Der Sound von Macht und Intrige

Fans der Fantasy-Serie Game of Thrones können die für 2019 versprochene achte und finale Staffel kaum erwarten. Da kommt, quasi als Ouvertüre, die Tour des London Festival Symphonics gerade recht. Eine echte Vorfreude bereitete am Freitag der 100köpfige Klangkörper inklusive Chorsängern und Solisten dem Zwickauer Publikum in dortiger Stadthalle mit dem Soundtrack der Saga.

Von Cornelia Henze

Zwickau - Blut fließt. Drachen speien Feuer. Männer mit zum Kampf entschlossenen Gesichtern. Frauen, den Dolch in der Hand, bereit zu Rache und Vergeltung. Ein Vatermord hier. Eine blutige Hochzeit dort. Zugeschnitten auf etwas über zwei Stunden, lässt das britische Orchester die blutrünstige Saga, die Millionen Menschen weltweit aus dem US-Kabelsender HBO kennen und lieben, im Schnelldurchlauf erleben. Sieben bisher erschienene Staffeln in unzähligen Folgen werden dramatisch, teils im Sepiaeffekt und als Animation unter wabernden Feuersäulen aus Bühnennebel auf die Leinwand gezaubert. 
Zunächst unterscheidet sich der Auftritt der in seriösen Musiker-Zwirn gekleideten Symphoniker in nichts von dem anderer Klangkörper. Wie üblich, reicht auch hier Dirigent Pawel Pietruszewski seinem Ersten Geiger die Hand, es gibt Verbeugungen und Applaus, ehe er den Taktstock erhebt. Statt durch klassisches Repertoire spielt sich der junge Pole durch 32 Titel der Saga, im Ablauf chronolgisch von Staffel 1 an aufsteigend angeordnet, immer wieder durchzogen vom Main Title der Kult-Serie. Dunkle Kontrabass-Klänge, fulminante Paukenschläge dominieren das Konzert, das sich schon vom Anspruch eine "Show" zu sein, von Klassikprogrammen herkömmlicher Klangkörper abheben will. Eine Show, ein Marketingprogramm, zur rechten Zeit für Fans, die bereit sind, ab 50 Euro aufwärts pro Karte zu löhnen. Ausverkauft soll die Tour des renommierten Londoner Klangkörpers an vielen Orten gewesen sein - in Zwickau blieben, vor allem auf den Rängen, viele Plätze leer. Dennoch zog die Show reichlich Besucher an - die meisten Insider und Fans der Serie, manche tragen mystische Amulette um den Hals und dürften wohl auch den Grundwortschatz der in den sieben Königreichen von Westeros gesprochenen Kunstsprache Dothraki übersetzen können. In dieser haucht Sopranistin Monika Piechaczek sphärische Laute in die Stadthalle - eine stimmungsvolle Ballade (Light of the Seven) umgeben von zumeist der von Pathos, Heldentum, Machtspielen und Intrige getragenen Filmmusik aus der Feder des deutsch-iranischen Komponisten Ramin Djawadi. Voller Pathos und Dramatik ist die Kost eine schwere, die vor allem Kenner zu schätzen wissen. Immer wieder im Fokus steht der Percussions-Künstler Konrad Roginski. Der musikalische Tausendsassa aus Polen, ganz archaisch, kriegerisch im Game-of-Thrones-Style gekleidet, bearbeitet kraftvoll die Drums, um schon im nächsten Titel einer Art Hirtenflöte zarte Töne zu entlocken. Sonderapplaus gibt es obendrein für Sänger Jaro Zawartko, der mit sonorem Bass "The Rains of Castamere", bekannt auch als das "Lied der Lennister", gibt. Für Fans der Saga dürfte diese Show ein einmaliges Kulturerlebnis gewesen sein. "Ersttätern", die sich erst langsam an die Fantasy-Serie samt Soundtrack herantasten, hätte vielleicht eine Moderation durch einen Conferencier im guten alten Stile, angereichert durch Fakten aus Serie und Sound, gutgetan. So bliebe es bei einem äußert professionellen Konzert, das irgendwie etwas schnell, routiniert runtergespult und unpersönlich wirkte.