Der Herr der (neuen) Ringe

Wer sich ein neues Auto zugelegt hat, gibt in der Regel im Kollegenkreis einen aus. Für Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer könnte das teuer werden. Ob der Neue umweltfreundlich ist, ob er seinen Autos Namen gibt und was man noch wissen sollte über das Fahrzeug mit dem Kennzeichen V-Pl 2019 - wir fragten mal nach.

Von Torsten Piontkowski

Plauen - Beginnen wir mit dem Kennzeichen. Ob man das als symbolische Verbeugung vor dem Landrat verstehen müsse? Quatsch - nein, sagt er natürlich nicht. Er empfinde diese Kombination als integrierend, sagt der OB, zumal das "V" als Einzelbuchstabe ja deutschlandweit doch was Besonderes sei. "Also das ‚V‘ für alle, das ‚Pl‘ als Bekenntnis zu meiner Stadt. Diese Kombination fahre ich übrigens auch privat." Und was fährt Oberdorfer privat? - Einen gebrauchten Mercedes Diesel, sieben Jahre alt. Was nichts anderes heißen dürfte, als dass er den monatelang schwelenden Streit zwischen Autoherstellern, Regierung und Betroffenen mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgen dürfte.
Als OB einer Stadt von gewisser Größe darf er sich übrigens - wie auch ein Landrat - jährlich über ein neues Dienstfahrzeug freuen. Wer glaubte, den vorherigen schwarzen Audi länger durch Plauen fahren gesehen zu haben, irrt. "Ich hab beim Wechsel nur die Farbe beibehalten", lacht Oberdorfer. Und bevor auf Facebook wieder eine Endlos-Diskussion über Sinn und Unsinn eines jährlich neuen Fahrzeuges "für die da oben" aufbrandet: Es gibt mit dem Autobauer aus Ingolstadt einen entsprechenden Leasing-Vertrag, der für die Kommunen sehr günstig gestaltet sei, sagt Oberdorfer. "Ich könnte mir auch ein ähnliches Fahrzeug eines anderen deutschen Herstellers aussuchen", fügt der Herr der (neuen) Ringe hinzu. Bis 35 000 Kilometer sitzt er jährlich hinterm Steuer des A 6, womit sich vermutlich auch die Frage beantwortet, weshalb er zwar nicht als Grüner, wohl aber umweltbewusster Mensch, nicht aufs Fahrrad steigt. "Ich trete schon auch mal in die Pedalen, aber das wär' mir dann persönlich doch zu viel", sagt der OB, der es schließlich auch relativ mühelos regelmäßig auf die Plauener Hütte im Zillertal schafft.
Und was die Umweltfreundlichkeit des fahrbaren Untersatzes selbst anbetrifft: "Der hat einen Hybridmotor, daher kostet er auch mehr als ein normaler Diesel. Das wiederum belastet auch mein Privatkonto." Die Erklärung: Der OB darf sein Dienstgefährt auch privat nutzen. Dafür muss er ein Prozent des Listenpreises zusätzlich versteuern. "Das gilt übrigens für alle Arbeitnehmer, die ein Dienstauto fahren und es privat nutzen möchten." Nachdem die Frage nach dem Fahrrad als Alternative geklärt ist bliebe zu fragen, wohin es den Vorgänger des neuen Silbergrauen verschlug. "Die weitesten Strecken waren Berlin, München, Ulm, Tschechien, wenn es in Sachen Euregio Egrensis was zu besprechen gab", so der OB. Hinten im Fond sieht man Oberdorfer übrigens höchst selten. Einen Chauffeur "gibt" der Stellenplan der Verwaltung zwar her, aber die Stelle ist nicht besetzt. Gibt es ganz wichtige Dinge zu erledigen, mietet er sich den Fahrer eines Taxiunternehmens - "der fährt mich dann in meinem Auto".
"Nee", lacht Oberdorfer, auf die für viele Autofahrer selbstverständlichste Frage der Welt. "Ich gebe meinen Autos keine Namen." Und nein, auch der Vierbeiner hat kein Anrecht auf den A 6. "Der fährt bei meiner Silke im Passat mit", erklärt Oberdorfer die Modalitäten zwischen Mensch und Tier. (Insider wollen übrigens auch wissen, dass die Erziehung des Rhodesian Ridgeback in der Hand seiner Lebensgefährtin liegt.)
Bliebe noch das Verhältnis des OB zu Knöllchen und Ordnungswidrigkeiten jedweder Art zu klären. "Herrje ich bin ein ganz normaler Autofahrer, das passiert mir genauso wie vielen anderen auch. So drei bis vier Knöllchen wegen Falschparken und Geschwindigkeit sammle ich schon im Jahr." Aber doch nicht etwa Punkte? Auch Punkte. "Ich war viele Jahre punktefrei unterwegs, aber im Vorjahr hat es mich auf der Fahrt nach Berlin auf der Höhe der Ortschaft Lederhose erwischt. Da war 130 angesagt und eigentlich weiß man gar nicht, weshalb. Mir ist es jedenfalls nicht aufgefallen", gibt er freimütig zu. Und da seit einiger Zeit bei acht Punkten Laufen angesagt ist: Möge sich der OB bei seinem Fahrstil an Stadtratssitzungen orientieren - da ist er auch kaum auf "180" zu bringen.