Der warme Klang der Marimbas

Bad Elster - Meisterwerke der Musikerfamilie Bach erklangen am Sonntag zu einem Festkonzert im König Albert Theater anlässlich des Reformationstages. Für besonders wohlklingende Höhepunkte sorgten die Solisten Katarzyna Mycka und Franz Bach aus Stuttgart.

 

Mit zauberhaft exotischen Klängen, auf zwei Marimbas, brachten sie, begleitet von der Chursächsischen Philharmonie unter der Leitung von Generalmusikdirektor Florian Merz, die Konzerte für zwei Marimbas und Orchester D-Dur sowie für zwei Marimbas und Orchester F-Moll von Johann Sebastian Bach (1685-1750) zur Aufführung. Dabei beeindruckten vor allem die großartige Fingerfertigkeit der beiden Solisten und die besonders warmen und vollen Klangfarben der beiden Marimbas.

Die Marimba, auch Marimbaphon genannt, ist ein Schlaginstrument und gehört zur Familie der Xylophone mit einem großen Tonumfang. Das Schlaginstrument, unter dem Resonanzröhren angebracht sind, die den Ton verstärken, hat seinen Ursprung in Afrika. Die Länge der Resonanzröhren ist so abgestimmt, dass die Luftsäule in seinem Inneren in Resonanz mit dem Klangstab schwingt. Mit den Schlagklöppeln, die aus verschiedenen Hölzern gefertigt sind und deren Kugeln je nach Klangfarbe umwickelt sind, werden Holzklangplatten angeschlagen und Töne erzeugt, die wesentlich dunkler und voller als bei einem Xylophon klingen. Vergleichbar sind sie ungefähr mit denen eines Hammerklaviers, das auch Johann Sebastian Bach bereits in den Jahren um 1730 spielte, der sich neuen Entwicklungen von Tasteninstrumenten nicht verschlossen hatte.

 

Für die Interpretation seiner Werke spendeten die Zuschauer den Solisten und Orchester einen kräftigen Applaus. Katarzyna Mycka, geboren 1972 ist eine polnische Marimba- und Schlagzeugmusikerin. Sie studierte an der Musikakademie Danzig mit Aufenthalten an den Musikhochschulen in Gdansk, Stuttgart und Salzburg. Als erste Solistin trat sie 1998 beim Ersten Marimba Festival in Osaka und 2004 beim internationalen Marimba Festival in Linz auf. Die weltweit renommierte Marimba-Virtuosin ist Gründerin der Internationalen Katarzyna Mycka Marimba Akademie und Preisträgerin zahlreicher internationaler Wettbewerbe.

Schlagzeuger Franz Bach, geboren 1965, erhielt mit acht Jahren den ersten Klavierunterricht und kam 1978 in die Schlagzeugklasse von Manfred Rohrer am Badischen Konservatorium Karlsruhe. Von 1986 bis 1990 absolvierte er sein Orchestermusik- und Schlagzeugstudium an der Karlsruher Musikhochschule und absolvierte danach ein Aufbaustudium in Salzburg. Seit 1989 ist er Soloschlagzeuger beim Radio-Sinfonieorchester Stuttgart. 1993 wurde er als Schlagzeugdozent an die Frankfurter Musikhochschule berufen. Ab Herbst 1999 hat er einen Lehrauftrag an der Hochschule für Musik in München angenommen.

Gewidmet war das gelungene Festkonzert zum Reformationstag auch dem 300. Geburtstag von Wilhelm Friedemann Bach (1710-1784). Von ihm erklang die Symphonie d-moll F65, auch bekannt als "Geburtstagssymphonie", ursprünglich Friedrich dem Großen gewidmet, mit einer langsamen, majestätischen Einleitung und einem fungierendem Hauptteil.

Wilhelm Friedemann Bach wurde als ältester Sohn Johann Sebastian Bachs und seiner ersten Ehefrau Maria Barbara Bach in Weimar geboren. Ab Juni 1723 besuchte er die Leipziger Thomasschule, wurde 1729 als Jurastudent an der Universität Leipzig immatrikuliert und studierte außer den Rechten auch Philosophie und Mathematik. 1733 wurde er Organist an der Sophienkirche in Dresden und 1746 Musikdirektor und Organist an der Marienkirche in Halle. 1764 gab er sein Amt in Halle auf. Seither lebte er ohne feste Anstellung und versuchte, durch Konzerte, Unterricht und Kompositionen seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Er starb 1784 in ärmlichen Verhältnissen in Berlin.

Zur Eröffnung des Festkonzerts stand die die Ouvertüre g-Moll von Johann Bernhard Bach, einem Cousin zweiten Grades von Johann Sebastian Bach auf dem Programm. Die Orchestersuite im französischen Stile stellt eine Seltenheit barocker Kompositionskunst dar. Johann Bernhard Bach wurde von seinem Vater Johann Aegidius Bach schon als Kind musikalisch ausgebildet. Später studierte er zusammen mit Johann Sebastian Bach in Weimar. Später wurde er Nachfolger seines Onkels Johann Christoph Bach als Organist in Eisenach und als Cembalist im Hof-Orchester 1703. Erfreut wurden die Zuschauer außerdem mit dem bekannten Brandenburgischen Konzert Nr. 4 G-Dur, entstanden um 1720, zum festlichen Ausklang des Konzertnachmittags. S. Adler