Der Deutsche Orden im Vogtland

In vielen Orten des Vogtlandes in Sachsen, Thüringen, Böhmen und Bayern künden Burgen, Ruinen und sogar Schlösser von den frühen Zeiten der Besiedlung. Die Vögte von Weida und der Deutsche Orden spielten dabei eine entscheidende Rolle. Dieser widmet sich die zweite Ausstellung zum "Kulturweg der Vögte", die Donnerstagabend im Konventgebäude des Komturhofes eröffnet wurde.

Von Ingo Eckardt

Plauen - Der Rahmen stimmte, im stimmungsvollen Ambiente des Komturhofes, unterstützt durch ein riesiges weißes Segel, das durch das Gebäude gezogen war, wurde im Beisein vieler "Player" des Projektes "Kulturweg der Vögte" die zweite Ausstellung eröffnet. Sie befasst sich intensiv mit der Rolle des Deutschen Ordens, seiner Prägung und seinen Handlungen im Sinne der Entwicklung der Region. Unter der fachlichen Regie von Prof. Dr. Christoph Fasbender vom Lehrstuhl für Deutsche Literatur- und Sprachgeschichte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit der TU Chemnitz wird das Projekt federführend vom Futurum-Verein Vogtland auf Burg Mylau umgesetzt. Beteiligt sind zudem neben der Stadt Plauen auch weitere Kommunen, die Euregio Egrensis und dazu jede Menge Museen in Tschechien, Bayern, Sachsen und Thüringen.
Auf mehr als einem halben Dutzend "Roll-Ups", die zur Eröffnung auf der Bühne präsentiert wurden, werden ganz verschiedene Geschichten erzählt.
Nach der musikalischen Begrüßung durch die junge Plauener Konservatoriums-Gitarristin Jule Köhler, die gemeinsam mit ihrer Gitarrenlehrerin Frau Müller musizierte, begrüßte der Verein die Besucher. Dabei verwies man auf die besondere wissenschaftliche Tiefe der Ausstellung, die trotzdem auch eine breite Masse an Besuchern interessieren dürfte. Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer lobte die akribische Arbeit des Teams um Christoph Fasbender, die durch intensive Recherche jede Menge neue Informationen generieren konnte. Und er erinnerte daran, dass die Veranstaltungsstätte in Plauen nur durch die große Unterstützung der Fördermittelgeber heute eine solche Ausstellung beherbergen könne.
Den fachlichen Part ließ sich Prof. Fasbender natürlich nicht nehmen und klärte die Besucher der Eröffnung auf, was es denn nun mit dem Segel auf sich habe. Dieses Segel sei ein Symbol für die das Wirken der Deutschordensmänner gewesen. Denn bei einer Schlacht unter südlicher Sonne seien Verwundete - wie damals üblich - unter freiem Himmel behandelt und versorgt worden. Die Deutschritter waren es, die ein Segel ihres Schiffes "opferten" und über das Freiluft-Lazarett spannten, um die Verwundeten vor den Witterungseinflüssen zu schützen. So steht das Segel heute für die Mildtätigkeit des Tuns der Ritter des Deutschen Ordens. Er ging auch auf einige Schauplätze ein, an denen der Deutsche Orden im Vogtland Spuren hinterlasssen hat, die bis heute sichtbar sind.
Am Ende erlebten die Gäste noch eine spannende Vorpremiere - einen Trailer geradezu. Kinder des "Futurums" präsentierten einen kleinen Ausschnitt aus dem Theaterstück "Die Vögte von Weida", das sie gemeinsam mit Luca Kirchberger erarbeitet haben. Eine heute in Leipzig aufbewahrte Handschrift überliefert die mittelalterliche Schauernovelle. Auf den ersten Blick unterscheidet sie sich nicht wirklich von den bekannten Erzählungen um berühmte Ritter und furchtlose Helden. Doch der Schein des Titels trügt. Inhaltlich geht es in der Novelle um ein sehr mutiges junges Mädchen, das ihren beim König in Ungnade gefallenen Vater aus dem Kerker befreien muss. Dabei scheut sie weder davor, die bestehenden Frauen- und Männerklischees umzukrempeln, noch der furchteinflößenden Aufgabe entgegenzusehen, ein seit Jahrzehnten verfluchtes Kloster von den darin hausenden Geistern zu befreien. Das Stück kann man erstmals am kommenden Mittwoch in voller Länge erleben, aber schon der erste Einblick gefiel den Besuchern außerordentlich gut.