Das weiße Gold der Erde

Als Vater von drei Töchtern, die unterschiedlicher nicht sein können, hat man es sicher nicht leicht. Und wenn man dann noch König ist und entscheiden muss, welche einmal das Erbe antreten soll, sollte man schon genau überlegen.

Von Gabi Kertscher

Plauen Am Sonntag hatte auf der Kleinen Bühne im Theater Plauen-Zwickau ein Stück Premiere, in dem es genau um dieses Thema ging. Das Besondere an diesem "Märchen vom Salz" war, dass die Rollen von jungen Laiendarstellern besetzt waren.
Regisseurin Ute Menzel leitet seit vielen Jahren die Theatergruppe "Alles Theater" des Kinderschutzbundes und hielt auch bei diesem Stück die Fäden in den Händen. Die Geschichte ist frei nach dem Märchen der Gebrüder Grimm "Die Gänsehirtin am Brunnen" entstanden. Die Texte und Lieder sowie die Melodien stammen aus der Feder der Schauspielerin Menzel.
Zwerge weichen Corona
Gemeinsam mit Maria Kisowska-Löster hat sie die Musik ins Stück eingepasst. Die Handlung ist keine Neue. Bereits vor fünf Jahren feierte Ute Menzel mit ihren jungen Schauspielern damit große Erfolge. Eigentlich sollte für dieses Jahr ein völlig neues Stück auf die Bühne kommen. "Schneewittchen und 6 ½ Zwerge" wäre sicher ebenfalls ein Erfolg geworden, wenn da nicht die Pandemie dazwischengekommen wäre.
Ute Menzel berichtete, dass es für die Kinder zu schwer war, unter diesen Bedingungen zu proben. Man wollte aber trotzdem den Zusammenhalt fördern und so entstand die digitale Bühne. Es wurde ein Film über die Körpersprache gedreht. "Vielleicht können wir ‚Ohne Worte‘ mal öffentlich zeigen", hofft die Leiterin der Gruppe.
Proben via Internet
Auf dieser digitalen Bühne entstand auch das am Sonntag gezeigte Märchen. Eine völlig neue Bearbeitung des alten Stoffes. Die jungen Leute trafen sich via Internet, übten Texte, Mimik und Bewegungen. Die Proben wurden in kleinen Gruppen durchgeführt und auch, wenn alle auf der Bühne standen, achtete Ute Menzel auf Abstände. Sie selbst spielte die Märchenerzählerin und die Zauberin im Wald.
Sie alle, vom König Theodor von Hohenfels, über den Grafen, die drei Schwestern bis hin zu den Bauernkindern haben großes Theater gezeigt. In der Rolle des Grafen war Marvin Schaarschmidt zu sehen. Der junge Mann ist schon seit vielen Jahren in der Gruppe und konnte erste schauspielerische Erfahrungen bei Filmaufnahmen sammeln. Die drei Prinzessinnen Annabell, dargestellt von Jessica Horn, Stefanie (Sophie Hoffmann) und Susanna (Anastassia Tetzner) mussten ihre Liebe zum Vater zeigen.
Nachwuchs überzeugt
Während Stefanie und Susanna Wert auf edle Stoffe und Schmuck legten und dementsprechend ihren Vater auch lieben "wie Edelsteine" und "wie die schönsten Kleider", musste Annabell lange nachdenken und kam zu dem Entschluss, dass sie ihren Vater liebe "wie das weiße Gold der Erde, das Salz". Enttäuscht schmiss sie der König aus dem Schloss, innerhalb von zwei Jahren verarmte das Königreich und Annabell kam bei einer Zauberin im Wald unter. Das Ende der Geschichte ist wie im Märchen - Ende gut, alles gut. Die beiden jüngsten Darsteller der Truppe - Emil und Saskia - überzeugten durch ihre schauspielerischen Leistungen. Emil ist Grundschüler und hatte gleich zwei Rollen, als Bauernjunge und Hoppelhase. Saskia hat schon einige Erfahrungen auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Obwohl sie erst in die 5. Klasse geht, stand sie schon mehrmals auf der Bühne der Theatergruppe "Alles Theater".