Der beste Nichtberufsmusiker der Welt

"14.00-16.30 Uhr CD-Aufnahmen Fraas/Pfohl" - so stand es dieser Tage lapidar im Dienstplan der Vogtland Philharmonie. Nichts Weltbewegendes für die Musiker - an die 20 CD?s hat die Philharmonie schon aufgenommen, zehn sind im aktuellen Angebot zu haben, die jüngste "Sounds of Hollywood", ein echtes Highlight, geht weg wie warme Semmeln. Doch dieses Pfohl-Projekt, ähnlich den Privataufnahmen des Zwickauer Komponisten Paul Eberhard Kreisel, hat eine interessante Geschichte.

  Jurist als Violinvirtuose   Gerhard Pfohl ist von Haus aus promovierter Jurist und leitet das Sozialreferat des Landkreises Neumark bei Nürnberg mit großem Engagement. Seine Popularität im Raum Nürnberg verdankt er indes nicht nur seiner erfolgreichen Arbeit auf sozialpolitischem Gebiet - er ist hier auch als Dozent und Autor gefragt. Erlangte er 2004 große Aufmerksamkeit mit seinem Buch "Geschichtlichkeit der Auferstehung Christi" - einer historisch-juristischen Tatsachenprüfung, so war er Jahrzehnte zuvor bereits bekannt als Violinvirtuose.

  Musische Begabung als Hobby   Mit der Geige aufgewachsen, machte er seine musische Begabung nicht zum Beruf, sondern zum Hobby mit Berufung : Er besuchte viele Jahre als Gaststudent das Nürnberger Konservatorium, belegte im Violinfach Meisterkurse und machte sich bald mit Konzerten und Einspielungen als ausgewiesener Künstler einen Namen. Sein musisches Engagement reicht jedoch weiter bis hin zu einer verdienstvollen Arbeit als agiler Kunstmanager: Es gelang ihm, im Neumarkter Kloster St. Josef ein Studienzentrum der Musikhochschule Nürnberg im zu etablieren, dessen Leiter er heute ist. Für hier stattfindende Meisterkurse, Konzerte und CD-Aufnahmen wird der ob seiner ungewöhnlichen Akustik gerühmten Neumarkter Reitstadl genutzt, ein Konzertsaal von europäischer Bedeutung, in dem mittlerweile auch bereits die Vogtland Philharmonie 2008/09 mit zwei Aufsehen erregenden Neujahrskonzerten auftrat.

 

Der Tipp eines Freundes, im Vogtland gäbe es ein rühriges und erstaunlich leistungsfähiges Orchester, brachte Gerhard Pfohl mit der Vogtland Philharmonie in Berührung und auf die Idee, mit diesem Ensemble zwei Konzertprojekte in Angriff zu nehmen. Stand vor drei Jahren bereits der Finalsatz aus dem Violinkonzert e-Moll von Mendelssohn Bartholdy auf dem Programm, so war es diesmal der Schlusssatz des Tschaikowski?schen Violinkonzertes D-Dur. Gerhard Pfohl kam mit einer echten Guadagnini-Violine, ein Instrument aus der letzten, reifsten Phase des Turiner Geigenbaumeisters Battista Guadagnini (1711-1786), zu den Aufnahmen ins Reichenbacher Neuberinhaus - das heute etwa eine Million Euro teure Instrument wurde ihm als "bestem Nichtberufsmusiker der Welt" von einem Gönner zur Verfügung gestellt.

  "Er ist ein echter Profi"   GMD Stefan Fraas, dem die Stabführung oblag, war nach der Aufnahme voll des Lobes über seinen Solisten: "Er ist ein echter Profi. Es ging so gut, dass wir sogar noch den zweiten Satz dieses herrlichen Konzertes einspielen konnten." Die fruchtbare Zusammenarbeit mit Gerhard Pfohl und dem Neumarkter Musikzentrum wird bereits in diesem Jahr fortgesetzt: Für den 10. Juni ist die Vogtland Philharmonie zu einem Gala-Konzert mit dem berühmten Bayreuth-Wagner-Tenor Siegfried Jerusalem in den Reitstadl eingeladen. veho