Der Barbier der gute Laune verbreitet

Sie wurzelt in der italienischen Stegreifkomödie (Commedia dell'arte), die 1816 in Rom uraufgeführte grandiose Opera buffa "Der Barbier von Sevilla" von Gioacchino Rossini, die am Samstag Premiere im Vogtlandtheater feierte.

Der am 29. Februar 1792 in Pesaro geborene Rossini wird zunächst von seinem Vater musikalisch unterrichtet. 1806 beginnt er sein Studium in Bologna und bekommt bereits 1810 seinen ersten Opernauftrag, dem in rasantem Tempo weitere, erfolgreiche Werke folgen. Durchweg war sein Schaffensdrang von Können, Glück und Triumph gepflastert. Hoch geehrt stirbt Rossini im November 1868 in Passy bei Paris.

Rossini - liebevoll "Der Schwan von Pesaro" genannt - war der Virtuose unter den Komponisten der Romantik. Seine Neigung gehörte der Wiener Klassik, insbesondere den Opern Mozarts. Abgesehen von den etwas unglücklichen Geburtswehen des "Barbier von Sevilla" gehört auch diese Commedia in zwei Akten (eine von seinen 15 Buffo-Opern) zu den Glanzstücken der Opernliteratur.

Köstliche, kunstfertige Arien und Ensembleszenen, ergötzliche Parlandi, auf die Spitze getriebene Situationskomik, musikalischer Humor und sprühende Lebendigkeit zeichnen diese Oper (und all seine Buffo-Opern) aus. Dafür entfallen die gesellschaftlich politischen Anspielungen von Beaumarchais im Sujet des Librettisten Cesare Sterbini weitgehend.

Die Plauener Premiere des "Barbiere" hatte - nach gesundheitsbedingtem Ausfall von Raphael Wittmer, dem Grafen Almaviva - genau zwei Möglichkeiten: Mit Ersatz zu spielen oder abgesagt zu werden. Die Regie wählte die erste Variante und diese in ganz besonderer Fassung.

Der kurzfristig einspringende "Almaviva", Xiaotong Han, beherrschte zwar die Rolle in deutscher Sprache, ihn gleichwohl in die Inszenierung zu integrieren war in der Kürze der Zeit nicht möglich. Flexibel und kurz entschlossen übernahm die Regisseurin Arila Siegert spielsicher und spritzig den mimischen Bühnenpart des Almaviva und der Gast lieh ihr beziehungsweise ihm seine Stimme aus der Kulisse - ein Kompromiss, der hervorragend gelang, die Premiere rettete und die Komik des Stückes noch steigerte - hiermit ein großer Dank an die Regie!

Die größte Zustimmung des Abends konnten drei Herren für sich verbuchen. Shin Taniguchi, der wunderbare Bass-Bariton, ließ auch als Figaro mit Spiel und Stimme Herzen schmelzen.

Der Bariton Hinrich Horn als Bartolo (er war als lüsternes, geldgieriges Ekelpaket zu attraktiv) überzeugte mit gut sitzenden Koloraturen und gekonnten Parlandi und Martin Scheepers zügelte als Basilio seinen Riesen-Bass in der Verleumdungsarie zum Lüftchen oder - wenn nötig - füllte er den Raum mit großen Tönen. Die Rolle der Rosina sang Uta Simone und die Haushälterin des Bartolo, Marzelline, übernahm Judith Schubert.

Prickelnd und Rossini gemäß musizierte das Orchester unter der Leitung von GMD Lutz de Veer, mustergültig und mitreißend erklangen die überaus schwierigen, voluminösen Ensembleszenen (Chorleitung: Friedemann Schulz) und das wohldurchdachte Bühnenbild (Ausstattung: Dieter Klaß) wird beherrscht von einer Art beweglichem Guckkasten, flexiblen Leitern und einem Bankautomaten mit überaus witzigem Mechanismus - ein Rossini, der gute Laune bereitet.