Deutschland stoppt Astrazeneca: Impfmodell im Vogtland auf Eis

Deutschland setzt die Impfungen mit dem Impfstoff von Astrazeneca vorerst aus. Damit ist auch das Durchimpfen aller Einwohner im Vogtlandkreis auf Eis gelegt. Denn Sachsen hat am Montag alle Impftermine sofort gestoppt. Das Plauener Impfzentrum wird vorerst geschlossen, zwei von drei Impfbussen im Vogtland stehen ab sofort.

Dresden/Plauen Deutschland setzt die Impfungen mit dem Impfstoff von Astrazeneca vorerst aus. Vorausgegangen waren Meldungen von Blutgerinnseln im zeitlichen Zusammenhang mit einer Corona-Impfung mit dem Präparat, teilte das Bundesgesundheitsministerium am Montag mit. Es handele sich um einen vorsorglichen Schritt, dem eine Empfehlung des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) vorangegangen sei, sagte ein Sprecher. "Nach neuen Meldungen von Thrombosen der Hirnvenen im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung in Deutschland und Europa, hält das PEI weitere Untersuchungen für notwendig", so der Sprecher. Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA werde entscheiden, ob und wie sich die neuen Erkenntnisse auf die Zulassung des Impfstoffes auswirken.


Im Vogtland wirkt sich der Impfstopp folgendermaßen aus: Mit Bekanntwerden der Nachricht wurden Montagnachmittag die Impfungen mit Astrazeneca in den beiden Impfzentren Eich und Plauen eingestellt. Das erst vor wenigen Tagen eröffnete Plauener Impfzentrum wird bis auf weiteres geschlossen, ebenso die rollenden Impfbusse in Reichenbach und Mehltheuer, erklärt Andy Feig, Leiter der Impfzentren im Vogtland. Geöffnet bleiben das Impfzentrum Eich und der Impfbus in Adorf - jedoch nur für diejenigen, welche noch die Zweitimpfung mit Moderna und Biontech zu erwarten haben. Diese Zweitimpfungstermine werden sich laut Feig noch bis diesen Sonntag hinziehen - täglich zwischen 450 und 500 Dosen. Jeglicher Impfstoff von Astra Zeneca verschwindet jetzt erstmal im Kühlschrank, bis die Bundesregierung eine Entscheidung getroffen hat. In der Kühlung hält sich Astrazeneca drei Monate. Wie diejenigen, die heute oder morgen geimpft worden wären, erfahren, dass der Impftermin gecancelt ist, weiß Andy Feig nicht. Er hofft, dass jeder rechtzeitig davon erfährt und viel Ärger vor dem Impfzentrum erspart bleibt. Absagen muss Feig auch den vielen Ehrenamtlichen, die sich für Extra-Schichten auch am Wochenende bereit erklärt hatten. Rund 3500 Vogtländer haben in den vergangenen sieben Tagen schon Astrazeneca erhalten. Ob die bereits Geimpften noch einen Zweittermin erhalten und wann vermag Feig nicht zu sagen. Bereits am Montagvormittag wurde bekannt, dass Sachsen nur ein Drittel des zugesagten Impfstoffes Astrazeneca erhält und damit der Modellversuch im Vogtland, flächendeckend auch über Hausarztpraxen zu impfen auf der Kippe stand. Am Nachmittag dann der generelle Stopp von Astrazeneca. "Ich setze auf eine zügige Klärung. Natürlich wirft diese Entwicklung unsere Impfpläne gehörig zurück", bemerkte Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping.


Unterdessen fordern Deutschlands Intensivärzte angesichts steigender Corona-Zahlen eine sofortige Rückkehr in den Lockdown. So könne eine starke dritte Welle verhindert werden, sagte Christian Karagiannidis von der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin. Er forderte, die Länder sollten vor allem die beschlossene Notbremse durchsetzen, wenn es mehr als 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen gibt.
Im Vogtland lag der Sieben-Tages-Inzidenzwert am Montag bei 305,8. dpa/cze