Diamantene (Meister)Hochzeit

Als Manfred Geier vor 70 Jahren seinen Meisterbrief erhielt, wurde er gleichzeitig als jüngster Meister im Bezirk Karl-Marx-Stadt ausgezeichnet. Nun bekam er dieser Tage ein weiteres Exemplar überreicht - nun ist es der Diamantene.

Von Gabi Kertscher

Plauen Mit nicht einmal 20 Jahren übernahm Manfred Geier die Schlosserei seines Vaters. Für den 1937 in Plauen Geborenen stand von Anfang an fest, dass er den Betrieb des Vaters übernimmt. Er habe nie einen anderen Beruf erlernen wollen, erzählt der Senior heute. Der Vater habe im Zentrum von Plauen eine Werkstatt gehabt, die bei den Bombenangriffen 1945 zerstört wurde. Im elterlichen Haus in Neundorf war bereits eine kleine Werkstatt eingerichtet, die nach dem Krieg erweitert und bis zum Jahre 2000 als Stammsitz betrieben wurde. Als 1953 Manfred Geiers Vater verstarb, wurde die Schlosserei ein Jahr als sogenannter "Witwenbetrieb" fortgeführt. Mit einer Sondergenehmigung konnte Manfred Geier mit 19 Jahren die Meisterprüfung ablegen.
Gemeinsam mit drei weiteren Schlossern übernahm er die Arbeiten in vielen Häusern. "Wir waren überwiegend auf Wohnungsbaustellen beschäftigt." Er erinnert sich gern an einige Großaufträge. So haben die vier Handwerker sämtliche Schlosserarbeiten beim Bau des Oberen Bahnhofs erledigt. "Unsere Geländer stehen heute noch im und um das Bahnhofsgebäude."
Für die Punkthäuser am Oberen Bahnhof stellte der Schlossereibetrieb die Balkon- und Treppengeländer her. In der Pestalozzistraße wurden in den Wismuthäusern die Metallteile für sämtliche Türen von ihnen eingebaut. Kindergärten in ganz Sachsen wurden von der Schlosserei aus Plauen mit Servierwagen beliefert. Manfred Geier und seine Mitarbeiter stellten diese Wagen mit drei Etagen für Geschirr und Speisen exklusiv her. "Wir hatten jahrelang keinen Urlaub", erinnert sich Ehefrau Evelyn. Sie kommt aus der Textilindustrie und hat ihrem Mann in diesen Zeiten den Rücken frei gehalten. Nach der Wende 1989 war sie als Handelsvertreterin deutschlandweit unterwegs.
Bereits 1965 kaufte das Paar ein Grundstück am Birkenhübel. Ihr Haus mit den Werkstätten befand sich in der Zaderastraße. "Wir konnten uns hier erholen", erinnern sie sich. Zur Jahrtausendwende verkaufte Manfred Geier den Schlossereibetrieb mit Haus und Grundstück in Neundorf. Aus dem Garten- und Wochenendgrundstück wurde ein Wohngrundstück und sie bezogen das bereits Jahre zuvor gebaute Haus. Von diesem Zeitpunkt an begleitete Manfred Geier seine Frau auf ihren langen Reisen zwischen Nord- und Ostsee bis nach Italien. Ihre Textilien verkauften sich gut und zu zweit sei vieles einfacher gewesen.
Heute sind die beiden Plauener Rentner und genießen die Ruhe in ihrem Garten. Sie erinnern sich gern an die Zeit zurück, als sie gemeinsam unterwegs waren oder erzählen vor den Erlebnissen, als Manfred kurzzeitig und "auch nur als Hobby" Rallyes gefahren ist.
Im November 2020 erhielt der 83-Jährige noch einmal einen Meisterbrief. Von der Handwerkskammer Chemnitz wurde ihm der "Diamantene Meisterbrief" übergeben.