Der Geruch der Bohne macht Lust

Kaffee ist für den Wahl-Plauener Jim Tibbitts absolute Leidenschaft. In Schöneck hat er eine Schaurösterei. Dort kann man ihm beim Rösten zuschauen und dabei eine seiner Röstungen frisch gebrüht genießen.

Von Stephanie Rössel

Plauen/Schöneck In Seattle hat Jim Tibbitts gelebt. Kaffee rösten war sein Hobby. Gelernt hat er es dort, wo die Wiege von Starbucks ist. Beruflich war die sogenannte Gamesindustrie sein Steckenpferd. Grafikdesign liegt ihm. Seine Frau Kathrin, die gebürtige Vogtländerin ist und aus Bad Elster stammt, hat er in seiner Heimat kennengelernt. Sieben Jahre hat sie mit ihm dort gelebt, dann zogen sie für fünf Jahre nach Berlin. Irgendwann fiel die Entscheidung wieder ins Vogtland zu gehen und nach Plauen zu ziehen. Schon in Amerika drehte sich viel um Kaffee. Dort vertrieben beide "Marley Coffee", hinter dem tatsächlich Bob Marley steckt.
Im Vogtland entdeckte Kathrin, die im Vertrieb arbeitet, eine Stellenanzeige der Firma GK Software in Schöneck. Das bekannte Unternehmen suchte einen Kaffeeröster, da Mitbegründer und Vorstandsvorsitzender Rainer Gläß nach amerikanischem Vorbild das Rösten und den Ausschank von eigenem Kaffee verwirklichen wollte.
Inzwischen wird nicht nur in der Firma für alle Mitarbeiter der vor Ort geröstete Kaffee ausgeschenkt, sondern auf dem Gelände davor steht das Café Campus. Der Pächter, Christian Volland, kam von Starbucks in Dresden ins Vogtland und betreibt das Café das auch Cocktailbar und Sushi-Restaurant ist. Durch eine riesige Scheibe fällt der Blick direkt auf die Röstmaschine. In großen Buchstaben steht an der Wand "Jimbo Coffee Kaffeerösterei".
"Für ein kontrolliertes, optimales Geschmacksergebnis röste ich im traditionellen und handwerklichen Trommelröstverfahren nach strengen Qualitätsgrundsätzen. Im Gegensatz zum industriellen Verfahren, bei dem die Bohnen nur maximal fünf Minuten lang bei 400 °C bis 500 °C geröstet werden, veredle ich die Kaffeebohnen in unserem Trommelröster schonend bei maximal 220 °C nur so lange, bis sich die natürlichen Aromen des Kaffees voll entfaltet haben. Dadurch erhalten wir ein klares und reines Ergebnis in der Tasse, ohne unerwünschte Aromen oder Säuren, die durch das Rösten selbst entstehen können. Das Ziel jeder Röstung ist Süße, Ausgewogenheit und Komplexität im Geschmack", sagt Tibbitts.
Gekauft werden nur hochwertige Bohnen, jene, die sich Spezialkaffee" nennen dürfen. Verschieden Sorten gehören zum Grundsortiment. Für die GK wurden Espresso und Café Crema von einer Fachfrau im Vorfeld kreiert. Ein gutes Dutzend Sorten ist aktuell im Shop erhältlich. Jim Tibbitts Stärke ist das Rösten, die Flexibilität bei den Verpackungen und eine starke Frau neben sich, die sich in Sachen Vertrieb bestens auskennt. In verschiedenen Abpackungsgrößen steht der Kaffee unter den Eigenmarke Jimbo Coffee im Regal. Vor der Scheiben, steht auf den Packungen Café Campus und auch andere Gastronomen sind inzwischen auf den Geschnack gekommen. "Wir branden für jeden der das möchte. Jim röstet und entwirft die Schilder auf den Verpackungen", sagt Kathrin Tibbitts, die auch die Mutter seiner Kinder ist.
Zu den Kunden, die seinen Kaffee mit ihrem Namen verkaufen gehören das Café Albert in Bad Elster, ein ebenfalls dort ansässiger Bioladen sowie auch das Schönecker Tannenhaus.
Sogar der Laie sieht beim Blick auf die Bohnen, wie gleichmäßig diese sind und wie sie glänzen. Ein Qualitätsmerkmal. Ganz unabhängig von dem Geruch, der unglaubliche Lust auf das schwarze, so beliebte Getränk macht.
Das Ehepaar hat in Sachen Kaffee übrigens ganz unterschiedliche Geschmäcker. Ein Grund, immer mal wieder neue Sorten auszuprobieren. So etwa zwei pro Jahr sind das im Schnitt. Dabei gibt es riesen Unterschiede auch bei der Verträglichkeit. Doch das entscheidet am Ende jeder Konsument ganz allein für sich.
www.jimbo-coffee.com/