Der "Waldfrieden" wartet auf den Bus - vergeblich

Das Göltzschtal lädt zum Wandern ein - ab sofort leider ohne Busanschluss. Das beklagen die Wirtsleute vom "Waldfrieden", der Gaststätte zwischen Göltzschtalbrücke und Greiz. Von heute auf morgen sei der Bus eingestellt worden. Ohne Info. Stimmt das?

Netzschkau/Elsterberg - Jahrzehnte hat der Bus an der Gaststätte gehalten auf seiner Fahrt von Reichenbach über Mylau und Netzschkau nach Greiz - und zurück. Noch immer hängt ein Fahrplan ("gültig ab 17.10.2016") an der "Waldfrieden"-Haltestelle und macht Wanderern Hoffnung. Doch seit 13. Oktober ist die Hoffnung vergeblich: Kein Bus fährt.
"Nach 1990 gab es tagsüber sechs Fahrten in beide Richtungen, am Wochenende waren es drei laut Fahrplan", berichten Barbara und René Drechsel, die mit Pauschalkräften das Haus bewirtschaften.
Im Laufe der Jahre wurde das Angebot nach Drechsels Angaben immer dünner. "Irgendwann ist der Sonntag weggefallen, dann auch der Samstag und seit zwei Jahren fuhr der Bus nur noch fünf Mal an Werktagen: Die 18-Uhr-Tour wurde eingespart."
Seit 13. Oktober fährt gar kein Bus mehr. "Das hat uns eine unserer Mitarbeiterinnen gesagt, eine Mitteilung vom Busbetrieb oder anderen Verantwortlichen haben wir nicht bekommen", berichtet Frau Drechsel, nach deren Angaben die Informationspolitik der offiziellen Stellen schon immer schlecht war: "Wir liegen an der Grenze von Sachsen und Thüringen. Wenn Straßenbau ansteht sind Informationen meist Fehlanzeige - auf der einen wie auf der anderen Seite."
Die Göltzschtalbrücke ist schätzungsweise 3,5 Kilometer vom Gasthaus "Waldfrieden" entfernt, die Greizer Papiermühle etwa 2 Kilometer. "Wir haben früher unsere Kinder mit dem Auto jeden Tag zur Schule nach Netzschkau gefahren, denn einen Schulbus gab es nicht. Im Notfall befördern wir auch Wanderer in unserem Privat-Pkw zum Zug nach Netzschkau oder Greiz. Aber eine Dauerlösung ist das natürlich nicht."
Das Fehlen eines öffentlichen Busses würde auch Pensionsgäste betreffen, die über kein eigenes Auto verfügen, oder Pauschalkräfte, die im "Waldfrieden" arbeiten. "Was sollen wir machen?", fragt Familie Drechsel ratlos.
Mit der Frage wendet sich der Vogtland-Anzeiger an den Zweckverband Öffentlicher Personennahverkehr Vogtland (ZVV). Pressesprecherin Kerstin Büttner: "Die Haltestelle Waldfrieden wird nicht mehr bedient. Die Haltestelle hat aber noch die Beschilderung und den alten Fahrplan." Nach Frau Büttners Angaben hat der fehlende neue Fahrplan eine Bedeutung, nämlich: "Diese Haltestelle wird nicht mehr bedient."
Die Haltestellenwarte (des ZVV) seien seit 15. Oktober dabei, diese verwaisten Haltestellen zu demontieren. "Dies wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Auch die alten Fahrpläne werden jetzt nach und nach im ganzen Vogtland entfernt."
Frau Büttner begründet das Stilllegen der Linie von Reichenbach über Mylau und Netzschkau nach Greiz (und zurück) mit mangelnder Auslastung. Im ganzen Jahr 2015 seien nur 74 Leute am "Waldfrieden" eingestiegen, in den Jahren davor und danach kaum 30. "Dies entspricht etwa 0,2 Einsteigern pro Tag."
Deshalb sei diese Linie für das neue Vogtlandnetz nicht mehr vorgesehen. Man habe deshalb die andere Linie von Reichenbach nach Greiz (über Friesen) gestärkt, "da dort eine deutlich höhere Nachfrage vorhanden war und ist".
Frau Büttner weist darauf hin, dass es die Pflicht eines jeden selbst ist, sich zu informieren. Im übrigen seien die Medien und Kommunen informiert worden. Zur Erläuterung habe man auch einen Videospot erstellen lassen - zu finden auf der Internetseite. ufa
www.vogtlandauskunft.de