Deutsche Bahn verärgert Naturschützer

Dass die Deutsche Bahn AG die Sträucher und Gebüsche entlang der Bahngleise zwischen Kornbach und Reuth entfernt, kann Thomas Hohl, Naturschutzhelfer im Vogtlandkreis, nicht fassen, es macht ihn wütend.

"Am Bahnübergang nahe Kornbach hatten sie angefangen mit den Arbeiten." Auf Hohls Initiative konnte Gerhard Liebscher, Landtagsabgeordnete (Bündnis 90/Die Grünen) bereits im Frühjahr, als die Arbeiten an den Gleise begannen, bei der Deutschen Bahn AG einen Stopp erwirken. Auch das Umweltamt wurde informiert.
"Und jetzt wird wieder alles geschreddert. Das ist so ärgerlich, dass jetzt wieder begonnen wurde", so der Pädagoge. "Hier wird im großen Stil ein Biotop zerstört. Dabei geht die Brutzeit der Vögel bis Ende September." Der Lebensraum von Vögeln, Insekten, Kriechtieren und Säugetieren wie Haselmaus oder Siebenschläfer werde zerstört. Hohl ärgert auch, dass keiner privat auf seinem Grundgrundstück Hecken oder Bäume entfernen darf, und hier werde dies einfach getan. "In meiner Funktion als Naturschutzhelfer sehe ich es als meine Aufgabe an, darauf aufmerksam zu machen und der Behörde zu melden." Er sehe ein, dass die Gleise freigehalten werden müssen, aber eben nicht zu Lasten der hier lebenden Tiere.
Im Bundesnaturschutzgesetz, am 1. März 2010 in Kraft getreten, steht geschrieben, dass bundeseinheitlich Fäll- und Schnittverbote in der Baum- und Gehölzpflege in der Zeit vom 1. März bis zum 30. September gelten. Ziel des Gesetzes ist es, Tiere zu schützen, die Bäume und Sträucher als Lebensraum nutzen. Der Zeitraum berücksichtigt die Reproduktionszeit der meisten Tierarten. Auf dieses Gesetz bezieht sich Thomas Hohl mit seiner Kritik.
Daher die Anfrage an die Deutsche Bahn AG an, weshalb jetzt erneut Pflegearbeiten getätigt werden. "Bei den Vegetationsarbeiten handelt es sich um Arbeiten und Maßnahmen zur Unterhaltung des DB-Streckennetzes, die zur Gewährleistung eines sicheren Eisenbahnbetriebes - wie etwa Einhaltung von Sicherheitsabständen und Signalsichten, Freihaltung von Rettungswegen - notwendig sind und mindestens einmal jährlich durchgeführt werden müssen", lautet die Info aus der Pressestelle der Deutschen Bahn. "Um dieser Verpflichtung auf allen Strecken des umfangreichen DB-Streckennetzes nachkommen zu können, ist es nötig, den Vegetationsrückschnitt ganzjährig durchzuführen. Dazu kann auch Aufwuchs mit geringeren Höhen von wenigen Metern gehören, der in einem mehrjährigen Turnus bearbeitet wird."
Die Einhaltung artenschutzrechtlicher Vorgaben würden mit den Behörden abgestimmt, durch Vorabkontrollen und während der Arbeiten auf Brut- und Niststätten sichergestellt. "Bei der Durchführung notwendiger Vegetationspflegemaßnahmen in der Brut- und Setzzeit werden derartige Faktoren bereits in der Planung berücksichtigt. Diese Bereiche werden bei erkanntem Besatz zu einem späteren Zeitpunkt bearbeitet", wird von der DB AG mitgeteilt. Simone  Zeh