Deutsche Sprache in die Welt getragen

Die deutsche Sprache in die Welt zu tragen, Schulen zu betreuen und dort zu unterrichten, war lange Zeit Passion und Auftrag für den Lehrer Winfried Spahn aus Theuma. Heute bereist er nur noch privat ferne Länder.

Von Brigitte Kempe-Winkelmann

Ein halbes Jahr ist Winfried Spahn schon wieder daheim in Theuma. Der 65-Jährige ist nun Rentner und auch damit beschäftigt, seine Erlebnisse und Tätigkeiten aufzuarbeiten. Zuletzt war er acht Jahre für die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen als Länderbeauftragter in Tadschikistan in Zentralasien tätig. Dafür, so erklärt er, wird man vom Land Sachsen frei gestellt und muss sich für eine Stelle bewerben. Das bedeutet in diesem Fall, sich erst mal mit dem Land vertraut zu machen.
Tadschikistan, da war was Richtung Zentralasien, aber genauer…? Also altmodisch in den Atlas geschaut und neumodisch das Internet genutzt, um dann festzustellen: das ärmste Land Zentralasiens, 1300 km gemeinsame Grenze mit Afghanistan, Erdbeben, also kurz: Abenteuer. Der erste schriftliche Kontakt mit den zukünftigen KollegInnen zeigte eine große Herzlichkeit, was letztendlich den Ausschlag gab, die Reise anzutreten. Diese Herzlichkeit begleitete den Theumaer die ganze Zeit seines Aufenthaltes, ob es die LehrerInnen oder wildfremde Menschen waren, überall stieß er auf Freundlichkeit und Gastfreundschaft, so in der Schule, beim Weg nach Hause oder den Ausflügen in die Berge, wo er von Dorfbewohnern zum Teetrinken eingeladen wurde. Da war zum Beispiel auf dem Nachhauseweg auch eine Gruppe schachspielender Männer, die ihn zum Mitspielen aufforderten, was in einer verheerenden Niederlage für ihn endete.
Herzlichkeit der Menschen begleitete ihn während seines gesamten Aufenthaltes.
Dies erleichterte natürlich seinen Start, das Vorbereiten seiner Schüler auf das deutsche Sprachdiplom, welches die Voraussetzung für ein Studium in Deutschland ist. Und dafür kamen die Schüler nach dem regulären Unterricht täglich für weitere 3-4 Stunden, um nicht nur die deutsche Sprache, sondern auch über das Leben, die Geschichte und Traditionen Deutschlands zu lernen. So waren die Teilnahme am Weihnachtsmarkt der deutschen Botschaft, oder das Ostereier bemalen und verstecken nicht nur praktische Erfahrungen, sondern auch Höhepunkte des jeweiligen Schuljahres, ebenso wie das tadschikische Navruz Fest, mit welchem zum Frühlingsanfang das neue Jahr begrüßt wurde.
Viele ehemalige Schüler studieren nun in Deutschland, andere absolvieren ein freiwilliges soziales Jahr oder arbeiten u.a. auch in Pflegeberufen.
Vor Tadschikistan hat der Lehrer für Deutsch und Geschichte schon in Polen und später in China gearbeitet. In Polen seien die Menschen eher zurückhaltend, aber trotzdem sehr interessiert, die deutsche Sprache zu erlernen und anwenden zu können.
"Wuhan heute - eine Stadt, die jeder kennt.- 2008 immerhin schon eine der größten Städte Chinas und trotzdem unbekannt", erzählt Winfried Spahn weiter. "8 Millionen Menschen, die Einsatzschule für chinesische Verhältnisse relativ überschaubar, nur Klassen 7-12, insgesamt ca. 2000 Schüler, Unterricht von 8 - 21.30 Uhr, dazwischen Freizeit mit Sport oder einfach erholen. Bildung hat einen hohen Stellenwert; das deutsche Sprachdiplom gehört dazu. So fragten mich zum Beispiel die Schüler, ob wir nicht zusätzlich Unterricht machen könnten, um sich besser auf die Prüfung zum Sprachdiplom vorzubereiten. Als Termin schlugen sie den Sonntagvormittag vor, was mich doch ziemlich erstaunte."
China sei ein extrem vielfältiges Land. Das Leben spielt sich vorwiegend draußen ab. Überall trifft man in den Parks Gruppen, die tanzen, Musik machen, Sport treiben oder Karten spielen.
Man sieht Großeltern Yoga treiben oder Walzer tanzen oder mit den Kindern Federball spielen…
Nun kann man natürlich entgegnen, dass es auch noch eine andere Seite Chinas oder Tadschikistans gibt, aber darüber wird in den Medien ja bereits mehr oder weniger ausführlich berichtet und so ist es vielleicht mal interessant, etwas aus einem andern Blickwinkel zu erfahren.
Wäre Winfried Spahn nicht schon Rentner, würde er heute wohl immer noch irgendwo auf der Welt die deutsche Sprache vermitteln. Wehmütig ist der aus Plauen Stammende aber nicht. "So viele Jahre im Ausland, das reicht nun auch." Er fühlt sich selbstverständlich auch zu Hause wohl, wo er in Theuma 1997 ein Haus gebaut hat und zusammen mit seiner Lebensgefährtin Karin wohnt. Sie haben nun mehr Zeit für die Familie und die Enkelkinder.