Die Absicht, eine Mauer zu bauen

Bernhard Weisbach vom Verein der Freunde Plauens, hatte am Montag eine dankbare Aufgabe - er berichtete den Mitgliedern des Stadtbau- und Umweltausschusses über ein Projekt, das ihm besonders am Herzen liegt: die Umgestaltung des Friedhofes II zum Arboretum.

Von Torsten Piontkowski

Plauen - Der Begriff Arboretum hat sich zumindest im Plauener Sprachgebrauch soweit eingebürgert, dass er mit "Baumpark" nicht mehr übersetzt werden muss. Bernhard Weisbach, auch überregional renommierter Landschaftsarchitekt, gab nicht nur einen Überblick des auf dem knapp 4,9 Hektar von zahlreichen Ehrenamtlichen Geleisteten, sondern nutzte auch die Gelegenheit, um finanzielle Mittel zu werben - klugerweise erst nachdem er die Zuhörerschaft von der Einmaligkeit des Projektes anhand von Bildern und kleinen Anekdoten überzeugt hatte. 

22 denkmalgeschützte
Grabmale im Arboretum

Auf dem Areal befinden sich derzeit 22 denkmalgeschützte Grabmale. Nachdem die 1945 zerstörte Friedhofskapelle provisorisch wieder hergerichtet worden war, erweckten sie die Freunde Plauens aus ihrem Dornröschenschlaf. Türen und Fenster wurden eingesetzt bzw. erneuert, unter anderem ein von Tilmann Magerkord - Sohn des Altbürgermeisters - geschaffenes Buntglasfenster. 2011 erfolgten die Entkernungsarbeiten der Friedhofskapelle, auf deren morbiden Charme Weisbach eigens hinweist und nicht vergisst zu erwähnen, dass sich in deren Umfeld zu DDR-Zeiten Garagen befanden. 
Zwei leistungsfähige Brunnen auf dem Gelände sicherten das "Überleben" zahlreicher Pflanzen im vergangenen Hitze-Sommer. Gemeinsam mit Kolpingschülern wurden Brandmauern errichtet, und überhaupt ist Weisbach der Anerkennung voll über die helfenden Hände von Schülern, beispielsweise des Lessing-Gymnasiums und der Friedensschule. Letztere wurden für ihr Engagement im Arboretum im Rahmen des Pegasus-Projektes ausgezeichnet - die 1000 Euro Siegprämie spendeten sie dem Arboretum, das ihnen zwischenzeitlich ans Herz gewachsen war. 

Pavillon Herzstück
des Apothekergartens

Weisbach, Naturschutzbeauftragter des Vereins, freut sich, wie im Arboretum mehr und mehr Leben einzieht - von Helfern und Besuchern ebenso, wie von allerlei Getier. Weil es eine geschlossene Fläche darstelle, sei es auch für Ornitholgen interessant, die hier Nistkästen aufstellen. 
Die Veranstaltung "Stunde der Gartenvögel" sei gut besucht gewesen und für demnächst kündigt Weisbach den Vortrag eines 14-Jährigen an, der sich intensiv mit Schmetterlingen beschäftigt. Auch eine Imkerin sei im Arboretum aktiv, deren fleißige Bienchen sich in den nahe gelegenen Kleingärten "bedienen". Ebenfalls auf der Haben-Seite der Umbau eines kleineren Gebäudes zur barrierefreien sanitären Anlage. 
Für dieses Jahr steht die "Umsiedlung" eines Pavillons aus Mühltroff an, der das künftige Herzstück des Apotherkergartens bilden soll. Und natürlich haben die Freunde Plauens längst bei den Plauener Pharmazeuten "angeklopft", um gemeinsam einen Heilkräutergarten anzulegen.
Und schließlich geht es noch ums Geld. In Sachen Friedhofsmauer müsse dringend was getan werden, mahnt Weisbach, zumal sich viele der denkmalgeschützten Gräber direkt an dieser Mauer befinden.
Der Friedhof sei ein Stück Stadtgeschichte, stimmt Bürgermeister Levente Sarközy dem Ansinnen zu, allerdings: In den nächsten vier Jahren ist die "Kostenstelle Friedhofsmauer" nicht im Haushalt enthalten. Vielleicht könne man ja in einem Fünjahres-Schritt "denken". 
Freilich ist auch Bernhard Weisbach klar, dass der Haushalt eine Komplettsanierung "am Stück" nicht zulässt. 

"Kostenstelle
Friedhofsmauer"

Seinen Berechnungen zufolge sind für die etwa 700 Meter lange Mauer rund 250 000 Euro erforderlich, weshalb er in der ihm eigenen Art gleich mal über den Tellerrand hinwegschaut: Bekäme plauen die Landesgartenschau, wären solche Mittel freilich denkbar - denn auch die Nordkapelle bedürfe dringend eines neuen Daches. Das Wohlwollen der Stadträte hat er sich mit seinen als Zehnminuten-Vortrag avisierten Ausführungen (die dann doppelt so lang gerieten, ohne langweilig zu sein) schon mal gesichert. Grünen-Stadtrat Dieter Rappenhöner plädierte dafür, entsprechende Mittel in den städtischen Haushalt "einzuarbeiten" und Linken-Stadträtin Ilka Reißer regte an, noch mal nach Fördermitteln aus "Töpfen" des Umweltschutzes zu recherchieren.