Der Kontrabass feiert Premiere im Theater Plauen

Plauen - "Ich bin 1949 in Ambach am Starnberger See geboren und spiele nicht Kontrabass, sondern Klavier." Patrick Süskind, aus dessen Feder der berühmte, verfilmte Roman "Das Parfüm" (1985) stammt, studierte Geschichte an der Uni München und verdiente seinen Lebensunterhalt bis zu diesem Welterfolg mit Gelegenheitsarbeiten.

 

Sein Einpersonenstück "Der Kontrabass" - Uraufführung am 22. September 1981 im Cuvillies-Theater München unter der Regie und mit Nikolaus Paryla - war, neben nie gespielten Stücken, ein Volltreffer für die Bühne.

Ein beamteter Kontrabassist "im Staatstheater, drittes Pult" wird von seinem Schattendasein gequält, mit einem Instrument, wofür die Musikliteratur so gut wie keine Soli bereithält - höchstens im Krönungskonzert von Carl Ditters von Ditterdorf - wer kennt den schon! Vehement vertritt er die Meinung, dass der Kontrabass, im Gegensatz zum verzichtbaren Dirigenten, das unentbehrlichste Instrument des Orchesters, Wagner unbeliebt und Mozart vollkommen überschätzt sei.

Etwa eineinhalb Stunden räsoniert er, allein auf der Bühne mit seiner Geliebten, dem Kontrabass im Arm, über die Vorzüge und allzu großen Nachteile seines mit ihm zutiefst verwachsenen Instruments, über dessen Durchschlagskraft im Orchester, über den enormen Kraftaufwand beim Spiel, über die Unmöglichkeit einer gelebten Liebe wegen dieses voluminösen Instrumentes mit den aufregend weiblichen Formen, mit der fast erotischen Beziehung, die ihn mit seinem Bass verbindet und - zum Kuckuck - nicht mit Sarah, der unvergleichlichen Sopranistin, die er rasend begehrt, wovon sie jedoch nichts weiß. Längst ist er ein höriger, gepeinigter Bestandteil dieses Instruments mit ebenso unbezweifelbarem wie groteskem Sachverstand, was die Musik betrifft.

"Der Kontrabass", Premiere am Samstag auf der Kleinen Bühne des Theaters Plauen. Die Zuschauer sitzen u-förmig (fein nuancierte Regie, Bühne und Kostüme: Andreas Bauer) um den Akteur, dieser zunächst in Kontemplation versunken, sinnierend, wartend auf den Moment, da sein CD-Player mit Schuberts "Unvollendeter" die wenigen Takte preisgibt, in denen der Bass zu hören ist.

Der Kontrabass, das archaische Instrument mit dem sexy Body, das so wundervoll mit Sopran (Saaraah!) harmoniert - oder auch Mezzo-, das ihm während einer Vorstellung zwischen einem und zwei Liter seines Schweißes entlockt, das immer, immer, immer da und schuld daran ist, dass ihm jede Frau davon läuft oder erst gar nichts von seiner Liebe (Saaaraaah!) erfährt. Er liebt und beschimpft sein Instrument, er schreit es an, beleidigt es, trinkt literweise Bier, rülpst, taumelt und muss mit seiner "Festanstellungspsychose", die ihn als beamteten Kontrabassisten ereilte, zum Konzert - also raus aus dem nass transpirierten Hemd, rein ins adäquate Musiker-Outfit und Abschied vom amüsierten Publikum das ihm, dem fabelhaften Schauspieler Johannes Lang, eineinhalb Stunden zugehört hat, dabei von einem Lachkrampf zum anderen wechselte und letzten Endes ordentlich Beifall zollte.  Ingrid Schenke