Der schiefe Turm von Rößnitz

Das Rößnitzer Turmfest 2009 ist Geschichte. Auch heuer diente der sich einigermaßen schief über den Leubnitzer Ortsteil erhebende Turm des Ritterguts allerdings lediglich als Namensgeber des Spektakels.

 

Auch die Zeiten, als Einheimische wie Gäste sich über die schmale Treppe nach oben drängten, um einen Blick ins Turminnere und über die Region zu erhaschen oder als Willibald Schmidt das Fest aus luftiger Höhe mit Trompetenklängen eröffnete, sind vorbei. Die sehr schmale Treppe im Innern könnte zum Sicherheitsrisiko werden, hatten vor Jahren die Verantwortlichen der Gemeinde Leubnitz geunkt. Seither ist das Betreten nicht mehr gestattet. Die Ruhe im Turm wiederum fanden wechselweise Dohlen oder Turmfalken perfekt, um dort ihre Brut aufzuziehen.

Der Schutz der Vögel in der Brutzeit war ein weiteres Argument, den Aufstieg für Besucher zu versagen. Zumindest ist es nicht die nach einer unglücklichen Sanierung entstandene Neigung des Turms, welcher ein Risiko darstellt, versichert Bürgermeister Eberhard Prager. "Der Turm stürzt nicht ein." Und so beratschlagten die neuen Vorstände des Feuerwehrvereins um den Vorsitzenden Ralf Schubert am Rande des jüngsten Fests, wie der Turm zukünftig wieder mehr ins Festgeschehen rücken könnte.

"Im nächsten Jahr besteht unser Verein zehn Jahre. Wir würden uns wünschen, dass anlässlich des Jubiläums unserem schiefen Turm wieder eine eigene Rolle zukommt", so Schubert. 2010 wird das Turmfest auch wieder später stattfinden, so dass die Brutzeit für die Turmfalken vorbei sein müsste. Traditioneller Turmfesttag wäre der 22. August, der diesjährige Tag der Vogtländer in Reuth gewesen.

Mit dem Entscheid, das Fest vorzuverlegen, entstand quasi aus einer Bierlaune heraus die Idee, die einst kleinste sächsische Gemeinde im Festzug den Vogtländern vorzustellen. Bernd Wild war es, der ankündigte, ein Turm-Modell zu fertigen. Der Vorstoß endete in einer Wette um zwei Bierkästen. Und die hat Wild inzwischen gewonnen.

Zum Fest am vergangenen Wochenende präsentierte er seinen schiefen Turm von Rößnitz, der im Festzug der Vogtländer seinen Platz finden wird. Ganz im Stillen, in seiner Garage tüftelte und werkelte der Mann seit Januar. Die Stunden hat er nicht gezählt. "Manchmal habe ich mich verteufelt, dass ich das angefangen habe."

Doch als nach vielen Denkerstunden der Turm langsam Form annahm, kamen auch die Lust und Freude zurück. Vorwiegend aus Metall ist die kleine Schwester des Rößnitzer Wahrzeichens gefertigt. Ein Eisengerüst stützt die Holzplatten, welche wetterfeste Fassadenfarbe abdeckt. Geld hat ihn die Arbeit kaum gekostet. "Mein Betrieb Neoplan hat mich mit dem Material bestens unterstützt", bedankt sich Bernd Wild. mam