Der Härteste geht ins Wasser

6 Grad Luft-Temperatur, 10 Grad sind's im Wasser: Armin Strobel zuckt kein bisschen, als er ins Becken des Netzschkauer Freibades taucht - und anfängt zu schwimmen.

Netzschkau - Gestern eröffnete das Freibad die Saison - und Schwimmmeister Günter Claus begrüßte den 80-jährigen Armin Strobel als ersten Badegast. "Ich bin seit 34 Jahren Schwimmmeister in Netzschkau - Herr Strobel kommt jeden Tag und zieht seines Bahnen." 
Gestern beließ es der Senior bei 100 Metern, sonst legt er regelmäßig 900 Meter zurück. Claus: "Vom Startblock 1 auf der einen Seite zur Nr. 2 gegenüber, wieder zurück zur Nr. 3 und so weiter. Weil ein Startblock irgendwann fehlte, sind es am Ende nicht 1000 Meter geworden. Aber ich rate Herrn Strobel auch, bei kaltem Wasser nicht zu übertreiben."
Armin Strobel stammt aus dem Ortsteil Lambzig und hat Technischer Zeichner gelernt. "Doch den Beruf konnte ich wegen meiner Epilepsie-Erkrankung nicht ausüben. Und auch das Schwimmen war ein Problem - bis ich an den Mylauer Bademeister Rudolf ,Rudi' Bäßler geraten bin, der großes Verständnis für mich und meine Krankheit hatte: Bei ihm konnte ich unter besonderer Beobachtung ins Wasser und schwimmen." 
Nebenbei: Bäßler ist auch der "Vater" des Mylauer Eislaufsports, der bis heute für positive Schlagzeilen sorgt.
Im Jahr 1964 hat Strobel nochmal Glück, als er in einer Einrichtung der "v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel" bei Berlin behandelt wird. Bethel ist eine diakonische Einrichtung, in der Menschen mit Handicap betreut werden. Strobel gerät an eine Ärztin, die nach seinen Worten eine 90-prozentige Erfolgsquote vorweisen kann in der Behandlung von Epilepsie. "Nach der Behandlung habe ich in Reichenbach als Verkaufsstellen-Hilfe gearbeitet, zum Beispiel im Transport."
Und er geht regelmäßig ins Netzschkauer Freibad - bei jedem Wetter. Die niedrigste Wassertemperatur habe vor etlichen Jahren bei 9 Grad gelegen - gestern waren es 10. Laut Schwimmmeister Claus gibt es eine Handvoll weiterer solch unentwegter Badegäste im Rentenalter, die er für Nachmittag erwartete. Sie kaufen gleich am ersten Tag ihre Jahreskarte für 40 Euro und schwimmen ein paar Bahnen. Ich selbst bevorzuge Temperaturen um 20 Grad", sagt der durchtrainierte 59-Jährige.
Das Netzschkauer Freibad wird vom Limbach gespeist und hat die größte Wasserfläche aller vogtländischen Freibäder.
Claus zufolge hat sich der 15. Mai als Eröffnungstermin des Netzschkauer Bades eingebürgert. "Im milderen Berlin geht es am 1. Mai los, in Klingenthal, wo es rauer ist, erst am 1. Juni." ufa