Die Königin und ihr Grab

Trist und trostlos, von Gras überwachsen, in der umgebenden Wiese kaum mehr erkennbar nimmt sich die Grabstelle von Regine Heinecke auf dem Friedhof von Bobenneukirchen aus.

Von Renate Wöllner

Hier wurde die "Königin der Illustrationskunst" - wie es in der Trauerrede geheißen hatte - vergangenen November beerdigt. Betroffen stand am Geburtstag, dem 20. August, an dem die Künstlerin 84 Jahre alt geworden wäre, eine Gruppe von Freunden am Grab, die zuvor das "Illusorium" besucht hatte, die Museumsausstellung auf Schloss Voigtsberg, welche dem Lebenswerk von Regine Heinecke gewidmet ist. Wer ist für die Grabpflege verantwortlich?
"Die Gemeinde Bösenbrunn ist es nicht", stellt Bürgermeister Berthold Valentin klar. Die Gemeinde habe ausgangs der Wintersaison aber die verwelkten Blumen beräumen lassen. Bürger hatten das Aussehen des Grabes als pietätlos in der Verwaltung kritisiert. Die Testamentsvollstreckerin der ohne Angehörige verstorbenen Künstlerin habe die Gestaltung der Grabstelle in die Wege geleitet, informiert Valentin.


Das bestätigt Anwältin Eva Jürcke aus Siegen. Die Grabstelle habe sich noch nicht vollständig gesenkt, erklärt sie. Die Gestaltung sei deshalb erst für November geplant und bereits mit einer Firma abgesprochen. Nach den hinterlassenen Anweisungen der Künstlerin sollen Grabstein und Einfassung gesetzt und nach den Vorstellungen der Naturliebhaberin gestaltet werden. Die Testamentsvollstreckerin lässt durchblicken, dass für alle Arbeiten jedoch auch ein finanzieller Rahmen gesetzt ist.


Doch wer übernimmt in der Zukunft die Grabpflege? "Der Erbe", sagt Bürgermeister Valentin. Die Stadt Oelsnitz hat Anfang Juni nach Stadtratsbeschluss den Erbschein beim Amtsgericht Plauen beantragt. Der Kommune wurde bereits 2008 per Vertrag gegen eine monatliche Leibrente das malerische und grafische Lebenswerks von der Künstlerin übereignet. Zur Hinterlassenschaft der Verstorbenen gehören auch nach diesem Abschluss entstandene Arbeiten sowie das Wohngrundstück in Bobenneukirchen, das Heinecke der Stadt Plauen testiert hatte, welche das Erbe aber ausschlug.


"Sowohl der Zustand des Grabes als auch des Grundstückes von Frau Heinecke stellen die Stadtverwaltung nicht zufrieden", gibt der Oelsnitzer Hauptamtsleiter Hannes Schulz Auskunft. "Nachfragen und Hinweise hierzu von besorgten Bürgerinnen und Bürgern" haben auch das Rathaus der Großen Kreisstadt erreicht. Die Testamentsvollstreckerin sei in Ausübung ihres Amtes "voll für die Nachlasssache und alle Dinge, die den Nachlass betreffen, verantwortlich". Zügig habe sich der Stadtrat mit der Erbschaftsangelegenheit befasst und Carmen Richter, Fachanwältin für Erbrecht aus Plauen, mit der Vertretung beauftragt. "Die Stadt Oelsnitz sieht sich als Alleinerbin für den Nachlass von Frau Heinecke", erklärt Schulz. Rechtsanwältin Richter dringe auf eine zügige Entscheidung. "In diesem Rahmen hat sie gegenüber dem Nachlassgericht über die Handlungsweise der Testamentsvollstreckerin berichtet", informiert der Hauptamtsleiter. Beim Erbscheinsverfahren vermutet er - "wie in Nachlasssachen üblich" - eine lange Dauer. "Auch wenn die Verantwortung (für die Grabpflege) primär im Bereich der Testamentsvollstreckung liegt, wird die Stadtverwaltung Möglichkeiten der Verbesserung der Situation prüfen und ergreifen", schließt Schulz.