"Dick und Doof" im Ratssaal

Heiterkeitsstürme erlebte das Pausaer Rathaus am Sonntagabend, als Ralph Turnheim drei Stummfilmen mit Oliver Hardy und Stan Laurel mit seiner Stimme Leben einhauchte.

Von Jochen Pohlink

Pausa - "Ich erlebe es erst das zweite Mal, dass die bereitgestellten Stühle im Saal zu unseren Veranstaltungen bei weitem nicht ausrechten und dafür noch zusätzliche Sitzgelegenheiten herbeigeschafft werden mussten", begrüßte Katrin Löwe als Vorsitzende des Pausaer Heimatvereins die mehr als 100 Gäste, die sich das Schmankerl nicht entgehe lassen wollten.
Turnheim besuchte die Erdachsenstadt im Rahmen seiner Leinwand-Lyrik mit drei der berühmtesten Streifen des Komikerduos zum zweiten Mal. Der geborene Wiener war zuletzt als Staatsschauspieler bei am Staatstheater Wiesbaden tätig, bevor er sich als wohl einziger Stummfilmerklärer der Welt diesem Metier zuwandte. 
Da schlüpft er mit seinem hörbaren "Weaner" Dialekt in die Persönlichkeiten der Leinwand, die in den zwanziger Jahren bis zum Aufkommen die ersten Tonfilme das Publikum mit ihren Slapstick-Episoden erheiterten. "Irrtümlicherweise nimmt die Masse der Zuschauer der Filme an, dass sie aus der Feder von Hardy stammen. Dem ist jedoch nicht so: Laurel hat die Fassungen geschickt vorbereitet, indem er bei Probevorführungen der Rohstreifen, die Dauer festhielt, die das Publikum zum Lachen zwang. Erst darauf zeichnete er die Endfassungen mit dort dafür wohlbedachten Pausen auf, um danach den nächsten Gag einfließen zu lassen", erklärte Turnheim. 
In den drei Jahrzehnten der Zusammenarbeit beider Komiker entstanden mehr als 100 Filme, die bis in die Tonfilmära reichten. Zwischen beiden Männern bestand bis zum Tod Hardys 1957, der für Laurel ein schwerer Schicksalsschlag war, eine enge Freundschaft. 
Die Filme forderten die Lachmuskeln der Zuschauer auf extreme Weise: So der Besuch beim Zahnarzt, der sich nach der Behandlung des falschen Patienten und dem Missgeschick mit dem Lachgas zur Katastrophe auf einer nahen Kreuzung entwickelt. Nicht weniger die Lachmuskeln strapazierte der Wechsel der vorher vertauschten Hosen beider Herren auf einem Stahlgerüst in 100 Metern Höhe oder die zuletzt gezeigte Episode, in der beide versuchen, Weihnachtsbäume zu verkaufen und sich aus der Ablehnung eines "Kunden" aus einem harmlosen Zwist eine Verwüstungsorgie große Stils entwickelt.
Zwei Schwägerinnen aus Zeulenroda und Pausa, die Turnheim das erste Mal erlebten, waren begeistert: "Unglaublich, welche Lebendigkeit in den stummen Streifen durch die Vortragsweise des "Sprechers" entwickelt wird, wodurch sie einen noch nachhaltigeren Eindruck vermitteln." 
Und Günter Dietrich aus Pausa, der die Veranstaltung gemeinsam mit seiner Frau besuchte sagte auf Anfrage des Vogtland-Anzeigers: 
"Ich kann mich noch gut an die Stummfilmvorführungen mit beiden Komikern erinnern, die ich als Kind im "Thüringer Hof" gesehen habe. Aber was heute hier geboten wird, ist ja geradezu phantastisch und zeugt von der Professionalität des Stummfilmerklärers."