Der Neuberin Lessing

Sehe ich denn so verdammt freundlich aus? Das soll Gotthold Ephraim Lessing mit Blick auf ein Porträt gefragt haben, das als Kopie demnächst im Reichenbacher Neuberin-Museum hängt.

Von Uwe Faerber

Reichenbach - Die Neuberin-Gesellschaft hat gestern die Kopie erhalten, ein reichlich DIN A-2-großes Ölgemälde, das den großen deutschen Dichter als jungen Mann zeigt. Die Ostdeutsche Sparkassenstiftung und die Sparkasse Vogtland haben den Ankauf des etwa 9000 Euro teuren Bildes möglich gemacht, wie die Stadt Reichenbach mitteilt. 
Das Original des "Reichenbacher" Lessings war Anfang des 19. Jahrhunderts auf Goethes Wunsch nach Weimar ausgeliehen worden und wurde ausgestellt. Die Weimarer Kunstfreunde beschrieben es so: "Von welchem Künstler dieses Werk herrührt, wissen wir nicht zu sagen; allein es ist zuverlässig die Arbeit eines tüchtigen Malers, frei mit Geist und Kraft behandelt, frisch von Farbe und lebhaftem Ausdruck."
Die nach 34 Jahren aus dem Amt scheidende Leiterin des Reichenbacher Neuberin-Museums Marion Schulz freut sich über die Schenkung des Lessing-Porträts. Nach ihren Worten hat die Neuberin eine Aktie an der Entdeckung Lessings. Beide haben sich in Leipzig kennen gelernt, wo sie ein festes Theater etabliert hatte und so zur Mitbegründerin des regelmäßigen deutschen Schauspiels wurde. Lessing studierte in der Stadt an der Pleiße auf Wunsch des Vaters Theologie - und begann sich "zum Kummer seiner Eltern, mit Poesie und Theater zu beschäftigen", wie das Internet-Lexikon Wikipedia schreibt. Frau Schulz zufolge hat die Neuberin bei Lessing die Lust auf Theater entfacht. Die 32 Jahre Ältere diskutierte mit dem Studenten nach den Aufführungen über die Stücke, über die Darstellungsweise, über Gott und die Welt. "Sie freundeten sich an", sagt Frau Schulz. 
Die Prinzipalin brachte im Rahmen ihrer Bemühungen um eine Reform des deutschen Theaters 1748 Lessings erste Komödie "Der junge Gelehrte" zur Aufführung. Sie förderte die junge Bühnendichtergeneration und wurde Geburtshelferin für die Periode des deutschen literarischen Theaters, wozu Lessing gehörte.
Das Lessing-Bild findet in der Ausstellung zum Leben und Werk der deutschen Bühnenreformerin im Neuberin-Museum einen Platz.
Das Neuberin-Museum in Reichenbach befindet sich im Geburtshaus der deutschen Bühnenreformerin Friederike Caroline Neuber (1697- 1760). Eine ständige Ausstellung zum Leben und Werk der Neuberin vermittelt u. a. anhand von Theatermodellen, Zeit- und Sachzeugen einen Einblick in ihr Leben und das deutsche Theaterwesen.