"Die Grammatik muss stimmen"

Zur Uraufführung von Händels "Messias" 1742 im Dubliner Konzerthaus soll der König stehend applaudiert haben. Genau das erhofft sich Prof. Felix Koch auch vom Plauener Publikum, wenn das Oratorium am 5. April, 18 Uhr, im Vogtlandtheater seine Premiere erlebt

Von Torsten Piontkowski

Plauen Reifen alle Blütenträume des Professors aus Mainz, dann wird dieser 5. April für die Plauener und vogtländischen Konzertbesucher ein ganz besonderer. Und dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen handelt es sich um ein Mammutprojekt, den "authentischen" Händel nach Plauen zu holen, zum anderen stellt das Projekt auch für die Zuhörer eine Herausforderung dar.
Die "Anfänge" scheinen jedenfalls erfolgversprechend. Am Montag gab es eine erste Solistenprobe in Zwickau, von der Prof. Koch mehr als angetan ist. "Ich war hellauf begeistert, wie die Sänger sich eingelassen haben. Jeder Einzelne hat sich in die Klangfarbe reingedacht, ein toller Auftakt", sagt er während des gestrigen Pressegespräches, mit dem auf den Plauener "Messias" eingestimmt wurde.
Und um die Frage vorab zu klären, wie es den Professor - den mit Jeans und Kapuzenpulli niemand auf der Straße als solchen ausmachen würde - nach Plauen verschlug: In dem von ihm geleiteten Kammerchor singt ein gebürtiger Plauener, der einst in der Singakademie agierte. Und auch die stellvertretende Solo-Bassistin des hiesigen Klangkörpers war seine Schülerin, die von der am Plauener Theater herrschenden Kollegialität schwärmte. Anlass genug für den Musikwissenschaftler und Dirigenten, Kontakt nach Plauen aufzunehmen. Dabei stellte sich schnell heraus, dass auch Generalmusikdirektor Leo Siberski vom "Messias" in Plauen total begeistert war, wobei es Koch als durchaus nicht selbstverständlich bezeichnet, dass ein Orchester-Chef quasi das Heft des Handelns aus der Hand gibt, denn dirigieren wird das dreiteilige Oratorium Felix Koch.
Momentan sei er nur am Notenschreiben, um die Stimmen "einzurichten", sagt Koch und merkt, dass dies einer Erklärung bedarf. So müssten Noten zum Teil "gelängt" werden, andere "gekürzt", macht Koch an einer dickleibigen Broschüre deutlich, in der der Laie zahllose Noten sieht. Aber: Die romantische Epoche lasse sich nicht einfach auf die barocke übertragen. - Aha. Am besten könne man sich das wie das Erlernen einer Sprache vorstellen. "Die Grammatik muss stimmen." Und dafür ist im speziellen Falle Prof. Koch zuständig, der den "Messias" in einer zweieinhalbstündigen Fassung auf die Bühne bringen will. Wilhelm Furtwängler, lächelt Koch, habe mehr als drei Stunden veranschlagt.
Wichtig ist ihm, dem Orchester mit großem Respekt entgegenzutreten. Das sind alles professionelle gute Musuker, aber ich muss ihnen kollegial beibringen, wie man speziell an dieses Konzert herangehen muss. Zum Auftakt habe ihm einer der Solisten gestanden, Angst zu haben, doch die war zum einen unbegründet, zum anderen schnell verflogen.
"Wer seinen ‚Messias" sehr gut kennt, der wird viel Neues heraushören, ist Koch sicher. Weil: Man spielt Händels Urfassung von 1741, uraufgeführt wurde das Werk im April 1742... übrigens als Benefiz zugunsten von Schuldgefängnissen und Hospitälern. Zu Lebzeiten dirigierte Händel die Aufführungen selbst und "flocht" immer wieder neue Passagen ein. Als "Unternehmer" musste er darauf bedacht sein, sein Publikum immer wieder ins Theater zu locken. So "schmolzen" die ursprünglich zwei Fagotte auf später nur noch eins, ähnlichen "Wandlungen" unterlag die Oboe.
Doch nicht nur die Solisten Christina Maria Heuel (Sopran), Nathalie Senf (Alt), Andre Gass (Tenor) und Frank Blees (Bass) stellen sich höchsten Anforderungen, das Stück verlangt auch einen großen Chor.
Etwa 90 Choristen werden auf der Bühne stehen, wenn der Gutenberg-Kammerchor Mainz, der Oopernchor des Theaters Plauen-Zwickau, die Singakademie Plauen, der Philharmonische Chor Bayreuth und die Clara-Schumann-Philharmonie zu einem mächtigen Chorklang verschmelzen. Zum Vergleich: Die Uraufführung 1742 bestritten zwölf Choristen in Dublin. Eine zusätzliche Herausforderung wird die Plauener Singakademie zu meistern haben. Sie singt erstmals auf Englisch.
Tickets ab sofort unter 03741/2813-4847 oder
www..theater-plauen-zwickau.de