Die doppelte Sorge der Drachenburg-Musikanten

Friseursalon-Inhaberin Beatrix Pelz empfing ihre Kundschaft bis zur letzten Minute. Kürzlich musste sie den Laden aufgrund der neuen Einschränkungen in der Corona-Krise schließen. Das ist aber nicht die einzige Sorge der "Drachenburg-Musikantin".

Von Thomas Voigt

Für ihre Mitarbeiterin meldete sie bereits Kurzarbeitergeld an. Nach der angeordneten Schließung ist die Chefin sogar ein wenig erleichtert. "Die Situation war schon sehr ungewöhnlich." Der Friseurladen glich einem Hochsicherheitstrakt. Die an die Eingangstür angebrachten Anweisungen waren nicht zu übersehen. Aus Vorsicht vor Tröpfchen-Ansteckung durften die Kunden nur einzeln den Laden betreten. Erlaubt war maximal eine Begleitperson. Nach dem Haareschneiden desinfizierte die Syrauerin penibel alle benutzten Stühle, Ablagen und auch die Türklinken. Zudem tauchte sie das Profi-Werkzeug zur Desinfektion vorschriftsmäßig in eine spezielle Lösung. Atemschutzmasken gehören schon länger zu ihrem beruflichen Alltag. "Das war ich sowieso durch die Hygienevorschriften bei der Nagelbehandlung gewohnt." Die Handtuch-Hygiene war ebenfalls strenger als in coronafreien Zeiten. "Ich hab jede Nacht gewaschen", blickte die Geschäftsfrau auf die vergangenen Tage zurück. Derweil kamen immer mehr Kundenanfragen aus dem benachbarten Thüringen. Dort mussten die Friseure früher als in Sachsen ihre Geschäfte dicht machen.
Im Moment ist das nicht die einzige Sorge, die die Unternehmerin hat. Gemeinsam mit ihrem Mann Egbert tourt sie als Künstlerin vom Erzgebirge bis zur Ostsee durch die Lande. Als Drachenburg-Musikanten ist das Duo über die Grenzen des Vogtlandes bekannt. Aufgrund der sich ausbreitenden Virus-Pandemie brachen alle geplanten Bühnenauftritte der nächsten Wochen von heute auf morgen komplett weg. "Wir hatten schon über 60 Termine in diesem Jahr festgemacht." Im Augenblick wisse niemand, wann wieder so etwas wie Normalität im öffentlichen Leben einzieht. Bereits jetzt steht fest, dass sich die geschäftlichen Ausfälle nicht mehr kompensieren lassen. Insofern hoffen die Eheleute wie alle von der Krise Betroffenen auf schnelle und vor allem unbürokratische Hilfe vom Staat. "Das brauchen wir jetzt dringend."
Der einziger in der Familie, der gegenwärtig seinem Beruf nachgehen kann, ist der 25-jährige Sohn des Künstlerpaars. Der junge Mann arbeitet in der Supermarkt-Kette Kaufland im Plauen Park. Seine Eltern haben großen Respekt vor der Leistung derjenigen, die unter diesen Umständen mithelfen, die Versorgung der Bevölkerung täglich sicherzustellen. Dennoch habe auch das Personal in den Märkten ein mulmiges Gefühl, weiß die Friseurmeisterin. "Die allgemeine Verunsicherung ist zu spüren." Ihrer Meinung nach müssten Beschäftigte in solchen sensiblen Bereichen auf das Virus getestet werden. "Da reichen wahrscheinlich die Kapazitäten nicht aus", vermutet sie.
Vor wenigen Tagen musste Beatrix Pelz ihren Friseur-Salon aufgrund der Corona-Krise schließen. Ein junger Mann aus Thüringen war einer der letzten Kunden.