Der Bühnentischler vom Theater Plauen-Zwickau

Plauen/Zwickau - "Umgefallen?!" Lautes Lachen hallt durch die Werkstatt. Es schließt sich der Antwort auf die Frage an, ob denn ein Bühnenbild schon mal baden gegangen sei. "Nein, nein, auch nicht baden. Dafür gibts entsprechende Holzsorten."

 

Der Schleifer heult wieder auf. Weitere Phasen werden geglättet. Etwas mit Holz machen war schon immer die Welt des Ron Kretzschmar. Der überwiegende Teil der Theaterbesucher konzentriere sich aber eher auf das Dargebotene auf der Bühne, weiß der "Kulissenzauberer".

"Ohne uns könnten die Schauspieler und Sänger aber auch auf der Straße spielen." Kretzschmar bezieht dabei alle "im Hintergrund Tätigen" ein. Der 35-Jährige ist Bühnentischler im Theater Plauen-Zwickau. Er baut mit seinem Kollegen Thomas Neubert "das Umfeld des Geschehens".

Über die Bezeichnung Pappmaché kann er nur lachen. "Das ist alles solide Holz- und Handarbeit. Und es gibt nichts, was nicht gebaut werden kann." Ob nun ein Krokodil, ein Elefant, Säulen, Fassaden, eben so das Übliche, sieht der sich der "Holzwurm" in seinem Element. Der Hobbygärtner wollte eigentlich mal studieren - Kunst. "Na ja, nun bin ich ja auch irgendwie bei der Kunst gelandet, fabriziere sogar ab und an welche. Zumindest kann ich meine Kreativität meist ausleben." Der gelernte Zimmermann sieht sich in seiner Arbeit befriedigt, wenn er anhand einer Zeichnung, manchmal nur einer vagen Vorstellung des Regisseurs, losbasteln kann. Schwierig werde es bei Schauspielen. Da komme es auf Kleinigkeiten an. Die gefertigten Teile seien dort oft handlungstragend. In solchen Fällen steht ihm der gelernte Bau- und Möbeltischler Thomas Neubert zur Seite.

"Wir bauen alles, freuen uns, wenn es gelungen ist und funktioniert." Besondere Erinnerungen hängen an Peter Pan, Titanic, Ritter Runkel, Rocky Horror Picture Show, Lollipop, Schneekönigin oder Jim Knopf, nennt Neubert die Favoriten von beiden. Wieder anderes gebe es bei Open-air-Veranstaltungen zu beachten - nämlich den Wind und völlig andere Sichtfelder für die Zuschauer, weiß der gebürtige Plauener. "Egal, was gebaut wird - es muss von allen Seiten schön aussehen. Da kann nur sehr wenig getrickst werden." Dazu kämen noch besondere Tragfähigkeit, Sicherheit und leichter Transport. Traurig, dass fast ausnahmslos alles an Deko nicht im Fundus landet. Kein Platz ist die eindeutige Antwort. "Die werden auch nicht weggegeben oder verkauft."

Beide freuen sich schon auf "My fair Lady". Da gebe es echt was zu friemeln, rollende Wagenwände, tolle Fassaden. Doch auch "In 80 Tagen um die Welt" für die Freilichtbühne in Zwickau und später im Plauener Stadtpark hielten tolle Herausforderungen parat.. "Die Gangway, eine große Esse, ein Fünfmeterloch für die Eindrücke aus aller Welt, eine Wand, auf dem ein Schiff fährt", zählt Kretzschmar auf. "Lass die Leute doch sehen und staunen, was wir so fabriziert haben", unterbricht ihn Neubert. "Beste Gelegenheit, die Zuschauer neugierig auf vorbereitende und begleitende Arbeiten eines Theaterstückes zu machen."

Dann also aufmerksam das Bühnenbild bei dieser oder anderen Aufführungen in Augenschein genommen und im Bewusstsein dessen den "stummen Künstlern" einen Teil des Applauses zugedacht. uhe