Die Erde bebt

Fragen an Dr. Horst Kämpf, Spezialist für Erdbeben im Vogtland

Über "Erdbebenschwärme im Vogtland - und kein Ende" spricht Dr. Horst Kämpf am Montag, 6. September, 19.30 Uhr, im Kurhaus von Bad Elster. Der 70-Jährige hat Geologie an der Bergakademie Freiberg studiert und arbeitet seit vielen Jahren am GeoForschungsZentrum Potsdam (GFZ) und dem Vorgänger, dem Zentralinstitut für Physik der Erde (ZIPE), einer Einrichtung der Akademie der Wissenschaften der DDR. Der Vogtland-Anzeiger sprach mit dem Wissenschaftler, der seit Mitte der 1980-er Jahre an der Untersuchung von Erdbeben im Vogtland beteiligt ist .

Herr Dr. Kämpf, warum gibt es häufig Erdbeben im Vogtland?
Die treten vor allem im südlichen Vogtland als Schwarmbeben auf - weil dieses Gebiet und das nördliche Westböhmen zum Eger-Rift gehören, mit einem Graben im Zentrum, dessen Risse, wir sagen Bruchstörungszonen, in mehr als 30km Tiefe reichen. In diesem Gebiet zwischen Kaiserwald und Erzgebirge steigt Magma auf. Und dann ist es wie bei einem Kochtopf mit Deckel.

Kochtopf mit Deckel?
Der Wasserdampfdruck im Topf steigt und steigt - und irgendwann fliegt der Deckel weg, sprich: Die Erde bebt. Im Vogtland kommt das oft vor. Im April hatten wir den Beginn einer neuen Schwarmbebenperiode registriert, die bis jetzt in den August andauert.

Wie klassifizieren Sie die Beben?
Die Magnitude (M), ein Maß für die Energie von Erdbeben, ist entscheidend: Magnitude 2 bis 2,5 ist gerade so spürbar - 9 wäre verheerend. Das stärkste im Vogtland seit Jahrzehnten gemessene Beben - das war am 21. Dezember 1985 - lag bei M 4,6. Da stürzen noch keine Häuser ein, aber es wackelt ganz schön und Häuser im Erdbebengebiet wiesen danach Risse/Bauschäden auf.

Könnten die geothermischen Kräfte im Erdinnern auch dem Menschen nutzen?
Machen Sie bereits. In Island werden damit Häuser geheizt und auch in Deutschland nutzt man zum Beispiel in München Riem die "tiefe Geothermie", wobei die Geothermieanlage seit 2004 etwa 16.000 Menschen mit Fernwärme versorgt.

Ist so etwas auch im Vogtland denkbar?
In der unter dem vogtländisch-westböhmischen Grenzgebiet liegenden Magmakammer scheinen in 30 Kilometer Tiefe Temperaturen bis zu 1000 Grad zu herrschen - doppelt so heiß wie normalerweise. Wenn sich die Temperaturanomalie mit Temperaturen zwischen 150 und 250 Grad auch in Tiefen von 3 bis 5km bestätigt, handelt es sich um einen Wärmeschatz, der in Zukunft erforscht und danach vielleicht gehoben werden könnte. Vielleicht.

Dr. Kämpf, neben dem Vortrag am 6. September, planen Sie eine Exkursion am 11. September, für die man sich anmelden kann. Was ist geplant?
Wenn sich mehr als 20 Interessierte zu der Tagestour für 55 Euro (inklusive Eintritt für den Vortrag) melden, wird die Tour am 12. September wiederholt. Wir besuchen die vier Standorte des im Aufbau befindlichen tschechisch-deutschen Erdbeben-Tiefenobservatoriums. Ein Standort befindet sich im Vogtland, bei Landwüst: Hier wurde 2019 eine 400 Meter tiefe Bohrung niedergebracht, in der Seismometer installiert sind.ufa


Infos zum Vortrag am 6. September und der Exkursion am 11. September gibt es in der Touristinfo Bad Elster, Ruf 037437/53900.