Die Liebe hat keine Wahl

Liebe tut manchmal weh. Das haben die Lokalpolitiker Eric Holtschke (SPD) und Xenia Börner (CDU) aus Plauen schmerzlich erfahren.

Plauen - Holtschke (32) hat 2017 eine schwere Zeit durchgemacht. Die damaligen Geschehnisse haben ihn und seine Partnerin Xenia Börner hart getroffen. "Ich habe kurz überlegt, aus der SPD auszutreten. Aber die sozialdemokratische Partei ist meine politische Heimat", sagt er - und tritt als SPD-Kandidat am 26. Mai für den Plauener Stadtrat an. Ihm liegen besonders die Themen Sportentwicklung und Ehrenamtsförderung am Herzen.
Rückblick: 2017 war Holtschke SPD-Bundestagskandidat für das Vogtland gewesen. Und er ist seitdem mit Xenia Börner (heute 23) liiert, CDU-Stadträtin und Vize-Chefin der Jungen Union im Vogtland. Bei der Spitzenfest-Gala im Plauener Theater im Juni zeigte sich das junge Glück erstmals bei einem offiziellen Anlass. "In der Pause haben es alle gesehen und getuschelt", berichtet Xenia Börner. "Damit war es raus, eine Art Schocktherapie."
 Eric Holtschke war zu dieser Zeit auf zwei Stellen beschäftigt - für ein SPD-Ehepaar als Arbeitgeber: Für die Landtagsabgeordnete Juliane Pfeil-Zabel war er als Büroleiter tätig, für den Stadtvorsitzenden der Sozialdemokraten Benjamin Zabel als Fraktionsgeschäftsführer der Plauener SPD. Kurz nach der Spitzenfestgala flatterte die Kündigung ins Haus. Holtschke: "Das Vertrauen danach war auf beiden Seiten weg."
Holtschke war nach eigenen Worten wie vom Blitz gerührt, erschüttert von der Schnelligkeit und der Wucht der Abläufe - und natürlich von den Konsequenzen. "Das hat mich schwer getroffen, auch als Bundestagskandidat. Ich habe drei Wochen gebraucht, damit klar zu kommen. Natürlich habe ich überlegt, die Kandidatur abzubrechen. Letzten Endes habe ich das nicht getan, auch weil viele SPD-Mitglieder mich ermuntert haben, weiter zu machen. Gleichwohl sei es alles andere als angenehm gewesen, Mittelpunkt von Parteiversammlungen gewesen zu sein."
Der Vorfall habe ihn bis jüngst beschäftigt - aber auch stärker gemacht. Er wolle politische Arbeit nicht abhängig machen von persönlichen Dingen, zumal sich das Verhältnis zu Zabels verbessert habe. "Es funktioniert auf Arbeitsebene, um politische Ziele zu erreichen."
An Partnerin Xenia Börner ist das Ganze ebenfalls nicht spurlos vorüber gegangen. "Mir war es unangenehm, von wildfremden Leuten auf der Straße angesprochen zu werden zu intimen Dingen - erst recht, wenn man wie ich ein Mensch ist, der nicht gern über Privates spricht", sagt die junge Frau, die gerade zur Pressesprecherin der vogtländischen JU gewählt wurde.
 Erstmals gesehen hatten sich beide im Plauener Rathaus: Holtschke ist seit 2014 beratender Bürger in Ausschüssen des Stadtrates gewesen und sah Xenia, als sie mit einer SPD-Kollegin Absprachen traf wegen einer Fahrgemeinschaft. "Attraktive Frau", dachte er. 2017 wurden daraus freundschaftliche Kontakte innerhalb der Netzwerk-Arbeit. "Das war ein allmählicher Prozess - bis zur Spitzenfest-Gala", sagen beide.
 Xenia Börner wird bald fertig mit ihrem Studium an der TU Dresden: Als Wirtschaftsingenieurin würde sie gern in der Automobilindustrie arbeiten - und in der Region bleiben. Ihr Freund Eric hat Politikwissenschaften in Chemnitz und Prag studiert und arbeitet seit wenigen Tagen als Bereichsleiter in der Lebenshilfe Plauen.
Er findet die Großen Koalitionen in Berlin und Dresden richtig. Sie ist kein Freund solcher Konstellationen "insbesondere im Bund herrscht derzeit ja Stillstand. Doch wenn für die politische Stabilität jedoch notwendig, ist eine große Koalition ein probates Mittel."
Bei vielen städtischen Themen ist das Paar einer Meinung: Studienakademie, Städtebau, Ehrenamt und Elsteraue seien als Beispiele genannt. Unterschiedlich ist die Sicht auf solche Dinge wie die Gemeinschaftsschule. "Aber es harmoniert trotzdem gut, da wir beide keine Ideologen sind", erklären beide.
Sie lobt die Kampagnenfähigkeit der SPD, "wie sie Themen in die Öffentlichkeit kriegt". Er sieht bei der CDU strukturelle Vorteile: Personelle Stärke von Regierung über Abgeordnete in Bundes- und Landtag bis zum Landrat. "Auch die wirtschaftliche Entwicklung Sachsens ist positiv. Dagegen ist der mangelnde Kampf gegen Rechtsextremismus ein großer Minuspunkt." ufa