Der Jude mit dem Hakenkreuz

In seinem Buch "Der Jude mit dem Hakenkreuz" schildert Lorenz S. Beckhardt Leben und Schicksal von drei Generationen seiner Familie. Er stellte es in Plauen vor; eingeladen hatten die Freunde Plauens und die Landeszentrale für politische Bildung.

Plauen - Scheinbar beiläufig berichtete Lorenz S. Beckhardt am Freitag Ungeheuerliches; von den bereits im April 1933 in Deutschland beginnenden Judenboykotten, den abstrusen Nürnberger Gesetzen (die der spätere Chef des Bundeskanzleramtes Hans Globke kommentiert hatte) oder auch von der Ermordung sechs Millionen europäischer Juden durch biedere deutsche Familienväter, die ihrer "nationalen Pflicht genügten" und nur Befehlen gehorchten.

Im Mittelpunkt der Familiengeschichte steht Fritz Beckhardt, Großvater des Autors. Dieser war einer der höchstdekorierten Fliegerhelden des Ersten Weltkrieges und Jude. Sein Flugzeug versah er 1916 mit einem Hakenkreuz, damals für ihn ein indisches Glückssymbol; nicht ahnend, dass er und seine Familie unter diesem Zeichen größtes Leid erfahren würden.

Fritz Beckhardt musste 1934 sein gutgehendes Geschäft in Wiesbaden aufgeben. Da er ein Verhältnis mit seinem Dienstmädchen hatte, denunziert wurde, kam er "wegen Rassenschande" für fast zwei Jahre ins Gefängnis. Danach "Schutzhaft" im KZ Buchenwald, das er nur verlassen konnte, weil sich sein Kriegskamerad Hermann Göring für ihn einsetzte.

Kurt Beckhardt, sein Sohn (und Vater des Autors), kam als 12-Jähriger allein nach Großbritannien. 1939 nahmen die Engländer 10.000 jüdische Kinder auf, er und seine Schwester waren darunter. Auch Fritz Beckhardt und seine Frau gingen nach England. Ihre Eltern wurden ermordet. Fritz Beckhardt, seine Frau und Sohn Karl entschlossen sich nach dem Krieg, wieder nach Deutschland zurückzukehren; die Schwester bleibt in England.

Doch was die jüdische Familie im Wiesbaden des Nachkriegsdeutschlands der frühen 1950er Jahre erlebte, verschlägt einem die Sprache. Wieder werden ihnen die Fensterscheiben eingeschlagen, müssen sie hören, dass "Adolf sie nur vergessen habe". Auf den bundesdeutschen Ämtern erfahren sie von Beamten, die bereits im Nazireich Dienst taten, Ablehnung, Schikane und die unausrottbaren Vorurteile, die im Dritten Reich üblich waren.

Verbittert, verarmt und ohne je wieder heimisch geworden zu sein, stirbt Fritz Beckhardt. Sein Sohn Kurt gründete eine Familie, in der 1961 Lorenz zur Welt kommt. Sein Verdienst ist es, die Familiengeschichte recherchiert und aufgeschrieben zu haben.