Der Froschkönig am Faden

Beifall von Groß und Klein erhielten gestern Bettina und Johannes Fischer: Mit ihrem Marionetten-Theater führten sie das Grimm'sche Märchen im Barocksaal von Burg Mylau auf.

Mylau - Das Ehepaar Fischer (und ihre Puppen) ist gewissermaßen Stammgast des Puppenspielfestes auf dem Wahrzeichen des Reichenbacher Ortsteils; derzeit läuft die 26. Ausgabe. "Wir  waren schon mindestens elfmal dabei", sagt Johannes Fischer, der dankbar an den im Jahr 2011 leider verstorbenen Museumsdirektor Andreas Raithel erinnert, der das Puppenspielfest aus der Taufe gehoben hatte; heute führt der Förderverein "Burg Mylau" die Tradition weiter. 
In diesem Jahr gastieren an neun Tagen (noch bis Sonntag, 24. Februar) sechs Puppenbühnen mit acht Stücken und zehn Vorstellungen - gestern zeigten Fischers aus Frankenberg bei Chemnitz den "Froschkönig".
Bei ihrem Marionetten-Theater handelt es sich um eine mobile Bühne ohne feste Spielstätte, die meist in Sachsen unterwegs ist, aber auch in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg. "Seit der Wende 1989 haben wir uns einen festen Kundenstamm erarbeitet - in Schulen und Kitas, in Seniorenheimen und Einrichtungen für Menschen mit Handicap", erklärt Fischer. "Öffentliche Veranstaltungen machen wir kaum - im Gegensatz zu Uwe Dombrowskys Traditionellem Marionettentheater, der Bühne meines Schwagers aus Nobitz bei Altenburg."
Der Ur-Ur-Großvater hatte die Puppenspieltradition der Familie begründet - 1900. 
Wie Fischer im Gespräch mit dem Vogtland-Anzeiger berichtet, gab es im 19. Jahrhundert wohl 200 Wanderbühnen in Mitteldeutschland - nach zwei Weltkriegen und der Erfindung des Kinos waren es nach seinen Worten noch 60 in Ostdeutschland. Ende der DDR zählte man noch vier Ensembles - das 1985 gegründete Fischer's Marionetten-Theater gehört dazu. Bettina (Krankenschwester) und Johannes (Buchdrucker) Fischer hatten bürgerliche Berufe gelernt - "aber wir wussten von Anfang an, dass wir Puppenspieler werden wollten", sagt Fischer. ufa