Der "Kauz" und seine Käuze

Der Vogel hat viele Feinde - und einen großen Freund: Mit bald 80 klettert Karl Heinz Meyer hoch auf Bäume. Nur für den Vogel war der Mann aus Theuma in diesem Jahr an 49 Tagen unterwegs.

Theuma - Karl-Heinz Meyer liebt die Natur im Allgemeinen - und schützt den Raufußkauz im Besonderen. "Normalerweise brütet der Kauz in vom Schwarzspecht verlassenen Höhlen alter Buchen", erklärt Meyer. "An der glatten Rinde können Marder schlecht klettern. Deshalb ist der Kauz vor den Fressfeinden relativ sicher."
Doch im Vogtland gibt es zu wenig Alt-Buchen - und also zu wenig Bruthöhlen. Deshalb hat Meyer 188 Nistkästen seit 1991 aufgehängt - in den Wäldern von Herlasgrün bis Schöneck, von Werda bis Oelsnitz. "Die Nistkästen habe ich selbst gebaut und alle sind mardersicher."
Meyers Interesse für Raufußkauze wurzelt in der Vergangenheit. "1990 habe ich in Bayern geholfen, Vögel zu beringen, und später auf Hiddensee selbst eine Prüfung zum Beringer abgelegt."
Mehrmals im Jahr klappert Meyer seine Nistkästen ab; so kamen 2019 nach seinen Worten 870 Kilometer zusammen. "Im März kontrolliere ich, welche Kästen besetzt sind. "Früher habe ich dazu eine Kamera am Teleskopstab benutzt. Die Kamera habe ich jetzt durch einen Schaumstoffball ersetzt: Dabei nutze ich aus, dass die Vögel bei Gefahr knackende Geräusche mit ihrem Schnabel erzeugen."
Mitte April dreht Meyer seine zweite Runde: Mit einem Kescher fängt er die brütenden Weibchen, beringt sie - und setzt sie zurück in den Kasten. "Noch nie ist ein Weibchen danach vom Gelege weggeflogen."
Trotz aller Bemühungen gehe die Anzahl der Käuze jedoch zurück. "2018 gab es null Brutpaare, in diesem Jahr immerhin wieder sechs. Die Nuller-Jahre hatten es durchschnittlich auf mehr als 20 Brautpaare gebracht, Rekord waren 38." Artenschwund könne man an vielen Stellen beobachten.
Die dritte "Nistkästen"-Runde steht an, wenn die jungen Käuze geschlüpft sind. "Dann muss ich zum Beringen mit der Leiter sechs, sieben Meter hoch oder noch mehr", sagt der 79-jährige Meyer.
Wie er berichtet haben die Tiere keine Angst. "Mich erinnern Sie an junge Katzen, die man knuddeln möchte. Kinder jedenfalls sind begeistert", sagt Meyer, der hofft, dass diese Begeisterung manchmal in lebenslanges Engagement für den Naturschutz münden möge.
Im Herbst reinigt Meyer seine Kästen - auch wenn sie von anderen bewohnt waren, vom Vogel Kleiber "verplombt" oder von Hornissen genutzt.
Meyer stammt aus Lottengrün bei Tirpersdorf und hat Handelskaufmann in Oelsnitz gelernt. Nach der Armee bis 1960 schulte er auf Werkzeugschleifer um - in Chemnitz. 1973 zog er der Liebe wegen nach Theuma und war in der Wema Plauen tätig. 1991 wechselte er zum Arbeiten nach Hof - bis 2000.
Meyer bezeichnet sich als Ornithologen, der sich für Botanik interessiert: "Pflanzen bestimmen den Lebensraum der Tiere." Im frühen Kindesalter war Meyers Liebe zur Natur erwacht - dank eines Lehrers, der den Wissensdurst des Jungen lenkte. "Später war ich mit anderen und alleine oft in der Natur unterwegs, ich habe mir einiges angelesen und eine Menge gelernt von verdienstvollen Leuten wie Kurt Schubert und Rolf Weber."
Ende der 1970er Jahre war Meyer Naturschutz-Helfer geworden, heute ist er einer von fünf Naturschutzbeauftragten im Vogtlandkreis - und verantwortlich für das Gebiet des Altkreises Auerbach. "Vor drei Jahren habe ich außerdem ,Reichenbach‘ übernommen; allein dort gibt es 40 Schutzgebiete." Wie Meyer berichtet, hatte er sich breitschlagen lassen, noch mehr Arbeit zu übernehmen. "Es fehlt an Nachwuchs. Die wenigen gehen lieber zur Feuerwehr, weil es dort mehr Action gibt - und was zu trinken." ufa

Naturschutzgebiete: Im Vogtlandkreis gibt es 41 Naturschutzgebiete mit insgesamt 2846 Hektar - 2 Prozent der Fläche des Vogtlandkreises. Das kleinste ist das NSG "Dreibächel" mit 1,4 Hektar, die größten das NSG "Großer Weidenteich" (409 Hektar) bzw. das landkreisübergreifende NSG "Großer Kranichsee" (608 Hektar - 200 im Vogtlandkreis und 409 im Erzgebirgskreis). Von besonderer Bedeutung sind NSG, welche neben Ihrer seltenen Flora und Fauna Funktionen des Biotopverbundes erfüllen. 4 Kreisnaturschutzbeauftragte und 69 Helfer kümmern sich unter Aufsicht der Unteren Naturschutzbehörde um die Naturschutzgebiete.