Datum war reiner Zufall

Plauen - Annelore und Heinz Luft haben sich am 11. November 1950 in Plauen das Ja-Wort gegeben. Dieses Jahr feierten sie mit der Familie und Freunden Diamantene Hochzeit.

 

Was für eine Zahl! 60 Jahre verheiratet zu sein, die Diamantene Hochzeit zu begehen, das ist was, meint die Plauenerin Annelore Luft mit einem sanften, guten Blick auf ihren Mann Heinz Luft, der gar nicht viel Aufhebens machen will. Doch wer am 11.11. um 11.11 Uhr im Plauener Rathaus das Ja-Wort spricht, muss sich Aufmerksamkeit gefallen lassen.

Die bekammen die Lufts mit einem Empfang um 11.11 Uhr im Rathaus im Beisein vieler gut gelaunter närrischer Leute zu spüren. "Wir essen nach dem Empfang im Rathaus Martinsgans, fahren mit einem Sonderbus quer durch das Vogtland, verweilen beim singenden Wirt in Taltitz zum Kaffee und lassen den Tag im Hotel Alexandra ausklingen", umschreibt Heinz Luft den Ehrentag der zwei heute 82-Jährigen. Damals, im Jahr 1950, kurz vor der Hochzeit hatte das junge Paar ganz andere Sorgen, sagt Annelore Luft heute mit einem melancholischen Blick. Sie wollten schlicht zusammenziehen, doch ohne Trauschein keine Wohnung - es herrschten immer noch strenge Sitten auch im Nachkriegs-Ostdeutschland. "Wir mussten heiraten, um die Wohnung zu bekommen", sagte die heute 82-Jährige trocken. "Klar wollten wir ohnehin heiraten, aber es war halt so damals." Dass die Hochzeit auf so ein Datum und auf diese "lustige Zeit" fiel - es war reiner Zufall.

Richtig kennengelernt haben sich die beiden Plauener nach dem Krieg. 1949 kam Heinz Luft aus der sowjetischen Kriegsgefangenschaft in Estland zurück. Vier Jahre zuvor geriet der 17-Jährige in den Kessel zwischen Berlin und Fankfurt/ Oder mitten ins vernichtende, sinnlose Geschehen. "Wir kannten uns ja schon aus der Schulzeit hatten aber noch Augen für andere", erzählt Anne Luft lächelnd. Und dann? Bei einem Treffen nach der Gefangenschaft in Plauen kamen sie zusammen und blieben es.

 

60 Jahre vergingen. Familie gegründet. Drei Söhne groß gezogen. Ralf, Jörg, Jens. Die berufliche Entwicklung voranbringen und meistern. Sie als kaufmännische Angestellte bei Konsum und HO, er als Hilfsarbeiter im Metallbereich und später als Ingenieur-Ökonom bei der größten Gießerei der DDR in Leipzig. Sie lebten dort und in Karl-Marx-Stadt. Schließlich dann die Rückkehr in die Heimat. Nach der Wende. Nach Plauen. "Wir fühlen uns sehr wohl hier", gestehen die Lufts. Und sie feiern eifrig. "Wenn wir gesund bleiben, werden wir weitere Feste feiern." Der Vogtland-Anzeiger gratuliert dem Ehepaar Luft ebenfalls ganz herzlich.          Frank Blenz