"Die Leute mit Fakten füttern"

Dass die Oberlosaer einen Stern bekommen, steht bereits seit fast einem Jahr fest. Im September 2020 informierte Alexander Müller, der das Hofer Familienunternehmen in vierter Generation leitet, die Mitglieder des Stadtbau- und Umweltausschusses, dass zwischen der A72, nahe der Ausfahrt Plauen-Süd und der B92 ein modernes Mercedes-Autohaus entstehen soll. Gestern gab es einen Ortstermin.

Von Torsten Piontkowski

Oberlosa Bereits damals bezeichnete Kerstin Wolf den geplanten Baubeginn 2022 als "sportliches Ziel". Gestern nun lud die Baubürgermeisterin zu einem Vor-Ort-Termin auf die "grüne Wiese" ein. Und in der Tat braucht es eine Portion Phantasie, dass hier Ende 2023 eines der ersten komplett neu gebauten Autohäuser der Zukunft von Mercedes Benz in Betrieb genommen werden soll. Und ebenfalls bei der damaligen Erstpräsentation wurde deutlich, dass man mit topografischen Problemen rechnen müsse - immerhin beträgt der Höhenunterschied der künftig fast 50.000 Quadratmeter großen Nutzfläche 16 Meter. Er werde den Erdaushub - in welcher Menge der auch nötig sein werde - aus eigener Tasche bezahlen müssen, weil dafür keine Fördermittel bewilligt würden, hatte Geschäftsführer Müller damals erklärt. Und: Man werde auf Fels stoßen.
Das schließlich war auch der Grund des gestrigen Vor-Ort-Termins, denn wo sich Fels zeigt, muss mit einiger Wahrscheinlichkeit gesprengt werden. Das wiederum "verunsicherte" im Vorfeld die Bürger Oberlosas, um es diplomatisch zu formulieren. Und in der Tat, so Kerstin Wolf, seien vor 15 Jahren im Teil II des Gewerbegebiets so genannte Lockerungssprengungen erfolgt. Obwohl einzelne Bürger von Schäden an ihren Gebäuden berichteten, seien damals keine Anzeigen erfolgt. Doch die Erinnerung hielt sich.
Nun veranlasste Prof. Dr. Bernd Märtner, Chef von M&S Umweltprojekt und selbst Oberlosaer, eine Baugrunduntersuchung. Von der Oberkante bis zu unverwittertem Diabas - einem sehr hartem Gestein - seien es etwa drei Meter. Was für die Regenwasserableitung - dazwischen befindet sich eine 50 Zentimeter hohe Kiesschicht - hervorragend geeignet sei, erweise sich für die Gründung selbst als Herausforderung. Auf gut Deutsch geht es dabei um die Errichtung der Gebäude in den Baugrund.
Rücksprachen mit der Autobahn GmbH Nordbayern, die für das Areal zuständig ist, hätten ergeben, dass die dortigen Fachleute eine Lockerungssprengung "entspannt" sähen. Tiefbauamtsleiter Steffen Ullmann ergänzte, dass eine mögliche Sprengung vor allem in Nähe der Autobahn, nicht aber von Gebäuden erfolgen würde. Doch auch eine Lockerungssprengung, etwa 30 Meter von der Autobahn entfernt, sei völlig unbedenklich und halte auch die Bauarbeiten zeitlich nicht auf.
Eine so genannte Beweissicherung erfolge selbstverständlich auch in Richtung Oberlosa. Eine Erschütterungsprognose habe ergeben, dass dort keine Schwingungen ankommen würden. Janes Trawinski vom Oberlosaer Ortschaftsrat erinnerte an die damalige erste Sprengung, bei der die nächstliegenden Anwohner zunächst ein Erdbeben befürchteten. Erst bei der zweiten Sprengung habe man die Bevölkerung hinreichend informiert. "Das macht die Leute jetzt hellhörig", so Mathias Grünert, ebenfalls Ortschaftsrat.
"Wir werden die Leute mit Fakten füttern", versprach die Baubürgermeisterin. Als Signal an die Oberlosaer wollte sie verstanden wissen, dass man sich öfter treffen und alle Fragen beantworten wolle. Denn: Jeder Investor sei willkommen.
Der Bauherr selbst sieht sich ein wenig ungerecht behandelt. Die Fehler, die in der Vergangenheit im Umgang mit den Oberlosaern gemacht worden seien, tangieren nun seine Pläne, vor allem den zeitlichen Ablauf. "Wir müssen das Verfahren zügig durchziehen, im September sollen die Ausschreibungen erfolgen. Ende des Jahres sind die Auftragsbücher der Gewerke voll."
Nach Fertigstellung des hochmodernen Automobil- und Dienstleistungszentrums rechnet Müller mit etwa 80 Mitarbeitern vor Ort.