Den Gedanken freien Lauf lassen

Zum wiederholten Mal haben sich rund zwei Dutzend interessierte Diesterweg-Gymnasiasten an einem Workshop beteiligt, in dem sie die Geheimnisse des lyrischen Genres "Poetry Slam" erkunden und sich selbst entsprechend ausprobieren konnten.

Von Ingo Eckardt

Plauen  Es ist erstaunlich, dass 17 der Teilnehmer am Ende den Mut aufgebracht haben, ihre literarischen Werke einem großen Publikum bei der Abschluss-Präsentation vorzutragen", schätzt Deutschlehrerin Angelika Ulbricht ein, die gemeinsam mit ihren Kolleginnen Hannelore Schreyer und Ulrike Martin die Verantwortung für den Workshop übernahm. Zwei Tage lang hatten die bekannten Poetry Slammer Dominik Bartels und Sebastian Fischer mit den Schülern gearbeitet. Unterstützt wurde der Workshop durch die Landeszentrale für politische Bildung.
"Hintergrund ist es bei diesen Workshops, den Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, ein besonderes literarisches Genre kennenzulernen und sich von einer anderen Ebene der deutschen Sprache zu nähern. Gleichzeitig ist dieser Workshop eine gute Gelegenheit, das Selbstbewusstsein zu stärken.
Deshalb haben die Workshop-Leiter auch großen Wert darauf gelegt, dass die Veranstaltungen ganz ohne das Beisein der Lehrer stattfand.
So konnten die Schüler gänzlich ihren Gedanken freien Lauf lassen", so Angelika Ulbricht. Sie war am Mittwochabend ebenso erstaunt, wie ihre Lehrerkollegen, welche lustigen, nachdenklichen, hintergründigen, teilweise sogar harten Worte von den Acht- bis Elftklässlern kunstvoll zusammengefügt präsentiert wurden. Eine sechsköpfige, zufällig ausgewählte Publikumsjury bewertete die Vorträge, wobei die höchste und niedrigste Benotung gestrichen wurde. Am Ende gab es gleich drei Gewinner, die jeweils die volle Punktzahl von vierzig ergattern konnten. Vierzig Punkte gab es für Felix Rauca, der über das eigene Denken und das der anderen sinnierte und in dem Credo gipfelte, wie einfach es doch Tiere hätten. Cate Brand aus der Klasse 8c und Claire Schmiedel (Klasse 9a) heimsten ebenfalls die volle Punktzahl ein.
Mannigfaltige, teils nachdenkliche Vorträge konnten die Besucher hören - alle wurden mit reichlich Applaus bedacht. So sprach Yael Körner sehr lyrisch über die eigene Wertlosigkeit. Lustig wurde es bei Emely Köcher, die mit einem Augenzwinkern über das Thema Menstruation erzählte.
Ob es gut oder schlecht sei, die Periode zu haben und das Einführen eines Tampons bis zu modernen Erfindungen wie Menstruationstassen reichte das abgedeckte literarische Spektrum.