Dicke Luft im Kreistag

Die Kosten beim Umbau des Horten-Kaufhauses zum Landratsamt explodieren. Platzt den Kreisräten deshalb am Donnerstag der Kragen? Zu den aufregenden Punkten im Reichenbacher Neuberinhaus gehört auch der Vogtland-Müll.

Reichenbach/Plauen - Die Umbaukosten beim Horten könnten um 5,4 Millionen Euro steigen - auf 41,1 Millionen. Das ist seit Dienstag bekannt. Was sagt der Landrat dazu? "Ich bin erschüttert und habe kein Vertrauen mehr zu den Bauleuten. Ein ganzer Berufsstand muss sich fragen lassen, was sein Wort wert ist", sagt Dr. Tassilo Lenk und spielte auf die Selbstsicherheit an, mit der die Architekten im Dezember 2010 (und danach immer wieder) behauptet hatten, dass die Baukosten keinesfalls steigen würden.

Laut Baudezernent Helmut Meißner sind die gesetzlichen Bestimmungen so, dass das Honorar der Architekten/Planer abhängig ist von den Gesamtkosten des Umbaus: Steigen die Kosten, steigen die Honorare. Lenk wehrte sich am Mittwoch bei einem Pressegespräch gegen die Parallele, der Hortenumbau erinnere an den Bau der Vogtland Arena: Auch dort stiegen die Baukosten in den Himmel. "Der Kreis hat im Laufe der Jahre rund 1,2 Milliarden investiert - die meisten Projekte liefen wie geplant."

Hitzig könnte es in Reichenbach am Donnerstag auch werden bei den Tagesordnungspunkten, die den vogtländischen Müll betreffen. Der Kreistag soll einen Kompromiss absegnen auf den sich Vogtlandkreis und Stadt Plauen geeinigt haben: Demnach erhöhen sich die Müllgrundgebühren in Plauen um sieben Euro pro Kopf und Jahr - im übrigen Vogtlandkreis sinken sie in etwa um diesen Betrag. Hinzu kommen Gebühren für das Entleeren. Die neuen Preise werden möglich weil 10 Millionen (von insgesamt 30 Millionen Euro) der Rücklagen verwendet werden. Es handelt sich um Geld, das bisher für die Deponie-Sanierung geplant war . . .

Möglicherweise wird im Kreistag auch gefragt, wie sich die defizitäre Mechanisch-Biologisch-Anlage in Oelsnitz entwickelt, bisher Sinnbild einer defizitären Müllverarbeitungsanlage. Doch diese Annahme ist augenscheinlich falsch: Laut Landrat Lenk erwirtschaftet die Anlage jährlich 1,5 Millionen Gewinn. Fachleuten zufolge handelt es sich um eine der besten Anlagen Deutschlands, sagt Lenk. Uwe Faerber