Die Handhabe des Sichtbaren

Plauen - Für seine Lehrtätigkeit bis zum 8. August hat sich Glattfelder das Thema "ars inveniendi" gewählt und dies mit "Erfindungsstrategien" übersetzt. Seine Ausstellung, die am Samstag, 11 Uhr, in der Akademiegalerie im Weisbachschen Haus eröffnet werden wird, steht unter dem schönen Titel "Handhabe des Sichtbaren". Zu diesem Thema wird Professor Glattfelder auch am Dienstag, 3. August, 18 Uhr, im Weisbachschen Haus einen Vortrag halten, zu dem jedermann herzlich eingeladen ist.

Es sei eine große Ehre für ihn, so Hans Jörg Glattfelder, dass er als künstlerischer Leiter der Sommerakademie in Plauen tätig sein könne. Der 1939 in Zürich Geborene betritt mit seiner Lehrtätigkeit in Plauen Neuland. "Ich habe mich gründlich auf meine Arbeit im Weisbachschen Haus vorbereitet", sagt Glattfelder, denn er möchte schon, dass die 16 Teilnehmer der Sommerakademie auch etwas dazu lernten.

Er selbst begann in Zürich ein Studium in Kunstgeschichte, Archäologie und Jura. Die Anfänge seiner künstlerischen Entwicklung waren geprägt vom Geometrismus der "Züricher Konkreten", den Glattfelder aber unter dem Eindruck seines Italienaufenthaltes und der florentinischen Frührenaissance sehr individuell auffasste.

1966 gab es die erste Einzelausstellung in Mailand. Glattfelder entwickelte ein seriell herstellbares Pyramidenelement; mit variabel konzipierten Pyramidenreliefs beteiligt er sich an zahlreichen Gruppenausstellungen der konstruktiven Tendenz in Europa. 1977 lernt er den Philosophen H.H. Holz kennen, welcher ihn auf die gesellschaftliche Relevanz der konstruktiven Kunst hinweist. Seit jenen Jahren reflektiert Glattfelder über die Beziehung zwischen naturwissenschaftlicher Kultur und plastischer Sprache.

 

Gegen den Kult des Irrationalismus definierte Glattfelder in einem 1982 veröffentlichten Text seine Position als "Meta-Rationalismus". Er versteht darunter eine bildnerische Sprache, in welcher Rationalität gleichzeitig in Frage gestellt und thematisiert wird. In der Offenlegung und Diskussion der Methoden sieht Glattfelder die Voraussetzung für einen authentischen Dialog zwischen Wissenschaft und Kunst.

1990 ist Glattfelder als Stipendiat der Stadt Zürich in New York. 1998 erfolgte die Übersiedelung nach Paris, wo Glattfelder auch heute noch lebt. Die Sommerakademieteilnehmer werden in Professor Glattfelder einen Mann kennen lernen, der die seltene Gabe hat, komplizierte Zusammenhänge verständlich auszudrücken und der mit seiner Kunst international zu den wichtigen Vertretern der konkret-konstruktiven Kunstgehört. Auch verfasste Glattfelder ein Glossar, in dem die häufigsten Begriffe der konkret-konstruktiven Kunst erklärt werden.

 

Doch der Mann, der sich selbst als malenden Philosophen bezeichnet, zitiert einen Kollegen, wenn er die Besonderheit dieser Art von Kunst erklären will: Konkret-konstruktive Kunst erfordere "Aufmerksamkeit des Geistes, eine ständige Verfeinerung der Sinne und eine Heiterkeit des Gemüts". Die Beschäftigung mit dieser Kunst führe dann jedoch bei jedem einzelnen zu einer Aufmerksamkeit des Geistes, zur Verfeinerung der Sinne und zur Heiterkeit des Gemüts. Besonders freut sich Professor Glattfelder, dass am Samstag Hans-Peter Riese die Einführung in seine Ausstellung vornehmen wird. Riese ist ein ausgewiesener Kunstkenner, der auch als Autor des Standardwerkes "Kunst: konstruktiv/konkret" von sich Reden machte. Für Klaus Helbig, den Akademieintendanten und Initiator der Internationalen Sommerakademie, ist es "geradezu ein Glücksfall", dass eine so renommierte Persönlichkeit wie Hans Jörg Glattfelder als Leiter der Sommerakademie gewonnen werden konnte. Die Ausstellung "Handhabe des Sichtbaren" mit Werken von Hans Jörg Glattfelder wird bis zum 12. September, von Dienstag bis Freitagt von 14 bis 17 Uhr in der Akademiegalerie des Weisbachschen Hauses, Bleichstraße 3, zu sehen sein.  M.B.