"Diamantener" Tischler

Es ist schon 61 Jahre her: Am 28. Juni 1959 bekam Armin Kraneiß den Meisterbrief. Nun kann der Tischler aus Grünbach die Urkunde zum Diamantenen Meisterbrief vorweisen.

Von Margitta Rosenbaum

Grünbach - Armin Kraneiß hat Höhen und Tiefen durchlebt. Seit 2003 genießt er seinen Ruhestand und geht nur noch für private Aufgaben in die Werkstatt.
Bereits als 13-Jähriger hatte er 1952 seine Lehre in der Tischlerei Oswald Weiß in Rodewisch begonnen. Seine Mutter war damals besorgt, ob der Junge überhaupt den Hobel halten könne.
Das Interesse am Beruf war durch den Tischlereigroßhandel eines Verwandten geweckt worden. Die Berufsschule befand sich damals noch in Auerbach hinter der Kirche. Eine Flurgarderobe war das Gesellenstück.
Die Gesellenzeit führte ihn nach Rothenkirchen in die Tischlerei Max Georgi. Zielstrebig arbeitete er auf den Meisterbrief hin. Sein Meisterstück war ein furniertes Wohnzimmerbuffet mit geschweiften Türen, ganz im Stil der damaligen Zeit.
Doch der Meisterbrief nütze zunächst nichts. Der sozialistische Staat erlaubte ihm nicht, eine eigene Werkstatt als selbstständiger Tischlermeister zu eröffnen. So kam es, dass er eine zweite Berufsausbildung als Bobinetweber in der Falgard machte. Ein wichtiger Beweggrund dafür war: So kam man an eine Neubauwohnung in der AWG in Auerbach.
Später stellte ihn Gerhard Meinel in Tannenbergsthal ein. Der hatte zwar eine Tischlerei, aber keinen Meisterbrief. Drei Jahre lang arbeitete Armin Kraneiß dort. Dann kam die Anfrage von der Örtlichen Versorgungswirtschaft des Rates des Kreises Auerbach. In Grünbach war ein Tischlermeister verstorben und die Werkstatt sollte weiter besetzt sein. Sie wurde für die Versorgung der Bevölkerung gebraucht.
So kam Kraneiß 1980 als Tischlermeister nach Grünbach. Fünf Lehrlinge hat er dort ausgebildet, drei von ihnen sind mittlerweile selbst Tischlermeister. Besonders strebsam tat sich Jan Röhlig aus Klingenthal hervor, der inzwischen auch mit seiner Zither bekannt wurde und schon damals bester Lehrling war.
Zu DDR-Zeiten war es kaum möglich, allen Anfragen gerecht zu werden. Material wurde über den Rat des Kreises zugeteilt und war trotzdem knapp. Die Begründung war dann: das Holz werde für den Export gebraucht.
Hauptsächlich Türen und Fenster entstanden derzeit in der Tischlerei Kraneiß.
Mit der Wende änderte sich alles und mit der Wiedervereinigung brachen die privaten Aufträge weg. "Keinen einzigen Auftrag bekam ich mehr im Dorf", erinnert sich der Tischlermeister. Als Subunternehmer erhielt er Aufträge für die weite Wege anfielen.
So arbeitete die Firma in Berlin im Bundestag und im Bundesrat, stattete unter anderem auch die Nordische Botschaft aus. Das war keine leichte Zeit, besonders weil bei den vielen Fahrten auch zwei schlimme Unfälle passierten.
Gerne erinnert sich Armin Kraneiß an seine Gesellenjahre. Damals wurde noch individuell gearbeitet und es entstanden Schlaf- und Wohnzimmer nach Kundenwunsch. Mit der Gründung der PGHs (Produktionsgenossenschaft des Handwerks) zog auch im Handwerk industrielle Produktion ein. Auch die Ausbildung der Lehrlinge lag ihm sehr am Herzen. Gerne hat er sich dafür Zeit genommen. Leider war das auf den auswärtigen Baustellen dann nicht mehr so möglich.
So kann er auf ein bewegtes Berufsleben zurück schauen, in dem er als Handwerksmeister viele Werte geschaffen hat.