Der gute Weihnachtsmann

Volker Steps ist ein Engel für Kinder, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens leben: Der 58-Jährige krönt heute die Bescherung im Reichenbacher "Leuchtturm". An seiner Seite? Ein Engel.

Reichenbach/Netzschkau - "Ich bin eher der liebe Weihnachtsmann. Ich sage zwar mal - wenn gewünscht - ein ernstes Wort. Aber böse und grimmig, das kann ich nicht", sagt Volker Steps, der heute mit Engel Tina die Kinder des "Leuchtturms" beschert, eines christlichen Vereins für soziale Hilfe. Nach dem Festessen für alle, beginnt der Einsatz.
Die leuchtenden Kinderaugen sind nach den Worten von "Weihnachtsmann" Steps der größte Lohn. "Die Kinder haben sich akribisch vorbereitet und geben sich alle Mühe - obwohl es manchem schwerfällt. Das sind keine 0-8-15-Auftritte wie oft auf Weihnachtsmärkten, wo Kinder die Standards runter leiern."
Steps ist Ur-Netzschkauer und hat wie seine drei Brüder als Kind selbst einschlägige Erfahrungen gesammelt: "Zu uns kam der Rupperich im dunklen Mantel, Ketten rasselnd und respekteinflößend. Später haben wir mitbekommen, dass hinter der Maske wechselweise ein Onkel und eine Tante steckten."
Wann war sein erstes Mal als Weihnachtsmann? "1982 frage mich ein Arbeitskollege wegen seiner Kinder und stattete mich mit einem Kostüm aus. Augenscheinlich habe ich eine gute Figur gemacht. Auch war ich lange ledig und hatte an Heiligabend keine Verpflichtungen."
So kam es, dass Verwandte, Freunde und Bekannte den Weihnachtsmann bis Ende der 80er Jahre immer öfter anforderten. "Ich habe bis zu 15 Bescherungen am 24. Dezember geschafft - aber nur, weil mich mein Bruder mit dem Skoda gefahren hat."
Nach der Wende kümmerte sich Steps um die Kinder in seiner eigenen fünfköpfigen Familie - "und für ganz, ganz liebe Bekannte war ich auch im Einsatz".
Vor gut 20 Jahren kam die Idee auf, dass der von Schlossförderverein, Stadt und Gewerbeverein vor dem Schloss organisierte Weihnachtsmarkt in Netzschkau einen Weihnachtsmann braucht. "So kam ich ins Spiel und bin im Einsatz: erst solo, seit ein paar Jahren gemeinsam mit einem Engel." Dieser Engel heißt Tina Hösel und ist vielen bekannt als Tina I., als Königin der Städtepartnerschaft Netzschkau/Rossbach vor der Höhe.
Eigentlich hätte Steps auf dem Weihnachtsmarkt genug andere Dinge zu tun, als Kinder singen und Gedichte aufsagen zu lassen; als Vorsitzender des Schlossfördervereins kennt er sich bestens aus mit dem Wahrzeichen der Stadt: "Aber ich kann mich nicht teilen - und das mit den Kindern ist mir sehr wichtig."
Genau wie heute, wenn er im "Leuchtturm" im ehrenamtlichen Einsatz ist. Übrigens sind seine Frau und der älteste Sohn auch dabei: Sie berichten als Journalisten. "Und danach gehen wir zu unserer eigenen Bescherung", berichtet Steps, der die Hersteller der Weihnachtsmann-Masken kritisiert: Die Halte-Gummis drücken an der Nase.
Könnte er nicht seinen Bart wachsen lassen - und das Problem wäre gelöst? "Das hat einer Person nicht gefallen - und die hat einiges zu sagen in meinem Leben. Aber nächstes Jahr probiere ich es erneut." ufa