Deutschland feiert Mauerfall, Trabi-Korso in Mödlareuth

An der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze haben Menschen aus Ost und West am Samstag den Zusammenbruch des Eisernen Vorhangs vor exakt 30 Jahren gefeiert. Zehntausende feierten auch in Berlin fröhlich den Fall der Mauer. Der 9. November 1989 war die "Nacht der Nächte", sagt der Bundespräsident. Steinmeier gibt den Deutschen aber auch eine ernste Mahnung mit auf den Weg.

Mödlareuth/Hof/Berlin "Die deutsche Einheit war für mich das schönste politische Erlebnis, das ich in 50 Jahren Politik hatte", sagte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) am Samstag in Hof. Im einst geteilten Grenzdorf Mödlareuth durchbrach ein Trabikorso noch einmal symbolisch die Mauer.
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sowie Innenminister Joachim Herrmann (beide CSU) hatten zuvor an den Mut der Revolutionäre in der DDR erinnert. Aus anfänglichen Bürgerinitiativen sei 1989 eine Volksbewegung geworden, die sich gegen die SED-Diktatur stellte und die die Mauer von Ost nach West buchstäblich eindrückte, sagte Herrmann am Samstag in Mödlareuth bei Hof.
Söder hatte sich mit einer Videobotschaft an die Bevölkerung gewandt und die Menschen der damaligen DDR als würdig für den Friedensnobelpreis bezeichnet. "Diesen Mut, diese Bereitschaft, durch viele Demonstrationen in einer völlig unsicheren Situation ein System von innen heraus zu brechen, ist eine unglaubliche, vielleicht die größte Leistung, die auf deutschem Boden je geschehen ist", sagte er.
Nach der Rede des bayerischen Innenministers durchbrach ein Korso aus historischen DDR-Fahrzeugen wie Trabants, Wartburgs und Barkas symbolisch noch einmal eine aus Styropor wieder aufgebaute Mauer.
Als damals 40-Jähriger habe er niemals gedacht, "dass es mir einmal vergönnt sein würde, das, wofür wir politisch immer gearbeitet haben, nämlich die Wiedervereinigung unseres Vaterlandes, auch tatsächlich zu erleben. Das war ein Glücksmoment besonderer Art", sagte Bundesinnenminister Horst seehofer.
Drei Jahrzehnte nach der Überwindung der Teilung Deutschlands hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Berlin vor neuen Mauern in Politik und Gesellschaft gewarnt. Am 30. Jahrestag des Mauerfalls rief er dazu auf, diese wieder einzureißen und für Demokratie und Zusammenhalt zu streiten. Bei der zentralen Gedenkveranstaltung am ehemaligen Todesstreifen in der Hauptstadt mahnte auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, die 1989 errungene Freiheit gegen neue Anfeindungen zu verteidigen.
Nach dem offiziellen Gedenken mit den Spitzen des Staates feierten am Abend Zehntausende Menschen am Brandenburger Tor eine fröhliche Mauerfallparty. Hier sagte der Bundespräsident, die Berliner Mauer sei ein für alle Mal weg. "Aber quer durch unser Land sind neue Mauern entstanden: Mauern aus Frust, Mauern aus Wut und Hass, Mauern der Sprachlosigkeit und der Entfremdung. Mauern, die unsichtbar sind, aber trotzdem spalten. Mauern, die unserem Zusammenhalt im Wege stehen." Die Berliner Mauer habe das DDR-Regime gebaut. "Aber die neuen Mauern in unserem Land, die haben wir selbst gebaut. Und nur wir selber können sie einreißen", sagte Steinmeier und forderte unter großem Beifall: "Reißen wir diese Mauern endlich ein!"
Merkel erinnerte auch an die Pogromnacht am 9. November 1938 und das nachfolgende "Menschheitsverbrechen" des Holocaust. "Der 9. November, in dem sich in besonderer Weise sowohl die fürchterlichen als auch die glücklichen Momente unserer Geschichte widerspiegeln, ermahnt uns, dass wir Hass, Rassismus und Antisemitismus entschlossen entgegentreten müssen", sagte sie.
Bei dem Gedenken an der Bernauer Straße steckten Steinmeier, Merkel und andere hochrangige Politiker wie Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) und Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) in die dort noch stehenden Mauerreste Rosen für die Opfer. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen starben an dem etwa 160 Kilometer langen Sperrwerk in der Hauptstadt mindestens 140 Menschen durch das DDR-Grenzregime. Zur Erinnerung an den Mut der DDR-Opposition im Herbst 1989 wurden Kerzen angezündet.