Der Liebesschmerz eines Nagels

Das Schauspieler-Ehepaar Hans Peter Korff und Christiane Leuchtmann sorgten mit einem heiter-frivolen Abend im König Albert Theater für kurzweilige Unterhaltung. Viel zu lachen hatten die rund 340 Zuschauer über die herzerfrischende szenische Lesung "Zähne einer Ehe".

Von Steffen Adler

Bad Elster - Mit bemerkenswert großartiger Mimik und Gestik und komödiantischer Spielfreude trugen Hans Peter Korff und Christiane Leuchtmann in Dialogen oder auch im Wechsel die amüsanten Geschichten vor. Erste Lachsalven erntete Hans Peter Korff mit Erich Kästners Gedicht "Hamlets Geist", indem er den darin erwähnten Gustav Renner, die beste Kraft am Stadttheater nicht in Toggenburg, sondern im König Albert Theater agieren ließ. Selbst die Schwärmerei und unerfüllte traurige Liebe eines Käfers zu einer Fliege in Heinrich Heines "Die Laune der Verliebten" ermunterte zum Schmunzeln, ebenso wie der grandiose sarkastische Dialog über Mister Preble, dem Rechtsanwalt, der mit seiner Sekretärin durchbrennen will und wegen seinem neuen Liebchen seine Frau loswerden möchte. "Lass uns in den Keller gehen" schlägt er ihr vor, um sie dort erschlagen zu können. In der Geschichte von James Thurber offenbart sich dann auf skurrile Weise, wohin die Liebe - welche stets ihre eigenen Gesetze hat - im schlimmsten Falle führen kann. 
Überzeugend mimte Christiane Leuchtmann auch Lale Andersens Posse "Die Dame von der Elbchaussee", welche einmal im Jahr den Ehering zuhause lässt, um nach Norderney zu fahren, sich von allen Vorurteilen frei zu vergnügen und die Fingernägel blutig lackiert, um endlich mal wie ein normaler Mensch zu sein. 
Amüsant zitierte Hans Peter Korff auch "Aus dem Liebesleben der Wildscheine", einem Gedicht von Christian Maintz, von dem liebeskranken Wildschwein das berauscht verkündet "Ihr süßen Sauen, drallen Bachen, kommt her, dann lassen wir es krachen!" doch am Ende "Keiler Horst vergeblich röhrt, weil ihn keine Sau erhört." 
Mehr Glück im Unglück zuteil wurde dem sich vor Liebesschmerz verbogenen Nagel, dessen Gattin - eine Messingschraube - ihn wegen eines Häkchens im Astloch im Stich ließ. Doch Joachim Ringelnatz gewährt dem vor Kummer beinahe Verrosteten in seinem Gedicht ein ganz besonderes Happy End: "Da aber kehrte sein früheres Glück, die alte Schraube wieder zurück. Sie glänzte über das ganze Gesicht, ja, alte Liebe rostet nicht." 
Selbst Gotthold Ephraim Lessing wusste schon vom "Muster der Ehen" zu berichten und stellt verwegen fest: "Doch sollte mich ein Spötter fragen, wie diese Wunder möglich sind? der lasse sich zur Antwort sagen: Der Mann war taub, die Frau war blind." Als weiterer Höhepunkt folgte Kurt Tucholskys Satire "Ein Ehepaar erzählt einen Witz", bei dem das Schauspieler-Ehepaar in wortakrobatischer Debatte brillierte und glaubhaft dessen spöttische Einschätzung darstellte: "In der Ehe pflegt gewöhnlich immer einer der Dumme zu sein." 
Humorvoll in Szene gesetzt erheiterte auch Heino Jägers "Passkontrolle" von einem pensionierten Veraltungsbeamten, der sich eine PassStelle aus Sperrholz im häuslichen Flur errichtet und nicht nur seine Gattin mit ständigen Passkontrollen schikaniert. Verzweifelt greift diese zum Telefon und wählt die Nummer der Lebensberatung, wo sie schockierende Worte vernimmt: "Nach dem neuen Passgesetz ist Ihr Gatte sogar verpflichtet in die Pässe einzusehen. Ich kann Ihnen nur sagen, Ihr Mann handelt völlig korrekt." 
Noch einmal viel Applaus spendeten die Zuschauer außerdem der köstlichen Zugabe von Loriots berühmtem Sketch "Feierabend" , in dem die Gattin für ihren Mann, der meint "Ich möchte nur hier sitzen!", überhaupt kein Verständnis hat und ihn so lange nervt, bis es schließlich zwischen beiden heftig kracht.