Die Chefmaskenbildnerin im Theater Plauen-Zwickau

 

Plauen - "Gibt es irgend welche Anregungen, Hinweise, die die Arbeit und das Resultat verbessern können", habe der Regisseur gefragt. Das sei selten, komme so gut wie gar nicht vor - weil ansonsten unsere Abteilung eben nur Mittel zum Zweck ist", erinnert sich Chefmaskenbildnerin Caroline Müller-Karl an einen Besuch von Renat Safiullin, dem Regisseur des Musicals Irma la Douce.

 

Das Stück über die Prostituierte Irma la Douce, die in einer kleinen Nebenstraße der Place Pigalle ihrem Gewerbe nachgeht, hat am Samstag im Vogtlandtheater Plauen Premiere. Die weltweit durch die Verfilmung mit Shirley MacLaine und Jack Lemmon bekannt gewordene Geschichte glänzt auch durch die Arbeit der Maske - beziehungsweise darf nicht glänzen.

"Bart ran, Bart ab, Bart ran, Bart ab? das hätte eventuell noch mehr Proben und damit Sicherheit fürs Team bedurft", meint die Chefin auf die wechselnde Szenerie eingehend. "Aber das ist gut so. Das Stück ist bunt, lebt von der Bewegung, auch unserer." Die fast 31-Jährige ist ein Theaterfreak. Die Mutter, einst Sängerin im Zwickauer Theaterchor, ließ sie ab und an einen Blick hinter die Kulissen gewähren. Dann stand sie am Einlass, war später in der Statisterie aktiv, hatte eigentlich vor, im Malsaal ein Praktikum zu machen und sich "bühnenbildnerisch ans Theater zu binden". Schließlich sind Malerei, Graphik und Plastik bis heute ihre Hobbys geblieben. "Aber Fred Lipke (heute in Berlin tätig) hat mich in die Maske geholt, mich rangelassen, mitgenommen, eingeweiht. In der Folge hat es mir der Fundus angetan", gehen ihre Gedanken zurück.

 

Es folgte ein Studium an der Hochschule für Bildende Kunst Dresden, "Lehrphasen von der Pike bis zur Moderne, bei Leuten wie Bohle, Zühldorf oder Häusslein." Manchmal genieße sie sogar die Autofahrt zwischen den Spielorten. Das sei die Zeit zum Sinnen und Denken, oder Ärgern. "Sich mit anderen austauschen, in einen Prozess einbringen, denn ich allein genüge nicht für meine Ideen", lautet ihre Maxime. Dabei sehe sie im zufriedenstellenden Kompromiss den Sieg über sich selbst als den größten Gewinn. "Wenn sich Mimik und Gestik mit der Maske vereinen, dann habe ich Leute glücklich gemacht, mit künstlerischem Anspruch im doppelten Sinne - die Akteure und die Besucher."

Mit dem Stück "Turandot" begann das Wirken der hochaufgeschossenen sympathischen jungen Dame am Theater Plauen-Zwickau. "Das Musiktheater ist hier sehr anspruchsvoll, stets eine Herausforderung. Diesmal speziell das hohe Tempo, auf wie hinter der Bühne. Ein rund um veredeltes Konzept", freut sich die auch gelegentlich Klavier Spielende, "dass bei Irma la Douce nicht so viel umentworfen" wurde.

Und was befriedigt die engagierte Frau ganz privat? Ein gutes Buch, ein spannender Film mit Historie, die Musik ihres Mannes,? da gibt es Vieles. Wäre sie für Bildung und Kultur zuständig, meint sie, "wäre der Eintritt in Schwimmbädern oder gerade ins Theater für Kinder und Jugendliche generell kostenfrei".

Und weitere Wünsche? "Mal ein Rendezvous mit Bette Midler. Die hat was, da könnt? ich noch viel lernen. Und ein Wiedersehen mit meiner bereits verstorbenen Freundin Kitty Kleindienst im Himmel. Da könnten wir philosophieren, ob und was sie verpasst hat oder nicht." Verpassen wird Caroline Müller-Karl das Konzert ihrer Freundin und Sängerin Astrid Müller in Sevilla. "Da bin ich auf Tournee mit unseren Akteuren, denn die müssen doch auch bei Gastspielen schnucklig drein schauen", beweist sie Humor. Seit der Uraufführung 1956 in Paris begeistert das Musical vom Mädchen Irma la Douce das Publikum auch im Londoner West End und am Broadway. Nun auch in Plauen - vielleicht mit einem besonderen Blick auf die Arbeit der Maskenbildnerinnen. va