Die Heilige Familie im Schaufenster

Für Geld ist alles zu haben. Oder doch nicht? Ein besonderes Krippenspiel führt die Belegschaft des Sächsischen Krankenhauses Rodewisch am 17. Dezember für Patienten, Kollegen und Gäste auf.

Von Cornelia Henze

Rodewisch Regungslos steht die heilige Familie samt Hirten und Gabenbringer aus dem Morgenland im Schaufenster eines Kaufhauses. Auf Marias Umhang und den Kronen der drei Könige hat sich dicker Staub abgesetzt. Um die Hälse tragen die Heiligen Preisschilder wie eine Kette, an dem das Kreuz baumelt. Schon im letzten Jahr standen sie dort, und in dem zuvor. So richtig haben will die heilige Familie keiner - es ist ein bisschen so wie damals in Bethlehem, als Josef mit der hochschwangeren Maria (fast) vergeblich von Tür zu Tür zog.
Die Schaufenster-Szene mit den Ladenhütern ist sozusagen die Ouvertüre des etwas anderen Krippenspieles namens "Alles wie immer?, das von dem christlichen Autor Jörn Philipp geschrieben und von der Rodewischer Krankenhaus-Seelsorgerin Dorothee Frölich-Mestars sozusagen "eingekauft" wurde. In ihrer zurückliegenden Zeit als Pfarrerin in Chemnitz habe sie gleiches Stück schon erfolgreich aufgeführt, sagt Frölich-Mestars. "Das Stück passt super in unsere Zeit. Es vermittelt, dass Weihnachten nicht nur mit Geschenken und Kaufen zu tun hat". Da sich das Stück an ein breitgefächertes Publikum wendet, das vom Kind über den Patienten, Gast bis zum Arzt reicht, sollte es alle ansprechen. Frölich-Mestars: "Das Krippenspiel ist nicht flach, aber klar verständlich".
Seit 2013 gab es am Sächsischen Krankenhaus kein eigenes inszeniertes Krippenspiel mehr. Das lag daran, weil der Festsaal noch unsaniert war und nicht zur Verfügung stand. Über die Jahre holte Frölich-Mestars Vorgänger, Pfarrer Henke, das Krippenspiel von seiner "Jungen Gemeinde" ins Krankehaus. Sozusagen als Gastspiel. Nun wagt die Seelsorgerin, die seit einem Jahr am Haus tätig ist, den Neustart. Ihre größten Bedenken, dass sich keine Darsteller unter der Belegschaft finden könnten, waren schnell ausgeräumt. 24 Laiendarsteller stehen teilweise erstmals auf einer Bühne - zusammen mit den Technikern rund um Requisite, Ton, Licht und Musik wächst die Crew auf 30 an.
"Meine größte Angst war, dass ich mir den Text nicht merken könnte", verrät Annett Dämmrig, die sonst in der Patientenaufnahme arbeitet und am 17. Dezember die Maria spielt. Wie es echte werdende Mütter tun, streicht sie mit den Händen über den dicken Babybauch, unter dem sich nicht das Jesuskind, aber wohl eine Attrappe verbirgt. "Mein Kind ist schon 20, und ich schon etwas älter", scherzt die Darstellerin - und auch ihr Josef, im echten Leben Josef Wassermeyer und am Haus als Personalrat tätig, muss schmunzeln. Unter einem Hirtenumhang steckt Julia Harder vom Medizincontrolling, unter einem zweiten die Ärztin Dagmar Stoppok. "Ich bin der geizige Wirt", sagt Carola Neumann lachend - eine Rolle, die passt, denn als Chef-Finanzerin im Rechnungswesen muss sie die Krankenhausgelder gut zusammenhalten.
Im Engelschor singen übrigens auch Patienten mit, am Klavier sitzt Lysanne Schmutzler und wenn wer einmal den Text vergisst, wird Angela Löffler als Souffleuse weiter helfen. Ob Esel, Ziege und Schaf vom Streichelzoo Stark mit ihren Hufen übers neue Parkett trampeln dürfen, ist noch nicht ganz entschieden. Wenn ja, wird es ein tierisches Vergnügen sein: Am 17. Dezember wird das Krippenspiel 15 und 17 Uhr aufgeführt.