiler", sagt der Bergprofi.
Er lud die Gäste danach zum Ama Dablam in Nepal ein. "Ich mag das Land wegen der Menschen, der grandiosen Kultur und der wirklich faszinierenden Landschaften. Wie auch der Erstbesteiger des Mount Everest, Sir Edmund Hillary, hat es sich Kammerlander zur Aufgabe gemacht, in Nepal Schulen und Waisenhauser zu errichten und zu unterstützen. 
Eine nette Anekdote am Rande hatte Kammerlander parat. Er erzählte und zeigte Filmmaterial vom Aufstieg auf den tollen Berg im Himalya mit einem jodelnden Kameramann. Nach der Pause widmete sich Kammerlander weiteren Sehnsuchtsbergen in den Rocky Mountains, im hohen Norden Norwegens und am Shivling, dem viel beschworenen "Matterhorn Indiens". "Ich habe natürlich auch weitere Planungen zu anderen Matterhörnern, die in Russland, China und anderen Ländern zu finden sind und auf mich warten", erzählt Kammerlander, was er denn noch so vorhat in den kommenden Jahren. Und dann ist da noch sein großes Ziel, das er mit einem gewissen TV-Hintergrund verfolgt. "Beim letzten Versuch, den nepalesischen Manaslu für eine Fernsehdoku zu bezwingen, sind wir leider gescheitert. Das möchte ich schon noch einmal wissen", so der Bergsteiger.