Die Dimensionen der Schönheit

Mit gleich drei ausverkauften Vorstellungen überzeugte das musisch-künstlerische Profil des Gymnasiums Markneukirchen mit der Premiere des neuen Tanztheaterstücks "Spieglein, Spieglein" die Zuschauer im König Albert Theater.

Bad Elster - Mit großem Engagement bei den Vorbereitungen und nach viel Probearbeit brillierten die Tänzerinnen und Tänzer des Musicalballetts aus den Klassen 10 bis 12 auch mit ihrem neuesten Stück.

Alle zwei Jahre erfreut so schon traditionell ein Tanztheater des Gymnasiums mit originellen Darbietungen. Eindrucksvoll überzeugte auch diesmal eine Geschichte mit anmutigen und erotischen Tänzen sowie tollen Kostümen, die geistreich und zugleich auch mit viel Witz und Ironie präsentiert wurde.

In der Choreografie von Christine Schramm, die bereits seit sieben Jahren erfolgreich als Tanztheaterchoreografien am Gymnasium tätig ist und darüber hinaus auch die Choreografien für das Ballett der ebenso beim Publikum beliebten Musicalaufführungen entwickelt, war diesmal dem Thema Schönheit gewidmet.

"Die Idee dafür entstand nach unserer letzten Musicalaufführung, als die Mädchen ganz gern noch einmal etwas auf der Bühne präsentieren wollten", berichtet sie. "Natürlich ist das Thema Schönheit auch ein passendes Thema unserer Zeit und hält ausreichend Reize für die Geschichte bereit. Es geht also vor allem darum, dass Schönheit nicht nur ein Schein ist, sondern auch nach einem ästhetischen Bild verlangt", erklärt sie.

Vor allem in einer aktuellen Epoche wo sich Körperbilder vom Schönheitswahn "als Leistung in einer farblosen Leistungsgesellschaft" etabliert und "Fixierung auf und Identitätsbildung über das Äußere sowie der stete kritische Blick ins ?Spieglein, Spieglein? den Heranwachsenden nicht leichter macht, sich anzunehmen", wie Christine Schramm es formuliert, zeigte das Tanztheater unterhaltsam wie dem begegnet werden kann.

Jungbrunnenwasser

für die optische Perfektion So imponierte das Tanztheater mit der Feststellung, dass Schönheit, die sich immer auch schön mit dem Guten verbinden lässt, auch als Mittel für vielerlei Zwecke eingesetzt wird, aber ebenso jedem darüber hinaus die Lust am Schönsein nicht verleidet werden soll, sondern ihn zu ermutigen bewusster zu sehen um die tiefere Dimension der Schönheit entdecken zu können.

"Jünger, schöner perfekt!", so lockten hübsche Girls verführerisch mit dem Verkauf eines Jungbrunnenwassers zur Einstimmung auf das kolossale Tanzspektakel. Das beginnt mit einer Reise von Schönheitsgöttin Aphrodite und ihren Chariten vom Olymp auf die Erde. Bei ihrer Ankunft wird den fünf unterschiedlich schönen Frauen jedoch die Einreise verwehrt, herrscht auf der Erde doch das Diktat der Makellosigkeit und Perfektion und erhält nur Zutritt zur Gesellschaft, wer dem Ideal entspricht.

So lässt der Beauty-Richter lieber die Gewinnerinnen der Miss-Perfect- Wahlen einreisen, während die Olympianerinnen ungläubig an der Erdenpforte stehen. Hilfe naht ihnen dann in Form einer medialen Hirnwäsche und Manipulation. Doch überzeugt, nicht hungern und pushen zu wollen, entscheiden sich sie sich lieber zu feiern. Doch die Party der Olympianerinnen entlarvt sie als nicht anpassungswillig, und sie bekommen Ablehnung zu spüren.

Ein Super-Perfect-Girl nötigt sie ins Spiegelkabinett zu einer erzwungenen Dauerbetrachtung, bis sie den Blick der anderen übernommen haben. Es funktioniert und nun empfinden auch sie sich als mangelhaft und wollen lieber so aussehen wie die Perfect-Girls.

Schönheit fernab von Makellosigkeit

Aller Sorglosigkeit beraubt und frisch aufpoliert wird ihnen die Einreise jedoch erneut verwehrt. In einem Seelentanz zeigen die Olympianerinnen ihren Leidensdruck unter dem irdischen Ideal. Der Verlust der Leichtigkeit verwehrt ihnen außerdem eine Heimkehr. So versuchen sie ihre Seele zu heilen, indem der heile Körper verletzt wird. Doch nur eine der Chariten ist nach dem Eingriff mit sich zufrieden.

Die anderen fühlen sich fremd im eigenen Körper. Anschließend zeigt der Maskenball der Nackten, wenn der menschliche Körper nicht mehr als die Summe seiner Teile zu sein scheint, dass bedingungslose Unterwerfung und Anpassung zum Verlust der Individualität führen. Doch am Ende entwickeln die Schönheitsrichter, inzwischen in den Genuss ästhetischer Bildung gekommen, einen Blick für Details und Besonderheiten und können nun die Schönheit auch fernab von Makellosigkeit sehen.

Mit dem "Look of love" kommt das Leben zurück und zum Finale erkennen dann schließlich alle "We?re stars and we?re beautiful". Pate für das Tanztheater standen musikalisch unter anderen Stücke wie der "Tanz aus Oltenien" von Gheorghe Zamfir und "Venus" von Robert van Leeuwen sowie der "Säbeltanz" von Aram Khachaturian, "Barbie Girl" von Søren Rasted und "Scars to your Beautiful" von Allesia Cara.