DGB-Kundgebung: Da war noch "Luft"

Er habe sich persönlich für das schöne Wetter stark gemacht, versuchte Matthias Eulitz die DGB-Kundgebung am Theaterplatz mit einem Scherz zu eröffnen. Doch damit konnte er auch nicht "wegreden", dass auf dem weiträumigen Areal noch genug "Luft" für weitere Plauener gewesen wäre, um sich am Protest gegen den Aufmarsch der Rechten zu beteiligen.

Oder um es flapsig zu sagen: Die immer kommen, waren auch diesmal da. Dazu Info- und Werbestände des DGB, des VdK, von Linken und SPD, von "Brot für die Welt", der Unesco-Schulen und eine Teestube, in die das Internationale Mädchen- und Freizeitzentrum einlud. Gemächlichen Schritts drehte auch der Schönecker Nachtwächter seine Runden - möglicherweise als Symbol, den Neonazis "heimzuleuchten". Nach den Eröffnungsworten des DGB-Regionsgeschäftsführers, Ralf Hron, übernahm Landrat Rolf Keil das Mikro. Er sei gekommen, um gemeinsam mit den Plauenern Gesicht zu zeigen gegen Rechte in dieser Stadt, sagte er unter Beifall.

"Lassen Sie uns Freiheit und Demokratie nicht durch Geschichtsfälschungen zerstören." Ausdrücklich dankte er den Plauenern für deren "großen Beitrag zur Aufnahme von Flüchtlingen. Berechtigte Kritik an gesellschaftlichen Missständen rechtfertige weder Hass noch Gewalt, sagt Keil. "Mit einem breiten Bündnis für Demokratie tun wir auch was für unser lebenswertes Bündnis", schloss er. Gewohnt klare Worte fand der 1. Bevollmächtigte der IG Metall Südwestsachsen, Stefan Kademann. "Wenn ich OB dieser Stadt wäre, dann hätte ich dem DGB die Freundschaft gekündigt, wenn er mich als Redner nicht eingeladen hätte", adressierte er seine Kritik an den nicht anwesenden Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer, der bereits im Vorfeld deutlich gemacht hatte, an keiner Kundgebung teilzunehmen.

Aus Sorge, zu Schaden zu kommen, zu Hause zu bleiben, sei allerdings der falsche Schluss. Es gelte Flagge zu zeigen - auf der Straße, im Sportverein und in der Kneipe. In Wunsiedel, viele Jahre ebenfalls von Neonazis heimgesucht, habe sich der dortige Landrat an die Spitze des zivilen Ungehorsams gestellt und selbst an Sitzblockaden teilgenommen, schaute Kademann ins Oberfränkische.

Kritisch rechnete der Gewerkschaft mit dem Niedriglohn ab, den er als Schande bezeichnete, mit den noch immer geltenden Lohnunterschieden zwischen Ost und West. "Wir produzieren in der Gesellschaft Altersarmut", rief er. Die Parolen der AfD bezeichnete er als plump und widerwärtig - dennoch müsse man auf die Sorgen der Protestwähler reagieren. Anschließend formierten sich die Kundgebungsteilnehmer zu einem Zug auf der Bahnhofstraße bis Ecke Jößnitzer. tp