"Die Kunst ist nicht unterzukriegen"

Die Plauener Malerin Jana Geilhof durchlebt inmitten der Pandemie wie viele andere Menschen auch eine ebenso intensive wie schwere Zeit. Trotz allem oder gerade deshalb erweist sich jetzt die Kunst für sie und ihre Freunde als Energiespender, gibt sie Halt und Zuversicht.

Von Frank Blenz

Von wegen Kunst hält inne, ist vergessen, findet nicht statt. Trotz allem sind Künstler in diesen Zeiten - und sei es im stillen Kämmerlein, im Studio oder im Atelier aktiv. So auch Jana Geilhof, die gerade sehr viel arbeitet und darüber auch noch froh ist, musste sie sich doch jahrelang erst dorthin kämpfen, wo sie heute angekommen ist - anerkannt und nachgefragt als Malerin.
Das aktuelle, im Werden befindliche Werk der Künstlerin Geilhof besteht gleich aus fünf Teilen, als wäre ein Bild nicht genug. Das Quintett in Öl - es ist ein Auftragswerk eines fränkischen Kunstfreundes, der es anhand von Fotos aus dem eigenen Album bei der Vogtländerin bestellt hat. Monat um Monat vollendet Geilhof derzeit die überaus großen Formate, allesamt sind sie in einer Art Schwarz-Weiss-Foto-Optik gehalten und wecken Lust auf das Reisen.
Für den Auftraggeber sind sie jetzt schon Objekte dieser Lust und der Erinnerung. Die Golden Gate Bridge von San Francisco schimmert majestätisch am Horizont einer Straßenszene. Das Bildzitat vertäuter Gondeln wirkt wie eine Liebeserklärung an die bedrohte Stadt Venedig. Eine schöne, schroffe Landschaft löst Fernweh aus. Und schließlich sitzt eine Berühmtheit auf einem Stuhl, der Staatsgründer Atatürk. Das spontan aufgenommene historische Bild versteht der fränkische Kunstfeund als Hommage an einen großen Bürger der Türkei. "Der Gesamtauftrag ist eine anspruchsvolle Geschichte, sie ist sehr persönlich, darum werden die Bilder auch nur privat zu sehen sein", erzählt Jana Geilhof, während sie Detailstückchen der Gondeln in Venedig mit zarten Pinselstrichen streichelt.
Jana Geilhof erlebt gerade ein Wechselbad der Gefühle. Einerseits freut sie sich über ihre erste Personalausstellung in Oelsnitz, andererseits ist die nun geschlossen, und wird wohl ohne Zuschauer erlebt zu haben (mit Ausnahme der Eröffnung) wieder abgebaut, wobei nun geplant ist, bis zum März zu verlängern. Und dennoch: "Ich arbeite viel, es ist ausfüllend, mir geht es gut damit. Ich sehe aber auch mein Umfeld und wie schwer die Situation für viele Menschen ist. Und ich erlebe noch etwas, was mir Hoffnung gibt", so die Malerin. Damit meint sie die wachsende Aufmerksamkeit für die Kunst. "Ich bin sowohl als Malerin für Auftragswerke tätig als auch im Bereich Reparaturen von Kunst und bekomme in diesem Bereich zunehmend Besuch von Menschen, die ihre alten Schätze vorbeibringen. Vielleicht geschieht das gerade jetzt, da sich die Menschen zurückziehen müssen und Zeit finden, Kunst intensiver zu entdecken und zu schätzen. Statt etwas Materielles zu schenken, wird jetzt verstärkt Malerei verschenkt. Und der Wunsch wird stärker, Vorhandenes zu bewahren und zu sichern", beobachtet die Plauenerin.
Venedig ist im Entstehen. Das hochformatige Bild steht im kleinen Atelier, der kleinen Wohnstube der Künstlerin. Immer wieder tritt die Malerin ein, zwei Schritte von diesem Werk weg, schaut, verharrt im Stillen, setzt wieder zur Arbeit an. Und lächelt. "Ich bin froh, ich merke, die Kunst ist nicht unterzu kriegen, sie hat eine lebenswichtige Kraft für uns Menschen", so Geilhof. Kostet es zwar viel Kraft, die fünf Bilder zu vollenden, setzt Jana Geilhof derweil schon wieder andere Malereien fort. Ein Porträt eines Sportlers mit einer grandiosen Fotoechtheit, eine Malerei einer jungen Frau in opulenter Blumenszenerie. Man könnte denken, es sei ein Werk aus einem früheren Jahrhundert. "Ja, stimmt, es hat so eine Atmosphäre, ich habe dafür auch schon einen schönen, alten Rahmen, damit dieses Werk auch richtig zur Geltung kommt."