Der Mann mit dem gelben Cello

Wenn einem Publikum nicht auffällt, dass plötzlich 90 Minuten vergangen sind, dann hat ein Künstler wohl alles richtig gemacht. Dabei handelte es sich bei "Theater hinterm Vorhang" auf der Plauener Bühne eigentlich nur um ein Gespräch - allerdings eines der besonderen Art.

Von Stephanie Rössel

Plauen Generalmusikdirektor Leo Siberski holte sich für seine Reihe "GMD & Friends" einen früheren musikalischen Weggefährten nach Plauen und sprach mit ihm über Vergangenes und Künftiges, vor allem aber die eine oder andere amüsante Anekdote aus der Biografie von Dr.Thomas Schmidt-Ott.
Der Programmdirektor bei TUI Cruises ist durch viele Türen gegangen um Träume zu verfolgen. Aus seiner Geburtsstadt Trier ging es für ihn ins Landesjugendorchester, zum Bundesjugendorchester und dann direkt ins Weltjugendorchester. "Wer Kinder hat, sollte ihnen den Weg zu ‚Jugend musiziert‘ ebnen. Das ist auch heute noch etwas ganz Tolles und ein Gewinn fürs Leben", betont Schmidt-Ott, denn dort war es auch, wo sich Tutti-Cellist Schmidt-Ott und Leo Siberski als Trompeter sich zum ersten Mal begegneten.
Mubarak (fast) nur in
Unterhose begegnet

Als späteres Mitglied im Stabsmusikchor der Bundeswehr lernte er viele bekannte Persönlichkeiten kennen. So brachte ihm der Besuch von Ägyptens Ex-Präsident Mubarak vier Tage Nachsitzen und Kaserneputzen ein. Nach dem Auftritt mit dem Spielmannszug wollte Thomas Schmidt-Ott gleich nach Hause, pellte sich aus der Uniform und wurde vom erneuten "Antreten" überrascht. Nur in Unterhose fiel er dann doch etwas aus der Reihe. 1983 erregte der Konflikt zwischen Herbert von Karajan und den Berliner Philharmonikern um die Klarinettistin Sabine Meyer seine Aufmerksamkeit. Für den leidenschaftlichen Cellisten stand fest, er wollte Intendant genau dieser Philharmoniker werden.
Schmidt-Otts Vater war gegen ein Musikstudium und auch Wolfgang Stresemann, der damalige Intendant, diktierte ihm förmlich auf, was er vorher alles erlernen und studieren müsse.
In Antarktis und der
Wüste "gestrichen"

Der erste Schritt war eine Lehre bei der Deutschen Bank, aus der bis heute eine große Affinität zur Börse resultiert. Es folgte ein Studium an der Freien Universität Berlin, an der Technischen Universität sowie an der Musikhochschule.
Und dann kam der Mauerfall. Den 9. November 1989 verbrachte Thomas Schmidt-Ott auf der Berliner Mauer. Dort traf er einen anderen Cellisten mit dem in diesem Moment die Idee geboren wurde, das erste gesamtdeutsche Kammerorchester zu gründen - die Kammerphilharmonie Berlin.
Von 1993 bis 1997 folgte als weitere Station der Mitteldeutsche Rundfunk. Zu dieser Zeit war es auch, dass Prometheus Film München anfragte wie es gelingen könne, klassisches Musik im Fernsehen attraktiver und zielgruppenumfassender zu zeigen. Schmidt-Ott hatte die Vision. Bei "Cello on tour" reisten vier Musiker an sehr ungewöhnliche Ort für Cellokonzerte. Nach der Antarktis folgten Hawaii, Singapur, die Wüste und Kanada. Insgesamt 15 Folgen wurden gedreht und ausgestrahlt und sorgten im Fernsehen für viel Aufsehen.
Schmidt-Ott hatte aber noch immer einen Traum und so schrieb er im nächsten Schritt in Los Angeles seine Doktorarbeit zum Thema "Orchesterkrise und Orchestermarketing" und war anschließend Leitungsreferent des Senators für Kultur und Europa.
1998 Jahren wurde er Orchesterdirektor des Deutschen Symphonie Orchesters Berlin und wenige Jahre später auch des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks. Die Verbindung dieser beiden Orchester brachte auch ihn an Grenzen, so dass etwas Neues kommen musste.
Chef von sieben
Theatern auf hoher See

Mit der Gründung der TUI Cruises GmbH im Jahr 2008, an deren Start Up er beteiligt war, begann die Ära der "Mein Schiff"-Flotte. Aus den Gründungsmitgliedern wurden in den vergangenen zehn Jahren zusammen mit der Firma Seachefs, einer sogenannten Crewing-Agency, mehr als 7.000 Mitarbeiter. Thomas Schmidt-Ott ist Programmdirektor von sieben Schiffen mit Theatern, die jeweils 1.000 Zuschauern Platz bieten. Die Ausstattung entspricht der am Broadway und setzt auf neueste Technologien. Bekannte Schauspieler, wie Dieter Hallervorden treten dort jeden Abend auf, allerdings nur als Hologram.
Ein weiterer Raum für Konzerte ist das Klanghaus. Dieser Kammermusiksaal war ebenfalls Schmidt-Otts Idee. Die dort installierte Raumsimulationsanlage kann den Klang von sieben verschiedenen Opernhäusern der Welt nachempfinden. Zusammen mit seinem riesigen Team ist er verantwortlich für Dutzende große Shows, zahlreiche kleine Konzerte bei denen auf multivisionelles Entertainment gesetzt wird. Es gibt ganz spezielle Fahrten wie das "Full Metal Cruise", die "Carnival Tour" oder Konzertreisen mit Stars der Musikwelt.
Vom Publikum nicht
nur den Hintern sehen

Der 54-Jährige hält sich gern an August Everdings Worte: "Nur ein volles Theater ist ein gutes Theater", schätzt aber auch dessen Satz: "Wer dem Publikum hinterherrennt, sieht nur dessen Hintern." Zusammen mit Leo Siberski ergab das einen spannenden Dialog. Natürlich gab es auch das eine oder andere Musikstück von Flügel und Cello zu hören. Ein Ausschnitt aus Nada Brahma "Die Welt ist Klang" ging tief in die Seele und dass das Herz des Gastes für das Cello schlägt, ist ebenfalls nicht zu überhören.