Deutschlands jüngster SPD-Chef

 

Junge Männer braucht das Land. In Plauen bleibt das keine Forderung, sondern wird Ereignis: Jörg Schneider schreibt und verteilt die Handzettel, die zur folgenreichen Demonstration am 7. Oktober 1989 in Plauen aufrufen; Philipp Veigele übernimmt das Hotel am Theater, macht was draus und als jüngster Hoteldirektor Deutschlands von sich reden; Constantin Eckner, umtriebig und ehrgeizig, wird jüngster Plauener Stadtrat und wohl noch kräftig von sich hören lassen. Nun Benjamin Zabel.

 

Am Freitag wurde er im Seniorenwohnheim "Kastanienweg" der Arbeiterwohlfahrt (AWO) mit 26 Stimmen bei 27 Wahlberechtigten zum neuen Vorsitzenden des SPD-Ortsvereins Plauen gewählt. Der zweiundzwanzigjährige Lehramtsstudent ist damit der wohl jüngste Ortsvereinschef Deutschlands. Benjamin Zabel ist seit 2004 SPD-Mitglied, hatte von 2006 bis 2009 den Vorsitz der SPD-Jugendorganisation Jusos inne und sitzt seit 2009 auch im Plauener Stadtrat.

Für ihn muss die SPD aus der Glaubwürdigkeitskrise nach den Wahlniederlagen des vergangenen Jahres finden. "Das ist nur mit viel Zuhören und einschneidenden Maßnahmen möglich." Laut Zabel müsse der Ortsverein gemeinsam mit den SPD-Stadträten, Kreisräten und dem Bundestagsabgeordneten Rolf Schwanitz wieder stärker in den Dialog mit den Menschen treten. Nach seiner Wahl beantwortete uns der neue Ortsvereinsvorsitzende drei Fragen:

 

Herr Zabel, welche politischen Ziele wollen Sie nach einem Jahr Tätigkeit als Ortsvereinsvorsitzender geschafft haben?

In einem Jahr möchte ich die Mitgliederzahl des Ortsvereins erhöht und die ersten Ideen umgesetzt haben. Ich hoffe, dass die Veranstaltungsreihe "Heute schon an das Plauen von Morgen denken" angelaufen ist und es uns als SPD gelingt, mit vielen interessierten Bürgerinnen und Bürgern über die Zukunft Plauens ins Gespräch zu kommen sowie deren Probleme und Ideen für unsere Arbeit im Stadtrat, im Kreistag und über Rolf Schwanitz im Bundestag umzusetzen. Ich hoffe auch, dass es mir gelingt, eine bessere politische Kultur und einen respektvollen Umgang innerhalb des Ortsvereins zu etablieren.

 

Nicht umsonst werden in der SPD die Ortsgliederungen "Ortsvereine" genannt. Mehr Vereinscharakter, mehr gemeinsame Veranstaltungen, aber auch im Sinne unserer Aufgaben für die Bürgerschaft eine sachliche Auseinandersetzung mit den Problemen unserer Stadt. Ich möchte mich auch daran messen lassen, wie sehr es mir gelungen ist, den Kontakt zu Vereinen, Bürgerinitiativen oder den Gewerkschaften zu verbessern.

Wie wollen Sie in Plauen mehr Mitglieder für die SPD gewinnen?

Ich glaube, eine Partei lebt ganz entscheidend von den Menschen die in ihr sind, die sie gestalten und die ihre Funktion in der Demokratie nutzen wollen. Die Funktion der Parteien, wird zu Recht mit Blick ihrer Rolle in der DDR sehr negativ gesehen. Die Akteure in den Parteien tun auch recht wenig dagegen und einige nutzen diese lediglich für ihren persönlichen Erfolg.

 

 Ich denke, man muss stärker der Frage nachgehen, wozu Parteien überhaupt da sind. Für mich sind sie ein bedeutender Ort von Meinungsbildungsprozesses und haben über ihre Vertreter in Parlamenten konkreten Einfluss auf die Lösung täglicher Probleme. Das Äußern von Meinung wird schnell als "meckern" verstanden, muss aber in einer Partei viel einfacher und vor allem nachhaltiger möglich sein. Versammlungen, auf denen Meinungen diskutiert werden und den SPD-Vertretern in Stadtrat oder Kreistag mitgegeben werden können, müssen angeboten werden. Ich hoffe auch, dass die SPD aus den vielen Austritten der letzten Jahre lernt und mehr Basisdemokratie und Mitbestimmung ihrer Mitglieder zulässt.

Herr Zabel, Sie sind der wohl jüngste Ortsvereinsvorsitzende der SPD in Deutschland. Sehen Sie das als Vor- oder Nachteil an?

Ich glaube für die Übernahme dieser Aufgabe ist das Alter von nicht so großer Bedeutung. Natürlich hätte ich gern etwas mehr Erfahrung, aber ich freue mich, dass mich gestandene Mitglieder wie Rüdiger Müller oder Rainer Kett unterstützen werden. Man muss offen sein für die gemeinsame Arbeit. Ich glaube, dass mein Alter für die Qualität der Arbeit als Ortsvereinsvorsitzender eine geringe Rolle spielt. Eigenschaften wie Zuverlässigkeit, das "richtige" Gespür und die Fähigkeit Menschen zuzuhören sind wichtiger und haben wenig mit dem Alter einer Person zu tun.  M.B.