Demokratie zum Be-Greifen

Neun Achtklässler der Trias Oberschule Elsterberg zeigten am Freitag im Malzhaus eine szenische Lesung über die Zeit der Wende 1989. In dem von ihnen geschriebenen Stück verarbeiteten sie Erzählungen von Eltern und Großeltern.

Von Gabi Kertscher

Plauen Es handelt sich um eine authentische Wiedergabe der Ereignisse rund um den 7. Oktober vor 30 Jahren in Plauen. Die Kinder stellten dar, wie das Leben in der DDR durch die Stasi überwacht wurde. Bereits in der Schule begann das Bespitzeln. Allein das Zeigen einer Ansichtskarte aus Hamburg war für einige Lehrer ein Verweisgrund. Es wurden die Kontrollen der "Westpost" an DDR-Bürger dargestellt und Erklärungen abgegeben, was die "Mauer" bedeutete. Die jungen Darsteller hatten aufmerksam zugehört, wenn ihre Eltern über die Arbeit der Stasi erzählten. Viele Erlebnisse waren den älteren Gästen noch bekannt. Im Publikum saßen überwiegend Schüler der beiden 8. Klassen der Rückert-Oberschule Plauen. Man habe zwar das Thema nicht behandelt, aber es wird auf alle Fälle in den Gesprächsrunden einen Platz finden, ließ eine Lehrerin wissen.
Die Teenager im Publikum hörten aufmerksam zu, als sie von der Flucht eines jungen Mannes hörten, der als Soldat über Tschechien flüchten wollte. Er wurde festgesetzt und zu mehreren Jahren Militärhaft in Schwedt verurteilt. Kurz vor der Wende wurde er in die BRD entlassen. Im Stück wurde mehrfach angesprochen, dass über solche Prozesse Stillschweigen herrschte. Die neun jungen Schauspieler ließen ihr Stück mit dem Vergleich zum Heute enden. Freya sprach von der Deutschen Einheit als ein Geschenk, und dass sie auf die selbsterkämpfte Freiheit besonders stolz sei.
Die Jugendlichen sprachen aber auch von ihrer Angst, dass wieder Menschen das Land regieren könnten, die nicht das Beste für die Menschheit wollen. Amy forderte: "Je besser wir Diktatur begreifen, umso besser können wir die Demokratie gestalten. Ein riesiger Luftballon mit der Aufschrift "DEMOKRATIE" wurde von allen Darstellern gemeinsam auf die Bühne getragen und dem Publikum zugeworfen. Während des Stückes gab es Musikeinspielungen und im Hintergrund wurden Originalaufnahmen von den Demos in Plauen gezeigt.
Im Anschluss konnten die jungen Leute Zeitzeugen befragen. Diana Zierold, Steffen Unglaub und Alexander Müller stellten sich den Fragen. Auch Theaterpädagogin Steffi Liedtke, die das gesamte Projekt begleitet hat, stellte sich den Fragen. Nach den größten Veränderungen für sie persönlich gefragt, waren sich alle einig, dass es die Freiheit ist dahin zu gehen, wo man möchte. Steffen Unglaub gehörte zur Gruppe der 20. Er war dabei, als die ersten Kerzen angezündet wurden und der Ruf "Keine Gewalt" durch Plauens Straßen hallte. Alexander Müller kam mit sieben Jahren in ein Kinderheim. Seine Mutter war zu DDR-kritisch und angeblich nicht in der Lage, aus ihm einen guten DDR-Bürger zu machen. Sein eigene Überzeugung brachte ihn schließlich in den Jugendwerkhof Torgau zur "Umerziehung". Diana Zierolds Eltern hatten einen Ausreiseantrag gestellt und nachdem diese das Land verlassen hatten, war ein Wiedersehen kaum möglich. Nach dem Fall der Mauer änderte sich das. Ihre Exmatrikulation von Anfang Oktober 1989 wurde aufgehoben und sie bemerkte, wie sich plötzlich das Verhalten der Lehrer änderte. Die vier Zeitzeugen nannten diese Zeit als eine Zeit der großen Freiheit, alles stand Kopf.
Die Darsteller der Trias Oberschule Elsterberg zeigten sich beeindruckt, von dem was sie in den Interviews zu Hause und auf der Bühne im Malzhaus gehört hatten. " Lara stellte fest, dass es sehr schwer gewesen sei, in dem Stück die Emotionen wiederzugeben, die beim Erzählen aufgekommen sind.