Debatte um Plauener Rathaus-Fassade zündet

Drei Entwürfe für einen Rathaus-Teilneubau stehen derzeit zur Diskussion. Am Donnerstagabend fand im Plenarsaal eine Informationsveranstaltung für Bürger statt, die rege von meist älteren Menschen der Stadt besucht wurde und teils kontroverse Positionen zutage treten ließ. Es wurde auch eine Lanze für das alte Neue Rathaus gebrochen.

Plauen - Das Preisgericht im Plauener Rathaus hatte 2012 aus den zahlreichen Einreichungen drei gleichrangige Platzierungen an drei sächsische Architekturbüros vergeben: Das Büro "bhss architekten", die "RKW Architektur + Städtebau" und das "atelier st". Alle Büros sind aus Leipzig, alle haben, so die Jury, die Anforderungen der Ausschreibungen am besten erfüllt, erfuhren die rund 200 Besucher des Info-Abends. Dr. Eberhard Pfau, Architekt im Bund Deutscher Architekten aus Dresden und Mitglied der Jury, stellte die Vorschläge vor und erläuterte die Herangehensweisen der Bewerber an das Projekt.

Es stellten sich unter anderem die Aufgaben, das Volumen des Gebäudes zu verringern, einen gut erreichbaren, zu teilenden Saal zu integrieren sowie transparenter und lichtdurchlässiger im Eingangsbereich zu bauen. Zwei Entwürfe kamen beim Publikum in eine Schublade mit der Aufschrift "konservativ", einer in die Schublade "modern", der von "bhss". Die Diskussion war eingeläutet, an der sich durchweg Männer beteiligten. "Mein Wunsch wäre die moderne Fassade", äußerte Besucher Michael Schiebold knapp, der sich nicht für die zwei eher sachlichen, wie Kaufhausfronten wirkenden Vorschläge erwärmen konnte.

Der Bürger André Harnisch empfahl dem Gremium um Architekt Pfau: "Ich würde auch die anderen, wenngleich abgelehnten Entwürfe der Öffentlichkeit genauer vorstellen." Hans-Jürgen Meinel forderte: "Eine größere Beteiligung der Bevölkerung an der Entscheidungsfindung wäre wünschenswert." Ganz und gar nicht einverstanden mit den Vorschlägen zeigte sich Klaus Enders. Er schlug die Sanierung des jetzigen neuen Rathauses vor. "Ich bin vom Fach, man braucht um die 400000 Euro und könnte die Fassade ordentlich wieder herstellen", so der Plauener, der deutlich kritisierte, dass die Stadt für protzige Bauvorhaben viel Geld habe. "Aber die Wege und Straßen sind teilweise marode", so Enders, der Zuspruch und auch Buhrufe erntete.

Die Frage nach dem Kostenvoranschlag wurde vom OB allgemein so beantwortet: "Ein Drittel bis ein Viertel der Kosten sollen aus dem städtischen Haushalt, die anderen Mittel aus deutschen und europäischen Fördertöpfen kommen." Das Thema Rathaus zündete. In und um den Plenarsaal (vor dem die Entwürfe ausgestellt waren) beherrschte intensives Besprechen die Atmosphäre. Pro und Kontra. "Damals haben die Verantwortlichen mutig gebaut, das Haus mit seiner schrägen Fassade wirkt modern und hat ein Alleinstellungsmerkmal, was mit einem Neubau verloren geht", sagte Lena Bauer, die sich mit der Familie die Ausstellung der Vorschläge aufmerksam anschaute und den Bauherren Mut für eine wiederum moderne Lösung wünschte. Wäre das in seinem Grau und seiner Baufälligkeit stehende alte neue Rathaus Plauens ein beachtetes Wahrzeichen, ein Denkmal geschütztes Gebäude - es gäbe das ganze Prozedere, die Diskussion, Informationsabende, den Kampf um und das Abwägen über die Vorschläge der Architekten nicht, lauteten andere Aussagen.

Das bestehende Haus wäre längst saniert und strahlte als Neubau aus den 1970er Jahren die nachfolgenden Generationen darauf verweisend, dass so in dieser Zeit gebaut wurde. Es wurde anders entschieden. Viele Jahre wurde sich nicht um das Haus samt Fassade gekümmert, vor dem aber die erste, wichtigste und friedliche Demonstration der Stadt und des Landes ihren Lauf nahm. Folglich wurde von den Stadtvätern wiederholt beklagt, wie marode der Bau sei. Von den Bauexperten wie dem Architekten Silvio Lux wurde auch am Donnerstag wieder ausgeführt, dass die Bauvorschriften der Bundesrepublik eine Sanierung unmöglich machen. "Schauen Sie sich das an, wir heizen hier eins zu eins in die Natur raus", sagte Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer den Zuhörern der Info-Veranstaltung im Plenarsaal auf die verschmutzte Glasfassade zeigend.

Nach der Fragestellung Neubau, historischer Nachbau oder doch Sanierung wurde nach Stadtratsbeschluss schließlich der Wettbewerb für einen Neubau ausgerufen, dessen Preisträger feststehen. Nach dem 26. Februar 2013 werde die zweite Stufe des Vergabeverfahrens mit der abschließenden Jurysitzung folgen, bei dem die drei Entwürfe nochmals geprüft werden und der Vergabevorschlag für den Stadtrat ermittelt werde, so Silvio Lux, der den Wettbewerb als Architekt betreut und die Powerpoint-Präsentation im Saal offerierte.