"Die Argonauten der Neuzeit"

Während andernorts das Leben beinahe still steht, lief Anfang der Woche im Plauener Sachsendruck die Produktion der mit 500 Exemplaren recht überschaubaren Auflage eines speziellen Pappebuches. Doch nicht etwa ein Kinderbuch rollte hier aus den Maschinen - es ist ein historisches Prachtwerk, welches hier entsteht.

Von Ingo Eckardt

Plauen  Dr. Dominik Görlitz, 53-jähriger Historiker aus dem thüringischen Gotha, hat es verfasst und reich bebildert. Die Reise führte Görlitz von Varna in Bulgarien ins türkische Kas. Dabei nahm er nicht etwa den Flieger, sondern setzte sich in ein selbst gebautes Boot. Mehr als 40 Leute aus acht Nationen haben das Gefährt nach prähistorischen Vorlagen nachgebaut und damit die Expedition "Abora IV" möglich gemacht.
Einer der Erbauer des Gefährtes, die zumeist ihren Urlaub für das Projekt geopfert haben, ist der Vogtländer Dirk Spengler, der den Historiker vor knapp zwei Jahren bei einem Vortrag zu dessen "Abora III"-Mission - einer Beseglung des Atlantik von New York bis zu den Azoren - kennenlernte.
Dr. Görlitz ist einer der Wissenschaftler, die Forschungsergebnisse und wissenschaftliche Standards auch einmal hinterfragen, wie es in der Forschung gute Sitte sein sollte und viel zu oft nicht mehr erfolgt. So geht man heute größtenteils davon aus, dass Metalle und deren Bearbeitung erst im frühen Mittelalter Einzug in der zivilisierten Welt hielten. Deshalb machte sich Görlitz auf die Reise auf den Balkan.
"Eigentlich wollte ich in Kaukasien starten und mit der Bootsüberfahrt die aus meiner Sicht korrekten Handelswege alter Zeit nachvollziehen. Die Globalisierung ist eben keine Erfindung der Neuzeit. Es gab einen regen Austausch zwischen alten Hochkulturen weit vor dem Beginn unserer Zeitrechnung", sagt Görlitz und führt diverse Belege an, die seine These stützen. So sieht er den Bau der Pyramiden in Ägypten durchaus auch im Zusammenhang mit der Nutzung von Eisen - vereinzelte Funde, die bereits in den 50-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gemacht wurden, würden das bestätigen.
Die Kernfrage sei, warum Wissen in den Zivilisationen verloren ging. Ein Lösungsansatz sei sicher das irrationale Verhalten von Menschen in Hochkulturen, welches man ja aktuell auch in der Corona-Krise bestaunen kann.
Man habe im Vorfeld historische Überlieferungen, wie beispielsweise solche von Herodot heran gezogen, um die historischen Routen und Wege, die Rohstoffe genommen haben, nachzuvollziehen. "Selbst die Argonauten beschreiben bereits, wie sie rheinabwärts bis Skandinavien reisten.
Nach einem halben Jahr war sein Boot jedenfalls fertig und er konnte für sechs Wochen auf Segelreise gehen, die nun in einem DIN A3 großen Pappebuch in Plauen gedruckt wird. Begleitend wird es ein Filmtagebuch geben, das derzeit in Hamburg und Berlin aufgearbeitet und zusammengeschnitten wird. "Herr Dr. Görlitz wollte seine Reisedokumentation mal aus dem üblichen Rahmen fallen lassen, sie sollte nicht im Bücherregal verstauben. Da auch einige vogtländische Firman wie die AIW-Gruppe in Neuensalz, die VVV GmbH und VSTR Rodewisch sowie die Merkur-Bank das Unterfangen unterstützt haben, fiel die Wahl schließlich auf den Sachsendruck Plauen für die Umsetzung des Buchprojektes, das 64 Seiten enthält", erklärt Sachsendruck-Chef Kai-Uwe Groß, der als Verlag den Weltbuch-Verlag aus Dresden mit ins Boot holte. Hier arbeiten 140 Mitarbeiter an Pappebüchern verschiedenster Verlage. Rund zwanzig bis dreißig setzen auf die Kompetenz der Plauener Drucker in Sachen Papp-Buch. Binnen 4 Minuten und 28 Sekunden rauschte die komplette Auflage des Buches durch die Heidelberger Speedmaster-Maschine, überwacht von den Druckern Ralf Grüner und Enrico Veit. Eigentlich sollte das Buch zur Eröffnung seiner Ausstellung zu dem Thema am 7. April in Braunsbedra erstmals vorgestellt werden.
Doch die Ausstellung ist "coronabedingt" verschoben und wird nun später stattfinden. Das Buch "Die Argonauten der Neuzeit - auf der Suche nach dem Eisen der Pharaonen" aber soll über den Handel, das Sponsorennetzwerk und private Kanäle schon demnächst verkauft werden. Und irgendwie braucht Görlitz auch die Erlöse aus dem Werk, denn die nächste, seine "Abora V" genannte, Mission hat der rührige Historiker längst im Kopf.