Der "Neue" bringt‘s ins Rollen

Wer sich in diesen Tagen über Bus und Bahn ärgert, der kann sicher sein, dass seine Beschwerde auf dem Tisch des Chefs der Vogtländischen Verkehrs Verbund GmbH (VVV) und des Zweckverbandes ÖPNV landet. Der heißt seit Jahresanfang Michael Barth.

Von Cornelia Henze

Auerbach/Plauen "Eine Akzeptanz unseres neuen Vogtlandnetz 2019 Plus bekomme ich nur hin, wenn die Leute zufrieden sind", so das Credo des "Neuen", der nach nach dem raschen Weggang von VVV-Chef Torsten Müller und den beiden Interims-Geschäftsführern Kathrin Tunger und Sebastian Eßbach kein leichtes Erbe antritt.
Vor kaum drei Monaten begannen die Busse und Bahnen im Vogtland nach neuem Takt zu rollen. Der Plus-Bus fährt auf acht Linien unter der Woche im Zwei-Stunden-Takt, auf demDorfe hingegen muss Oma Meier ihren Bus rufen, wenn sie ihn braucht. Schüler fahren jetzt im normalen Linienbus mit, mancher Schüler ist länger unterwegs als zuvor, bei anderen hält der Bus nicht mehr direkt vor dem Schultor. Andere Zeiten, auf- oder abgewertete Linien, längere Wartezeiten, verpasste Anschlüsse: Der Stoß der Beschwerdebriefe war hoch. Doch mittlerweile hielten sich die Beschwerden in Grenzen, sagt Michael Barth, der die etwas ruhigere Zeit zu Jahresanfang nutzte, um sich in den Kummer der Bus- und Bahnfahrer einzulesen.
60 Prozent der Anliegen drehten sich derzeit noch um den Schülerverkehr, der Rest entfalle auf Probleme rund um andere Linien. Hin und wieder komme es noch vor, dass kleinere Schulkinder im Bus keinen Sitzplatz abbekommen haben oder im Bus nicht mitgenommen wurden.
Und auch hier drückt der Schuh: Etliche Beschäftigte wünschen sich Werkverkehr zur Arbeitsstelle. Verdruss gab es infolge des Wegfalls der Buslinie nach Hof. Auch dass nicht alle Bahnen mehr bis in die Innenstadt von Zwickau führen, verärgert. Hier müsse es Gespräche geben mit den Verkehrsverbänden der Nachbarlandkreise, denn die Anbindung nach Hof, Zwickau, ins Thüringische und nach Tschechien sei gerade für Pendler aus dem Vogtland wichtig. Sich um das Beschwerdemanagement kümmern und so schnell wie möglich in den Takt von Bus und Bahn einzuarbeiten, und bestimmte Linien zu optimieren, seien jetzt seine Prioritäten, so der 48-Jährige.
Zugute kommt Michael Barth hier seine gute Ortskenntnis und sein über Jahre aufgebautes Netzwerk in der Wirtschaft.
Selbst in Plauen mit Ehefrau und Sohn (10) lebend, kennt der gebürige Glauchauer seit Jahren das Vogtland gut. Und natürlich auch die Befindlichkeiten zwischen den Leuten und den Städten und Dörfern, in denen sie leben und zwischen denen sie verkehren. Das Göltzschtal zum Beispiel reiche nicht nur von Falkenstein bis Rodewisch, sondern setze sich über Lengenfeld bis nach Mylau fort. Von daher sei es richtig, dass ein Plus-Bus nun regelmäßig zwischen Mylau und Falkenstein pendele, mit der Option, in Anschlussbusse, die andere Städte quer durchs Vogtland anfahren, umzusteigen.
Die guten Kontakte zu Behörden, Unternehmen und Bürgermeister stammen noch aus Barths IHK-Zeiten. Die begannen 2001, als er dort der Fachmann für Unternehmensberatung und Existenzgründungen und ab 2005 für die nächsten zwölf Jahre Geschäftsführer der IHK-Regionalkammer Plauen wurde, die vergangenen zwei Jahre bei dem Sonnenschutz-Hersteller Erfal als Geschäftsführer wirkte. Den insgesamt 16 "Kammer"-Jahren ist Anfang der 1990er Jahre ein Jurastudium vorausgegangen, das Barth nach einem recht praxisnahen Berufsstart aufnahm. Barth, Jahrgang 71, wählte nach der zehnkklassigen POS den zu DDR-Zeiten möglichen "Beruf mit Abitur". Als Schlosser beim VEB Technische Textilien Meerane und später auf dem Bau hat Michael Barth das harte Arbeiten mit den Händen gelernt. Rückblickend habe er dort soziale Kompetenzen erworben, gelernt, Prozesse zu verstehen.
Dass er von Haus aus kein Verkehrsexperte ist, sondern Jurist und Wirtschaftsexperte, sieht der neue ÖPNV- und VVV-Geschäftsführer nicht als Manko. Wichtig sei es, sich mit dem Produkt zu identifizieren. Und das heiße nun aktuell Bus und Bahn. Mit der Abnahme der Beschwerdebriefe nehme auch das Busfahrerproblem sicher bald ein gutes Ende. Insbesondere beim Busunternehmen Gerlach aus Reichenbach hatte es unter den Busfahrern in den vergangenen Monaten Unstimmigkeiten wegen nicht optimaler Tariflöhne gegeben. Die Kuh sei vom Eis, die Tarife entsprechen denen des Arbeitgeberverbandes Nahverkehr. "Man ist im Gespräch".