"Der Glanz der Vergeblichkeit"

Mit einer außergewöhnlichen Poesie von Liedtexten, verhüllt in feinsinnige musikalische Klangfarben am Klavier erfreute der Berliner Chansonnier und Liedermacher Sebastian Krämer im König Albert Theater.

Von Steffen Adler

Bad Elster "Na Sie haben sich ja gut verteilt. Sie können gern ganz nach vorn kommen, dann sieht es für mich so aus, als wäre jemand da", bewies der Pianist im Hinblick auf leider nur sehr wenige Zuschauer gleich zu Beginn viel Sinn für Humor. Auf ebenso heitere Weise präsentierte er in seinem Programm "Im Glanz der Vergeblichkeit" vergnügte Elegien mit viel erfrischendem und spielerischem Wortwitz, der vorwiegend in ironischen Geschichten seiner kuriosen Chansons und Balladen schnell die Gunst des Publikums fand. Zur Seite stand ihm dabei die junge Musikerin Tanja-Maria Hirschmüller, musikalisch begleitend mit Altblockflöte, Klarinette und Saxophon. "Mit was soll man das noch steigern?", kommentierte der mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete Künstler sein Stück von der vergessenen "Puppi Duppi", welche die Nacht im Garten verbracht und seitdem nie wieder gelacht hat. Natürlich beantwortete der Entertainer seine Frage selbst unter anderen mit dem kaum endend wollenden "Chanson d'Aventure", in dem er davon erzählt, wie er in die Welt zieht, um widerwillig einen Drachen zu erlegen. Aus den Reihen der Zuschauer begehrt er einen kräftigen weiblichen und männlichen Backroundchor bei seinem Blick aus dem Fenster und den Geräuschen aus den Nachbarwohnungen im balladenhaften "Wir müssen raus" und der ironischen Pointe: "Wir müssen raus - wir kaufen ein Haus". Von Inspirationen aus Musestunden und Beobachtungen im Alltag schöpft er als Liedermacher, so auch bei seinem himmlischen Song über eine Grundschulklasse "Im Planetarium" oder "Immer schon vorher wissen wollen" wie das Wetter wird, wie der Urlaub wird, wer der Mörder im Krimi ist oder wer die Wahrheit verkündet. Mit einem hellen Licht in bizarrer Dunkelheit entzaubert er auch "Dolo" in seinem Song über "Dolores Medea Asil" die er nach vielen Jahren im Bus mit zwei quirligen Kindern wiedersieht und feststellt: "Früher wolltest du alles, jetzt wird dir alles zu viel." Viel Raum gibt Sebastian Krämer dann auch der Kunst mit seiner Hommage "Der Buchleser" an den Künstler Ernst Barlach und seiner Skulptur "Lesender Klosterschüler", die Zuschauer Gregor optisch verkörpern durfte. Für weitere Höhepunkte sorgten das sich selbst in versfreier Prosa ansagende Lied "Schikiwiki" und das im berlinerischen Gassenhauerstil dargebotenen Stimmungslied "Da fehlt noch Salz am Honigkuchenpferd".